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8.2.2005
Sudhir Kakar: "Die Frau, die Ghandi liebte"
C.H.Beck
Rezensentin: Claudia Kramatschek

Am 25. Oktober 1925 bricht eine 33-jährige Engländerin - Madeline Slade - mit dem Schiff von Marseille nach Indien auf. Dort wird sie für die nächsten 17 Jahre in jenem Ashram leben, den Mahatma Gandhi in Ahmedabad sechs Jahre zuvor gegründet hatte, um hier vorzuleben, was er unter "swaraj", dem Kampf um Selbstbestimmung und damit die indische Unabhängigkeit, verstand.

Wahrheitsliebe, innere Reinheit und Selbstdisziplin gehörten dazu ebenso wie die harte Arbeit am Spinnrad. Doch glaubt man nun einem Buch des indischen Psychoanalytikers Sudhir Kakar, so rüttelte die englische Admiralstochter gefährlich an der Standfestigkeit des Mahatma. Denn Madeline - oder Mira-behn, wie Gandhi sie nennt - und Ghandi verliebten sich in einander. In einer gewagten Mischung aus Fakten und Fiktion - authentische Briefe und Tagebuchszenen wechseln mit dem Spiel der Fantasie - schildert Kakar die so schwierige wie intensive Beziehung zwischen Gandhi und Mira-behn in den Jahren 1925 bis 1942, die sich hier liest wie ein Roman. Für den Leser ergeben sich nicht nur ungewöhnliche Einblicke in das Leben hinter dem Banner des großen Freiheitskampfes, sondern auch in die unterschiedliche Seelenwelt von West und Ost.
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