Mahlzeit
Mahlzeit! Gespräche mit Udo Pollmer
Samstag • 11:15
20.3.2004
Schönheitsvitamine

PABA, das Schönheitsvitamin...

Soll "glatte, gesunde Haut, ohne Falten, volles farbkräftiges Haar und ein hübsches Aussehen" verleihen und "praktisch alle Kosmetika und auch Tönungs- und Färbemittel" ersetzen. Beweise? Die liefern nach Ansicht einschlägiger Ratgeber "die Tiere in freier Natur", die angeblich mit ihrem Futter große Mengen PABA aufnehmen und deswegen bis an ihr Lebensende ein "prächtiges Fell, Feder, oder Schuppenkleid" behalten und dafür "keine Cremes und Lockenwickler" brauchen. Mit PABA sei es "also gar kein Problem, lebenslang so schön zu sein wie Rehe, Vögel oder auch Fisch in der Natur".

Das "ganz erstaunliche B-Vitamin" soll zudem die Haut vor Sonnenbrand und Krebs schützen. Sein Einsatz in Sonnenschutzmittel ist jedoch nicht unproblematisch, weil es zum einen Allergien auslösen kann und zum anderen nicht gegen die UV-B-induzierte Unterdrückung des Immunsystems schützt (Journal of Investigative Dermatology 1997/4/S.624-628)

... ist kein Vitamin für den Menschen...

PABA ist ein Wuchsstoff für einige Mikroorganismen, darunter auch pathogene wie Candida und Malaria-Erreger. Entdeckt wurde PABA (para-Aminobenzoesäure) in Hefe. Sie ist für jene Organismen lebensnotwendig, die keine vorgefertigte Folsäure nutzen können, sondern das Vitamin selbst herstellen. Ungerechtfertigterweise avancierte auch die PABA zum Vitamin (BH), nachdem sie das Wachstum von Hühnern und die Milchsekretion von Ratten verbesserte. Der Effekt ließ sich jedoch in späteren Studien auf den niedrigen Folsäuregehalt des Futters zurückführen. Durch die PABA-Zulage bildete die Darmflora der Tiere die nötige Folsäure, die im Darm resorbiert oder mit dem Kot aufgenommen werden könnte.

PABA blockiert die antibiotische Wirkung von Sulfonamiden. Ursache ist die strukturelle Ähnlichkeit beider Verbindungen, die von Mikroorganismen offenbar nicht unterschieden werden können. Bauen sie anstelle von PABA ein Sulfonamid ein, kommt die Folsäurebildung zum Erliegen, und sie gehen zugrunde.

Kommerziell wird PABA als Ausgangsstoff für die Synthese von Azofarbstoffen und Folsäure genutzt. Ihre Ester mit Ethanol oder Ethanolamin haben Bedeutung als Betäubungsmittel erlangt. Sie sind in der Regel an der Endung "...cain" im Namen zu erkennen, z.B. Procain. Erster z. B. mit Isobutanol und Glycerin dienen als Lichtschutzfaktor in Sonnenschutzmitteln.

Möglicherweise besitzt PABA einen pharmakologischen Nutzen. Studien an Blutplättchen ergaben, dass sie die Bildung von Thromboxanen hemmen und so die Blutgerinnung stören kann.

... sondern essentiell für Parasiten

Die Züchtung von Malaria-Erregern erwies sich als lehrreich in Sachen PABA: In verschiedenen Labors ließen sich die Parasiten, die aus dem Blut infizierter Ratten und Mäuse gewonnen und in flüssigem Stickstoff aufbewahrt wurden, nicht mehr aktivieren oder waren abgestorben. Als Ursache erwies sich das Futter der Labornager, die als lebende Brutstätten für die Erreger dienten: Eine Änderung der Rezeptur hatte dazu geführt, dass es nur geringe Mengen PABA enthielt. Ratten und Mäuse stört das wenig, denn sie sind wie Menschen und andere Säugetiere nicht auf PABA angewiesen. Den Malaria-Erregern fehlte jedoch ein essentieller Nährstoff. Heute wird das Rattenfutter zur Nahrungsergänzung mit PABA angereichert, damit die Parasiten optimal gedeihen. (Parasitology 1989/98/S.175-177)
Bereits Anfang der 70er Jahre war bekannt, dass PABA Malaria-Erreger resistent gegen Chloroquin macht (Nature 1972/238/S.98-99). Fernreisende sollten deshalb keinesfalls PABA einnehmen. Bei derartigen Wuchsstoffen ist auch damit zu rechnen, dass andere Parasiten, Krankheitserreger und Schädlinge besser gedeihen, wenn ihr Wirt seine Nahrung mit PABA "ergänzt".

Aus: EU.L.E.nspiegel - Wissenschaftlicher Informationsdienst des Europäischen Institutes für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften e.V. Heft 3/1998
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