Literatur Live
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1.2.2005
Margaret Forster "Ich warte darauf, dass etwas geschieht"
Verlag: Arche
Rezensentin: Maike Albath

Margaret Forsters neuer Roman ist ein erfundenes Tagebuch: Die englische Schriftstellerin denkt sich eine Frau namens Millicent aus, baut sich selbst als Herausgeberin ein, schreibt ihrer Heldin tägliche Eintragungen auf den Leib und verknüpft die Aufzeichnungen durch Kommentare.

Millicent wird Anfang des 20. Jahrhunderts geboren. Sie wächst im Süden Londons mit sechs Geschwistern auf, und mit dreizehn Jahren beginnt sie, Tagebuch zu führen. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, ihr Bruder psychisch geschädigt zurückkehrt und kurze Zeit später der Vater stirbt, muss sie als Verkäuferin arbeiten, um ihre Familie zu ernähern.

Später wird Millicent Lehrerin, siedelt nach Italien über und genießt ihr Leben allein, sehr zur Empörung ihrer Familie. Höchstens ein paar Liebhaber dürfen ihr Gesellschaft leisten. Dann kommt der Zweite Weltkrieg, und wieder ändern sich die Zeiten, wieder muss Millicent die Gratwanderung zwischen Anpassung und Selbstbestimmung leisten.

Forster liefert mit ihrem neuen Roman lebendige Sozialgeschichte: sie rekonstruiert ein Frauenschicksal, wie es inmitten der Wirren und Umbrüche des 20. Jahrhunderts hätte verlaufen können.
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