Mahlzeit
Mahlzeit! Gespräche mit Udo Pollmer
Samstag • 11:15
28.12.2002
Iß Dich schlau ! Ernährung und Hirnleistung

Das heutige Thema in HörenSagen mit dem Ernährungsexperten Udo Pollmer wird uns endgültig zu Kopfe steigen , denn die Hauptfrage dieser Runde ist: kann die angeborene Intelligenz durch gezielte Ernährung verbessert werden? Oder auch: kann eine nicht angeborene Intelligenz dadurch geweckt werden? Na, mal schauen, ob wir im nächsten Jahr durch's Essen schlauer werden.

Gestillte Kinder sind klüger Seit den Arbeiten von Morley et al., die einen deutlichen Intelligenzvorsprung gestillter Kinder bis in das Alter von 8 Jahren nachweisen konnten, reißt die Diskussion um den Einfluss sozialer und diätetischer Faktoren bei der Säuglingsernährung nicht mehr ab. Von einer britischen Forschergruppe wurden in Dundee (Schottland) bei 592 Erstgeborenen bis zum Alter von 18 Monaten neben den intellektuellen und psychomotorischen Indices speziell soziale Einflussfaktoren untersucht. Während in der Psychomotorik kein Unterschied zwischen gestillten Säuglingen und Flaschenkindern auftrat, war er bei den intellektuellen Fähigkeiten unabhängig von sozialen Faktoren deutlich ausgeprägt. Nach Ansicht der Autoren "liefert die Studie einen weiteren Beleg für den stabilen statistischen Zusammenhang zwischen der Art der Ernährung und der kindlichen Intelligenz". Sie geben jedoch zu bedenken, dass zwischen der geistigen Entwicklung des Kindes und IQ-Tests im Erwachsenenalter kein besonderer Zusammenhang besteht. (International Journal of Epidemiology 1995/24(Suppl.1)S.S21-S26) Entnommen aus EU.L.E.n-Spiegel 1995/H.3

Dümmer durch Aluminium Werden Babys in der 34. Schwangerschaftswoche oder früher geboren und wiegen sie zudem weniger als 1.800 g, so werden die Frühchen mit einer intravenösen Standard-Nährlösung aufgepäppelt. Diese in den USA und Europa verwendete handelsübliche Nährlösung bereitet amerikanischen Wissenschaftlern im wahrsten Sinne des Wortes Kopfschmerzen. Das Lebenselixier enthält neben physiologisch wertvollen Inhaltsstoffen auch Aluminium als Kontaminante. Das Leichtmetall akkumuliert im Gehirn, verursacht neurotoxische Schäden sowie Anämien, Knochenkrankheiten und fortschreitende Demenz. In einer amerikanischen Studie wurde untersucht, welche langfristigen Auswirkungen diese kontaminierten Nährlösungen auf die Entwicklung von Säuglingen haben. Hierzu erhielten 90 Frühgeborene 10 Tage lang ein handelsübliches Präparat, 92 bekamen eine aluminiumarme Nährstofflösung. Hierdurch erhielten die Babys der Vergleichgruppe nur 1/10 der sonst üblichen Aluminiumdosis, nämlich 4,5 µg/kg Körpergewicht. Im Alter von 18 Monaten wurden die Kleinkinder psychologisch und neurologisch untersucht. Trauriges Ergebnis: Kinder, die als Neugeborene die übliche Aluminium-Fracht bekamen, waren in ihrer neurologsichen und geistigen Entwicklung beeinträchtigt. (New England Journal of Medicine 1997/336/S.1557-1561) Entnommen aus EU.L.E.n-Spiegel 1997/H.6

