Mahlzeit
Mahlzeit! Gespräche mit Udo Pollmer
Samstag • 11:15
5.4.2003
Blinder Passagier: der Heringswurm. Rohfischallergene

Angriff der Heringswürmer Der Heringswurm (Anisakis simplex) hat sich in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Allergene entwickelt. Aufgrund häufiger anaphylaktischer Reaktionen (über 50 Prozent) gehört er in Spanien bereits zum Standardset bei Allergien aller Art. Zur allergischen Symptomatik gehören auch ungewöhnliche Krankheitsbilder wie rheumatische Reaktionen oder Schlafstörungen. Sie werden nicht nur von lebenden Heringswürmern sondern auch von abgetöteten ausgelöst, denn ihre Allergene sind hochgradig resistent gegenüber Kälte und Hitze. Selbst bei Inhalation - z. B. von Fischmehl in Futtermitteln traten Allergien auf. Noch ist unklar, ob eine Infektion als Voraussetzung für eine Allergie notwendig ist, experimentelle Befunde deuten jedoch darauf hin, dass dies nicht zutrifft.

Neben den Allergien stellen Infektionen ein unterschätztes Problem dar. In Japan werden jedes Jahr etwa 2.000 Erkrankungen durch Heringswürmer gemeldet. In Europa nehmen die Fallzahlen schnell zu, vermutlich nicht nur aufgrund des Trends zu Sushi und Sashimi sondern auch weil sie zunehmend ins Blickfeld der Medizin geraten. Erkrankungen sind vor allem bei Konsum von rohem Fisch bzw. kleinen Fischen, die mit ihren Innereien verzehrt werden zu erwarten: Salzheringe, Gravard Lachs, Boquerones en vinagre (Anchovis) und Sardinen. Daneben spielen auch andere Fischarten eine Rolle, wenn sie unzureichend bzw. ungleichmäßig erhitzt wurden. So kann ein gegrillter oder in der Mikrowelle erwärmter Dorsch durchaus eine Infektionsgefahr darstellen. (Quelle: Audicana MT et al: Anisakis simplex: dangerous - dead and alive? Trends in Parasitology 2002/18/S.20-25)

RealAudio

p-20030405.ram

Entnommen aus: EU.L.E.N-SPIEGEL - Wissenschaftlicher Informationsdienst des Europäischen Institutes für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften e.V. 2002/H.2-3/S.35
-> Mahlzeit
-> weitere Beiträge