Mahlzeit
Mahlzeit! Gespräche mit Udo Pollmer
Samstag • 11:15
30.10.2004
Kürbiskult
Halloween bis zum Erbrechen

Kürbisse auf einem Markt in Süddeutschland (Bild: AP)
Kürbisse auf einem Markt in Süddeutschland (Bild: AP)
Der US-amerikanische Kürbiskult hat mittlerweile auch Deutschland erfasst. Pünktlich vor Allerheiligen blüht das Helloween-Geschäft und immer mehr Haushalte schnitzen an Kürbissen herum, um diese in dekorative leuchtende Fratzen zu verwandeln. Das anfallende Fruchtfleisch wird gekocht, gebraten, gebacken oder eingelegt und eignet sich als Suppe, Gemüse oder Sauce. Dass der unkritische Umgang mit Kürbissen ein Nachspiel haben kann, ist bislang weit weniger bekannt als das Kultobjekt selbst.

Dabei hat es manche Frucht so richtig in sich: Sie kann Cucurbitacine enthalten, giftige Bitterstoffe in Form von Triterpenen, die Schleimhäute reizen und zu heftigem Erbrechen bzw. Durchfällen führen. Die Autoren beschreiben den Fall eines achtjährigen Mädchens, der zunächst allerlei Rätsel aufgab. Das Kind, das sich bester Gesundheit erfreute, musste beim Abendessen gleich zweimal heftig erbrechen. Im Gegensatz zu den Eltern sowie dem zwölfjährigen Bruder reichte bei ihr die Bitterstoffdosis der Kürbissuppe für eine Vergiftung aus.

Obwohl die Substanzen aus kultivierten Kürbisgewächsen herausgezüchtet wurden, sind sie in Zierkürbissen immer noch enthalten. Da sich letztere aber schon mal mit Speisekürbissen kreuzen - fleißige Bienen erledigen die Befruchtung selbst über große Distanzen hinweg - können auch solche harmlos erscheinenden Nachkommen Gifte bilden, die für den Verzehr vorgesehen sind. Besonders hoch ist die Kreuzungswahrscheinlichkeit, wenn im Hobby-Garten sowohl Zierkürbisse als auch Speisekürbisse angebaut werden. Daneben bringen spontan auftretende Rückmutationen kultivierter Züchtungen toxische Nachkommen hervor. Auch Gurken, Melonen und Zucchini, die allesamt zur Familie der Kürbisgewächse gehören, können in seltenen Fällen Bitterstoffe enthalten. (Quelle: Bernhard MK et al: Cucurbitacin-Vergiftung durch Kürbisse - ein Fallbericht. Kinder und Jugendmedizin 2003/5/S.199-200)

Anmerkung: Normalerweise sollte der bittere Geschmack den Verbraucher vor einem Konsum warnen. Aber zurzeit wird in Laien- wie Ernährungsfachpresse zum Verzehr besonders bitterer Gemüse geraten, da nur diese gesund, jung und vital machen sollen. Zudem kann der bittere Geschmack durch Gewürze überlagert werden. Daher empfehlen die Autoren, die Früchte stets vor der Zubereitung zu verkosten. Problematisch kann eine Intoxikation bei unbehandelten Kleinkindern und älteren Menschen werden, da diese - wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden - schnell in einen bedrohlichen Flüssigkeitsmangel geraten. In den meisten Fällen aber handele es sich um leichtere Vergiftungen.

Entnommen aus: EU.L.E.n-Spiegel 2003/9/S.35-36
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