Mahlzeit
Mahlzeit! Gespräche mit Udo Pollmer
Samstag • 11:15
10.7.2004
Das Talent der Pfefferminze

Pfefferminztee (Bild: AP)
Pfefferminztee (Bild: AP)
Mit Pfefferminz bist du mein Prinz

Die "echte" Pfefferminze (Mentha arvensis) ist ein Bastard aus Rossminze, Rundblättriger Minze und Wasserminze. Je höher den Anteil an Wasserminze, desto feiner der Geruch. Nachdem das wichtigste Gen für die Aromabildung charakterisiert wurde, darf in absehbarer Zeit mit gentechnisch optimierten Pflanzen gerechnet werden. Pfefferminze wird durch Stecklinge vermehrt, weil sich beim Saatgut die Nachkommenschaft des Bastards wieder in die Ursprungsarten aufspalten würde. Alle drei Jahre müssen die Felder mit neuen Stecklingen bepflanzt werden, da danach der Ölgehalt der Pfefferminze abnimmt. Pro Jahr wird zwei bis dreimal geerntet und die Minze auf Flächenrost- und Bandtrocknern bei 40°C getrocknet. Der größte Teil der deutschen Produktion (Anbaufläche ca 400 ha) wird für Tees verwendet.

In den USA dominiert der Anbau Krauseminze (Spearmint, Mentha piperita). Die Pflanze ist widerstandsfähiger und benötigt weniger Pflanzenschutzmittel als echte Pfefferminze. Krauseminze dient fast ausschließlich der Gewinnung des ätherischen Öls (im Jahr 1.500 Tonnen) einem wichtigen Grundstoff für Aromen- und Parfümhersteller. Zur Ölgewinnung lässt man die Minze zuerst auf dem Feld antrocknen, da frische Blätter während der Destillation mit Wasserdampf zu Verharzungen und Verfärbungen des Öles führen. Aus den Ölen wird zunächst Menthol gewonnen. Durch Ausfrieren wird aus dem Öl zunächst Menthol gewonnen. Dadurch wird der Mentholgehalt des Öles von 85% auf 50% gesenkt. Dieses dementholisierte Öl kann seinerseits als billiger Ersatz für "echtes" Pfefferminzöl verwendet werden. (Quelle: Schulz H, Krüger H: Zur Verbreitung, Züchtung und Verarbeitung von Pfefferminze und Krauseminze. Dragoco Report 1999/H.2/S.57-66)

Mit Minzöl gegen Malariamücken

Das Öl der Pfefferminze (Mentha piperita) ist ausgesprochen wirksam gegen Mücken, die Malaria, Denguefieber oder Filariose übertragen. Das fanden indische Forscher, die damit erfolgreich die Larven der drei untersuchten Mückenarten (Anopheles stephensi, Aedes aegypti, Culex quinquefasciatus) abtöteten. Auch mit Pfefferminzöl besprühte Freiwillige, die den Forschern als Köder für die Moskitos dienten, blieben von juckenden Stichen und Malaria verschont. (Quelle: Bioresource Technology 1999/71/S.267-271)

Cooler: das kühle Geheimnis im Bier

Deutsche Forscher in Garching bei München haben im Malz einen Stoff entdeckt, der 250 mal so kühlend wirkt wie Minze. Der Effekt hält im Mund etwa eine halbe Stunde vor, also doppelt so lang wie der von Menthol - jedoch ohne dessen minzeartiges Aroma. Da die Substanz ein typischer Inhaltsstoff von Bier und Whisky ist, erwarten die Experten keine schädlichen Nebenwirkungen. Wenn alles gut geht, sollen in zwei Jahren sollen die ersten "Frische"-Produkte mit dem Kühleffekt aus dem Bierglas auf den Markt kommen. (Quelle: Coghlan A: Chilled out. New Scientist 2001/H.2321/S.24)

Entnommen aus: EU.L.En-Spiegel - Wissenschaftlicher Informationsdienst des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften e.V., EU.L.E.n-Spiegel

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