Mahlzeit
Mahlzeit! Gespräche mit Udo Pollmer
Samstag • 11:15
15.3.2003
Mehr als Zucker: Neotame, neuer Süßstoff in den USA

In den USA... ...wird in Kürze die Zulassung des Süßstoffs Neotame aus dem Hause Nutrasweet erwartet. Es handelt sich um ein Reaktionsprodukt aus Aspartam mit 3,3-Dimethylbutyraldehyd. Die Synthese erfolgt in Methanol in Gegenwart von Wasserstoff und einem Katalysator, vorzugsweise Palladium oder Platin. Neotame ist 30 bis 60 mal so süß wie Aspartam, und damit 8.000 mal süßer als Zucker. Mit Saccharin wirkt es synergistisch, was die erforderliche Dosis weiter senkt. Der Geschmack wird als sehr rein beschrieben, vor allem fehlt der für andere Süßstoffe typische metallische oder bittere Beigeschmack fast gänzlich. Ein weiterer Vorteil ist, daß er in sehr geringer Dosis und zwar unterhalb der Wahrnehmungsschwelle unerwünschte Geschmacksnoten maskiert. Er eignet sich besonders, die bohnige Note von Sojaprodukten sowie den bitteren bzw. adstringierenden Geschmack von Pflanzenextrakten und Medikamenten zu unterdrücken. Neotame ist im Lebensmittel relativ stabil und spaltet sowohl im wässrigen Medium als auch im Körper Methanol ab. Das verbleibende Molekül ist nicht mehr süß und wird vom Körper schnell und vollständig ausgeschieden. Da seine Süßkraft erheblich höher ist als die von Aspartam bedeutet dies eine geringere Freisetzung an Methanol. Im Unterschied zu Aspartam setzt es kein Phenylalanin frei und stellt damit kein Risiko für PKU-Patienten dar. (Quelle: Prakash I et al: Neotame: The next generation sweetener. Food Technology 2002/56/H.7/S.36-40,45)

Von der Süßstofffront nichts Neues Eine neue Studie sollte wieder einmal die Rolle künstlicher Süßstoffe bei der Gewichtsregulation klären, insbesondere nachdem die appetitstimulierenden Effekte über eine Insulinausschüttung als Pawlovscher Reflex immer wieder Anlass zur Kritik gaben. In diesem Experiment ließen die Wissenschaftler Übergewichtige zusätzlich zu frei wählbarer Kost für 10 Wochen entweder süßstoff- oder saccharosehaltige Getränke verzehren. Da das Gewicht unter Zuckerverzehr durchschnittlich um 1,6 Kilo anstieg, während es in der Süßstoffgruppe während des Versuchs um ein Kilo sank, zeigte sich die Branche naturgemäß erfreut über das Ergebnis. Einer einschlägigen Pressemeldung der "Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik" in Bad Aachen ist zu entnehmen, dass "diese Studie endlich den Beweis liefert, dass Süßstoffe weder dick noch hungrig machen".

Anmerkung: Ob diese Schlußfolgerung tatsächlich gerechtfertigt ist, darf jedoch bezweifelt werden. Beide Gruppen befanden sich im Glauben, die zusätzliche Kost enthielte nur Süßstoffe. Da Übergewichtige an solchen Studien gewöhnlich in der Absicht teilnehmen, dadurch endlich abzunehmen, ist ein Gewichtsverlust während einer Süßstoffdiät wenig verwunderlich, umso mehr als die betreffenden Probanden in diesem Zeitraum auch noch ihre sportlichen Aktivitäten erhöhten. Auf der anderen Seite verwundert es nicht, dass die "Betrogenen" im Glauben nur Lightprodukte zu erhalten, enorme Mengen an Limonaden und Fruchtsaftgetränke konsumierten, so dass ihr Gewicht zunahm. Auch ihre Bewegungsfreude erhielt im Zuge des Versuches einen Dämpfer. Eine Aussage über den Erfolg oder Misserfolg von Diäten, die auf eine Körpergewichtsreduktion abzielen, läßt sich kaum anhand der kurzfristig abgespeckten Pfunde treffen. Entscheidend ist vielmehr die weitere Entwicklung des Gewichtes durch die körpereigene Gewichtsregulation, auch Jojo-Effekt genannt. Dies bleibt jedoch bei der Studie außen vor.

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Quelle: Raben A et al: Sucrose compared with artificial sweeteners: different effects an ad libitum food intake and body weight after 10 wk of supplementation in overweight subjects. American Journal of Clinical Nutrition 2002/76/S.721-729
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