Vormenschen: Schlau durch Fleisch Bisher galten unsere Vorfahren, die vor drei Millionen Jahren in Afrika lebten, als Früchteesser, so wie manche Schimpansen heute. Forscher der Universität Kapstadt führten nun eine Isotopenanalyse des Zahnschmelzes durch, die zeigte, dass die Nahrung von Australopithecus africanus große Mengen des Kohlenstoff-Isotopes 13C enthalten hat. Und dieses Isotop ist vor allem in Gräsern zu finden. Da den Zähnen der Hominiden die für Grasfresser typischen Kratzspuren felten und Gras für den Menschen eher schwer verdaulich ist, ist unwahrscheinlich, dass sie selbst viel Gras oder Grassamen verzehrt haben. Eine andere Erklärung liegt näher: Die Australopithecinen nährten sich vom Fleisch der Pflanzenfresser, die ihnen das Gras vorverdauten. Denn nur wo ausreichend leicht verdauliche Energie zur Verfügung stand, konnte sich nach Ansicht der Autoren ein so stark energieverbrauchenes Organ wie das menschliche Gehirn entwickeln. (Science 1999/283/S.368-370) Entnommen aus EU.L.E.n-Spiegel 1999/H.2

Schlau durch Kartoffeln

Anthropologen von Harvard glauben, dass stärkereiche Speisen wie Kartoffeln oder Maniok eine entscheidende Ursache der Menschwerdung darstelle. Das Kochen der Knollen hätte den Urmenschen leicht verdauliche Stärke und damit reichlich Kalorien zur Verfügung gestellt. Dies sei eine Voraussetzung für die Entwicklung großer Gehirne, die viel Energie verbrauchen. (Science 1999/283/S.2004-2005) Entnommen aus EU.L.E.n-Spiegel 1999/H.4

Dummes Geschwätz? Die Diät ist schuld!

Kein Problem, wenn Sie mal dummes Zeug reden. Nehmen Sie die Experten-Ausrede: Sie sind gerade auf Diät. Der Hintergrund: Bekanntlich senken die Blutverluste während der Menstruation die Eisenspeicher des Körpers. Dieser Eisenmangel ist nach Meinung Californischer Ernährungsforscher Ursache einer Intelligenzminderung, unter der 50% aller Frauen im gebärfähigen Alter leiden. Da nicht nur die Monatsblutung zu Eisenverlusten führt, sondern auch Diäten eine Unterversorgung befürchten lassen (sog. "subklinischer Spinatmangel"), lag es auf der Hand, die Folgen einer Diät an Dicken zu testen. Frauen, die das Abspeckprogramm 15 Wochen lang durchhielten, schnitten nicht nur bei den Intelligenztests schlechter ab, sie hatten auch etwas niedrigere Eisenpegel. Und das obwohl sie mit einer satten Extraportion Eisen versorgt worden waren. Das stellte Intelligenz der Universitätsprofessoren auf eine harte Probe. Die Möglichkeit, dass das Ergebnis weniger mit Eisenmangel, dafür aber umso mehr mit Unterzucker zu tun haben könnte, kam ihnen nicht in den Sinn. Auch die Ernährungspsychologen wollen bei der Erforschung weiblicher Intelligenz nicht abseits stehen. Eine raffiniert angelegte Studie ergab allerdings einen ganz anderen und zutiefst psychologischen Grund: das schlechte Abschneiden bei Intelligenztests hängt damit zusammen, dass die holde Weiblichkeit während einer Diät ständig an Bauch und Po denkt und damit keine Kapazitäten mehr für die schlauen Tests der Seelenforscher frei hat. Das schlechte Abschneiden korrelierte tatsächlich "signifikant mit der Aufmerksamkeit, die die Frauen ihrer Körperform widmeten". Wenn die Eitelkeit auf dem Spiel steht, werden auch müde Männer munter. Besorgte Sportmediziner prüften deshalb die Folgen von Abmagerungskuren, die Wrestler auf sich nehmen, um in einer günstigeren Gewichtsklasse raufen zu dürfen. Selbstverständlich ließen sich auch bei ihnen gewisse Defizite in ihren intellektuellen Fähigkeiten zeigen. Die entscheidende Frage allerdings, ob Dummheit Folge oder Voraussetzung für Diäten und Diätstudien ist, lässt sich bis heute nicht zufriedenstellend beantworten. Studiendesign und Interpretation sprechen dafür, dass allein die wissenschaftliche Beschäftigung mit Diäten die grauen Zellen irreversibel schädigen kann. (European Journal of Clinical Nutrition 1998/52/S.512-518; Psychological Medicine 1998/28/S.1063-1070; Medicine & Science in Sports & Exercise 1998/30/S.746-749) Entnommen aus EU.L.E.n-Spiegel 1999/H.1

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