Mahlzeit
Mahlzeit! Gespräche mit Udo Pollmer
Samstag • 11:15
7.6.2003
Vaterschafttest für Müller-Thurgau /Genetische Herkunft von Wein

Im Wein liegt Wahrheit und manchmal sogar im Etikett. Durch strengere Prüfungsbedingungen fiel jeder sechste Wein bei der Bundesweinprämierung 2003 der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) durch, trotz insgesamt besserer Qualität. So erhält aber der Verbraucher durch die Güte-Medaillen auf der Flasche einen recht sicheren Navigator im Labyrinth der Weinregale. Was der Genießer trotz allem noch nicht weiß oder wissen muss, ist die genetische Herkunft des guten Tropfens. Das aber hat einige Wissenschaftler sehr bewegt, denn sie fanden beim Vaterschaftstest von Müller-Thurgau ein paar Fremdgänger.

Jeder Winzer und Weinkenner hat gelernt: Die Müller-Thurgau-Rebe entstand durch eine Kreuzung von Riesling und Silvaner. Doch einige Experten hatten so ihre Zweifel und sprachen hinter vorgehaltener Hand von der "Kaspar-Hauser-Traube". Diese wurden jetzt anhand von DNA-Analysen bestätigt. Der wahre Sachverhalt ist noch lange nicht geklärt. So sehen manche nicht den Silvaner, sondern den Madeleine Royale, andere den Chasselas de Couitiller als den wahren Pollenspender an. Eine dritte Laboranalyse will nun festgestellt haben, dass der Silvaner eindeutig die Mutter ist, während die Vaterschaft noch nicht geklärt ist. Der Weinliebhaber staunt und wundert sich: Denn egal wer da nun mit wem Fremdgegangen ist - der Wein schmeckt fabelhaft. (Quelle: Froböse R: Müller-Thurgau fällt vom Stammbaum. BioTec 2001/H.1-2/S.14-15)

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p-20030607.ram

Aus: EU.L.E.nspiegel 2002/Heft 2-3/S.34
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