Mahlzeit
Mahlzeit! Gespräche mit Udo Pollmer
Samstag • 11:15
7.8.2004
Fleischlust – krank durch Tierprodukte?

Einst galt Fleisch als gesund und lebenswichtig. Das hat sich in unseren Tagen grundlegend geändert. Fleisch soll nun krank machen, ja sogar Krebs fördernd und Herzinfarkt verdächtig sein. Das gute Stück Lebenskraft mutierte zum Teufelsbraten.

Offener Brief an Land- und Fleischwirtschaft

Wie Sie aus leidvoller Erfahrung wissen, ist vielen Menschen der Appetit auf Fleisch gründlich vergangen - selbst denen, die bisher gerne ihr Wurstbrot aßen oder mit Vergnügen saftige Steaks grillten. Entgegen der populären Auffassung sind daran weniger BSE-Fleisch oder nitrofenhaltiges Hühnerfutter schuld. Blicken wir zurück: Obwohl die Fleischproduktion über Jahrzehnte von Skandalen und Krisen begleitet wurde, war die Welt stets wenige Wochen nach der großen Empörung samt Kaufboykott wieder in Ordnung und es blieb bei den alten Konsumgepflogenheiten.
Doch die Zeiten haben sich geändert. Bereits belanglose Anlässe wie eine schwankende Kuh oder Übelkeit nach dem Verzehr einer Torte bewirken heutzutage nachhaltige Veränderungen des Marktes. Selbst Jahre nach dem Beginn der BSE-Krise ist der Vertrauensverlust nicht wettgemacht - trotz erheblicher Anstrengungen, das Produkt Fleisch sicherer zu machen. Wer dafür in erster Linie den Journalismus oder die Sensationslust verantwortlich machen will, verkennt, dass die nachhaltige Änderung im Verbraucherverhalten andere Ursachen haben muss. Schließlich entscheidet nicht allein der Journalist, welche Themen erfolgreich sein werden: Nur solche, die beim Kunden auf starke Resonanz stoßen, halten sich in den Medien. Nicht anders war es während der BSE-Krise der Fall. Selbst die überwiegende Mehrzahl der Journalisten war der Meinung, dass das Thema innerhalb weniger Tage oder Wochen "gegessen" sei. Es haben sich alle geirrt.

EU.L.E.n-Spiegel - Offener Brief an Land- und Fleischwirtschaft
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