Mahlzeit
Mahlzeit! Gespräche mit Udo Pollmer
Samstag • 11:15
3.1.2004
Latexhand an Leberwurst
Hygiene bei Frischwaren

Gebäck: allergisch
Daß eine übertriebene Hygiene Allergien fördert, ist nun nichts neues, aber die Details manchmal verblüffend. Im vorliegenden Fall erlitt ein 10jähriger Junge nach dem Verzehr von Gebäck einen anaphylaktischen Schock. Auslöser der lebensbedrohlichen Reaktion war die Hygiene in der Bäckerei: Die Mitarbeiter waren gehalten, Lebensmittel nur mit Gummihandschuhen anzufassen. Auf diesem Wege gelangten Spuren von Latex in die Ware. Aufgrund der Häufigkeit von Latexallergien fordern die Ärzte die Lebensmittelbranche dringend auf, keine Latexhandschuhe mehr zu benutzen. (Journal of Allergy and Clinical Immunology 2002/110/S.534-535)
Entnommen aus: EULEnspiegel 2002/H.4/S.27

Hausstaubmilben: Der Ficus war's
Wer unter einer Latex-Allergie leidet, weiß in der Regel, dass er auch Kiwis, Bananen und Avocados meiden sollte. Weniger bekannt, dafür aber umso problematischer sind die Kreuzreaktionen mit dem Gummibaum (Hevea brasliensis) und der Birkenfeige (Ficus benjamina). Bei einem Drittel der Patienten mit allergischer Schleimhautsymptomatik wie Heuschnupfen und Asthma erwies sich der Ficus als Allergen. Die Allergene sind im latexähnlichen Saft der Zimmerpflanzen enthalten, der austritt, wenn ein Blatt abgerissen wird. Sie werden aber auch an die Blattoberfläche abgegeben und binden an Staubpartikel.
Die Dunkelziffer unerkannter Fälle sei hoch, meinen Bochumer Dermatologen von der Ruhr-Universität um Dr. Volker Schenkelberger. Nicht selten handelt es sich um vermeintliche Hausstaubmilben-Allergiker mit langer Leidensgeschichte. Schenkelberger: "Der Nachweis einer Ficusallergie stellt kein Problem dar, solange differentialdiagnostisch daran gedacht wird. Die Beschwerdesymptomatik des betroffenen Patienten ist in der Regel so ausgeprägt, der Therapieerfolg nach Ausschaltung des Allergens so beeindruckend, dass der fündige Arzt immer im guten Gedächtnis des Patienten bleiben wird.” (Schenkelberger, V et al: Ficus benjamina - das heimliche Allergen im Haus. Hautarzt 1998/49/S.2-5)
Entnommen aus EULEnspiegel 1998/H.3/S.12

Fungizide in Schnullern und Kondomen
Nicht nur Obst und Gemüse, auch Latexprodukte können Dithiocarbamate enthalten. Während es sich bei Lebensmitteln gewöhnlich um Rückstände von Pilzvernichtungsmitteln handelt, stammen sie in Schnullern und Kondomen aus den Vulkanisationsbeschleunigern. Die Schweizer Lebensmittelüberwachung bemängelte, dass einige Latexprodukte größere Mengen abgeben, als in Obst als Rückstand (2 mg/kg) toleriert werden. (Mitteilungen aus dem Gebiete der Lebensmitteluntersuchung und Hygiene 2000/91/S.240-245)
Entnommen aus EULEnspiegel 2000/H.5/S.15
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