Mahlzeit
Mahlzeit! Gespräche mit Udo Pollmer
Samstag • 11:15
5.7.2003
Papayas - Eigenheiten einer Südfrucht

Das Angebot exotischer Früchte auf dem europäischen Obstmarkt ist stabil und oft sehr preiswert. Angstlos wird verzehrt, was der Appetit dem Verbraucher eingibt.

In Indien und anderen Teilen Asiens ist es Schwangeren strikt verboten, unreife oder reife Papayas zu verzehren, da sie als "heiß" eingestuft werden. "Heiße" Speisen sind dem Volksglauben nach mit dem Risiko behaftet, Missbildungen hervorzurufen. Auch deshalb werden in Indonesien und Malaysia bestimmte Teile der Frucht zur Abtreibung verwendet. Wissenschaftler halten diese negative Zuordnung der Papaya für falsch. Die Früchte stellen ihrer Meinung nach in Ländern mit Unterernährung eine wichtige ß-Carotin- und Vitamin-A-Quelle dar. Als Risiko sehen sie deshalb eher den Verzicht auf Papayas an. Ob es sich bei den traditionellen Ernährungsratschlägen um Aberglauben oder Erfahrungen handelt, wurde nun an Ratten getestet. Dabei erwies sich der Genuss eines latexhaltigen Saftes aus unreifen oder halbreifen Früchten als fruchtschädigend. Für die beobachteten krampfartigen Uteruskontraktionen, die sehr dem Effekt des Wehenmittels Oxytocin ähnelten, wird der hohe Gehalt an Papain und Chymopapain im Latex verantwortlich gemacht. Reife Früchte hingegen sind praktisch frei von diesen Sustanzen. (Quelle: Adebiyi A et al: Papaya (Carica papaya) consumption is unsafe in pregnancy: fact or fable? Scientific evaluation of a common belief in same parts of Asia using a rat model. British Journal of Nutrition 2002/88/S.199-203) Anmerkung: Das Ergebnis ist nicht nur in Hinblick auf "Papaya"- oder "exotische Diäten" von Interesse, denn Papain wird in der europäischen Küche - bisher ohne entsprechenden Warnhinweis - als Zartmacher für Fleisch verwendet. Aus Gründen des Verbraucherschutzes wäre es dringend geboten, die abortiven und womöglich teratogenen Wirkstoffe von Papaya zu erforschen. Umso mehr, als mehrere Untersuchungen die uterusstimulierende Wirkung dieser Zusatzstoffe im Grundsatz bestätigt haben.

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p-20030705.ram

Aus: EU.L.E.n-Spiegel 2003/Heft 1
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