Mahlzeit
Mahlzeit! Gespräche mit Udo Pollmer
Samstag • 11:15
7.12.2002
Hartkäse in Weichfolie-Lebensmittelverpackungen

An jeder Käsetheke im Supermarkt ist es zu beobachten: fast alle Sorten werden in hauchdünner Dehnfolie wieder verpackt, was appetitlich und hygienisch einwandfrei aussieht. Aber auch andere Produkte liegen zur durchsichtigen Begutachtung in Regalen für die Kundschaft bereit, denn jeder soll sehen, was das Angebot hergibt, die Weichfolie macht's.

Weichmacher in Käse Käsestücke werden zunehmend in Dehnfolien eingeschlagen und in Selbstbedienungstheken angeboten. Neben Folien aus Polyethylen finden manchmal auch PVC-Folien mit hohen Gehalten an DEHA Verwendung. DEHA (Adipinsäure-bis-2-ethylhexylester ist ein Weichmacher, der in den Fettanteil der Käse migrieren kann. Eine Untersuchung von 86 Käseproben durch die Salzburger Lebensmittelüberwachung ergab vor allem bei gut gereiften Hartkäsen exorbitante Rückstandswerte von bis zu 0,9 Gramm pro Kilo. Dies führt gleichzeitig zu geschmacklichen Veränderungen. Da der Durchschnitt bei fast 0,3 Gramm DEHA pro Kilo Käse lag, ist die Verwendung von DEHA-haltiger PVC-Folie für Käse nach der EU-Direktive 90/128 EEC unzulässig. (Deutsche Lebensmittel-Rundschau 2000/96/S.324-326) Aus: EU.L.Enspiegel 2000, Heft 8

Volle Dosis Weichmacher im Essen Beachtliche Rückstände an Weichmachern für Kunststoffe fanden Professor Werner Pfannhauser und seine Mitarbeiter (Universität Graz) bei einer systematischen Studie der Belastung 100 österreichischer Nahrungsmittel mit 16 verschiedenen Phthalaten. Die höchsten Gehalte fanden die Analytiker in Erdnüssen (37,9 ppm) und geriebenen Haselnüssen (32 ppm), gefolgt von gerebelten Majoran (19 ppm), Backerbsen (17 ppm), Milchcremewaffeln (11,8 ppm), Gewürzen in Verbundpackung (jeweils ca 9 ppm), Toastbrot in Kunststofffolie (7,5 ppm) und Vollreiswaffeln (5,6 ppm). Gering belastet waren Babynahrung, Obst und Getränke. Unter den Phthalaten ist das Di-(2-ethylhexyl)phthalat dank seiner hohen Persistenz, man geht von Halbwertszeiten von über 100 Jahren aus, und einer Jahresproduktion von etwa 4 Millionen Tonnen, inzwischen in unserer Umwelt ubiquitär verbreitet. Seine Verwendung als Weichmacher in Verpackungsmaterial dürfte die Ursache der hier gefundenen hohen Rückstandsgehalte sein. Mit deutlich geringeren Gehalten folgte das Dibutylphthalat, während die übrigen 14 Phthalate, wenn überhaupt, nur in Spuren nachweisbar waren. In einem weiteren Versuch wurde die tägliche Gesamtaufnahme des Österreichers mittels einer Duplicate Diet Study bestimmt. Der Durchschnitt lag bei 0,83 Milligramm. Dies entspricht der Belastung in anderen europäischen Ländern und liegt innerhalb des vorgesehenen EU-Grenzwertes von 1,75 mg Di-(2-ethylhexyl)phthalat pro Person und Tag. "Nach Abschätzung aus der Literatur besteht derzeit kein erhöhtes toxikologisches Risiko durch Aufnahme von Phthalaten", schließen die Autoren. Sie ziehen als Begründung eine unveröffentlichte Arbeit heran, gemäß der Erwachsene auch weit mehr als 7 Gramm pro Tag unbeschadet überstehen sollen. (Pfannhauser W et al: Phthalate in Lebensmitteln, Forschungsberichte-Sektion III/1995/H.3

Anmerkung: Während der detaillierten Studie alle erforderlichen analytischen Daten entnommen werden können, sind bei der pauschalen toxikologischen Einschätzung Einschränkungen nötig. Die internationalen toxikologischen Gremien empfehlen eine Senkung der Belastung wo immer möglich und den Ersatz dieser Weichmacher durch andere Stoffe. Toxikologisch stehen im Tierversuch Unfruchtbarkeit durch Hodenatrophie und Leberkrebs im Vordergrund. Während die leberschädigenden Wirkung wahrscheinlich nicht für den Menschen zutrifft, muss die Hodenatrophie ernst genommen werden. Denkbar ist auch ein Zusammenhang mit der sinkenden Fruchtbarkeit des Mannes in den Industrieländern. (WHO, Environmental Health Criteria, Genf 1992, Nr.131) Aus: EU.L.Enspiegel 1995, Heft 6

Weichmacher in Zitrusöl Neben Rückständen an Pflanzenschutzmitteln in Ätherischen Ölen sorgen jetzt Phthalate für Aufregung. Phthalate sind Weichmacher für Kunststoffe, die ein breites Spektrum an toxischen Wirkungen entfalten. Bei der Überprüfung von über 80 Zitronen-, Orangen- und Mandarinenölen waren fast alle Proben mit Diisobutylphthalat (max. 62 ppm) und bis(2-Ehtylhexyl)phthalat (max. 30 ppm) belastet. Die Herkunft der Schadstoffe ist noch unklar. (Journal of Agricultural and Food Chemistry 1999/47/S.1009-1012) Aus: EU.L.Enspiegel 1999, Heft 4

Hormone im Hausstaub Ein Kilo Hausstaub enthält zwischen 0,3 bis 5,4 Gramm (!) Phthalsäureester. Die Weichmacher aus Kunststoffen sind wegen ihren hormonellen Effekten in die Kritik geraten. Bislang ist nicht bekannt, wie viel Staub der Mensch täglich einatmet und ob die Xenoöstrogene auch über die Haut aufgenommen werden. Das gesundheitliche Risiko ist noch offen. Denkbar ist allerdings, dass es einen Zusammenhang zwischen den belasteten Stäuben und dem Auftreten einer Hausstaubmilben-Allergie gibt. (Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Verbraucherschutz Januar 1999) Aus: EU.L.Enspiegel 1999, Heft 7

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