Mahlzeit
Mahlzeit! Gespräche mit Udo Pollmer
Samstag • 11:15
3.4.2004
Geräucherter Bär - Fleischprodukte aus Osteuropa

Gefährliche Reiseandenken

Seitdem immer mehr Osteuropäer in der EU arbeiten, gelangen auch vermehrt Fleischprodukte aus ihren Heimatländern nach Deutschland. In einem Fall wurden geräucherte Würstchen aus Rumänien als Auslöser von Trichinose identifiziert - sie enthielten 21 Larven pro Gramm Fleisch. Weitere infizierte Produkte waren Schinken, Salami und sogar geräuchertes Bärenfleisch.
Da menschliche Infektionen mit Trichinen in den meisten EU Ländern heute eher selten sind, erkennen Ärzte die unspezifischen Symptome der Parasitose oft zu spät. Wird die Trichinose nicht schnell genug behandelt, setzten sich die Larven im Muskelfleisch fest und bilden eine Kollagenkapsel, welche sie vor Medikamenten schützt. Doch die importierten Trichinen bedeuten nicht nur eine Gefahr für den Menschen. Sie können auch einheimische Tiere infizieren und dazu führen, dass die besiegt geglaubte Erkrankung in den EU-Ländern wieder aufflammt. (Quelle: Pozio E, Marucci G: Trichinella - infected pork products: a dangerous gift. Trends in Parasitology 2003/19/S. 338)

Anmerkung: In den letzten zehn Jahren hat sich die Trichinose in Osteuropa stark verbreitet. Während die durchschnittliche Infektionsrate bei 0,16 liegt, sind in einigen Dörfern bis zu 50 Prozent aller Schweine betroffen. Die EU ist inzwischen auf das Problem aufmerksam geworden, doch die Sicherheitsempfehlungen zum Import von Fleischprodukten aus osteuropäischen Ländern sind unvollständig. Sie schließen einige Länder wie Bulgarien, das Baltikum, Polen, Rumänien und die Slowakei nicht ein, deren Haus- und Wildtieren ebenfalls mit Trichinen infiziert sind.
Entnommen aus: EU.L.E.n-Spiegel 2003/H.5-6/S.37

Mozart: Tod durch Schnitzelbrot

Um den Tod des genialen Musikers Wolfgang Amadeus Mozart ranken sich viele Legenden. Von Herzkrankheit über Syphillis bis zum Mord durch Vergiftung reichen die Spekulationen. Zeitdokumente deuten eher auf eine Trichinose. Vermutlich aß er verseuchte Schweinekoteletts, von denen er in einem Brief schwärmt, den er wenige Wochen vor seinem Tod schrieb. Nicht nur seine Symptome passen ins Bild, auch gab es damals in Wien eine unbekannte Epidemie an der viele Menschen unter ähnlichen Umständen verschieden. (Quelle: Archives of Internal Medicine 2001/161/S.1381-1389)
Entnommen aus: EU.L.E.n-Spiegel 2002/H.2-3/S.39

Wildschweinereien

Jäger und Wildgourmets können sich nach wie vor gewisse Chancen ausrechnen, in den Genuss trichinösen Fleisches zu kommen. Zwar hat sich die Situation seit Anfang der 90er Jahre verbessert, als noch 30 bis 40 % aller Wildschweine ohne Trichinenbeschau in den Verkehr gelangten. Aber immer noch sparen sich einige Jäger, die per Jagdschein auch als "Fleischkontrolleure für Haar- und Federwild" anerkannt sind, die Kosten der Laborkontrolle. Sogar Fälle von Urkundenfälschung wurden bekannt.
Legt man die Häufigkeit von Trichinenfunden aus den untersuchten Wildschweinproben zugrunde, so werden auf dem genannten Wege pro Jahr etwa 1 bis 2 trichinöse Wildschweine verspeist. Welche Folgen das haben kann, zeigt ein Fall von 140 Erkrankten einer Festgesellschaft, die vom Mett eines einzigen infizierten (Haus-)Schweines gegessen hatten. Die Mehrzahl der Patienten erkrankte so schwer, dass diese seither arbeitsunfähig sind. Allein der finanzielle Schaden beläuft sich auf über 5 Millionen Euro. Tröstlich für Liebhaber von Wildschweinbraten ist, dass Wild meist durcherhitzt verzehrt wird. Dadurch werden die Trichinen abgetötet. Bei Kurzgebratenem, Tartar oder Mettwurst ist die Infektionsgefahr größer. (Quelle: Kujawski, Graf O.E.J.: 115 000 Wildschweine ohne Trichinenuntersuchung in Deutschland vermarktet. Rundschau für Fleischhygiene und Lebensmittelüberwachung 2001/53/S.243-245)
Entnommen aus: EU.L.E.n-Spiegel 2002/H.2-3/S.30
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