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14.2.2005
Antonio Muñoz Molina: "Sepharad"
Rowohlt Verlag
Rezensent: Uwe Stolzmann

"Sepharad", das westliche Ende der alttestamentarischen Welt, bot Juden nach der Vertreibung aus dem Heiligen Land Asyl. Doch auch von hier - aus dem alten Spanien - wurden sie 1492 wieder verjagt ... Bei Antonio Muñoz Molina wird dieses Sepharad Metapher: für den erträumten Zufluchtsort so vieler Vertriebener des 20. Jahrhunderts. In einem Mosaik aus Geschichten, Episoden und Reflexionen umkreist der Spanier die Themen Flucht, Exil, Reisen, Deportation. Die Schicksale fiktiver Figuren mischt der Autor mit denen historischer Persönlichkeiten: Primo Levi, Kafkas Freundin Milena Jesenská, Walter Benjamin, Willi Münzenberg, Victor Klemperer.

"Sepharad", dieses Buch über erzwungene Fremdheit, ist ein Versuch, das kollektive Gedächtnis zu mobilisieren: gegen das Totschweigen der Ursachen und Folgen von Krieg und Diktatur in Europa. Ein packendes Buch, mal Roman und mal Essay, geschrieben in einer bildkräftigen, bisweilen rauschhaften Sprache.

Autor Antonio Muñoz Molina, 1956 in Andalusien geboren, wohnhaft in Granada, erhielt 1991 den wichtigsten spanischen Literaturpreis, den Premio Planeta. Mit 39 - so früh wie niemand zuvor - wurde er in die Königliche Akademie gewählt.

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