MerkMal
MerkMal
Montag bis Freitag • 16:15
3.11.2004
Die Frau an seiner Seite
Die First Ladies der USA
Von Petra Nölkensmeier

Jackie Kennedy erreichte als First-Lady einen bislang kaum gekannten Grad an Popularität und Aufmerksamkeit (Bild: AP-Archiv)
Jackie Kennedy erreichte als First-Lady einen bislang kaum gekannten Grad an Popularität und Aufmerksamkeit (Bild: AP-Archiv)
Präsidentschaftswahlen in den USA: Da wird nicht nur der Präsident gewählt, sondern auch - indirekt - die First Lady der nächsten Jahre. Immer mehr rücken die Präsidentengattinnen auch im Wahlkampf ins Rampenlicht. Manchmal haben sie nach dem Einzug ihres Mannes ins Weiße Haus sogar Einfluss auf die Politik.

"Ich führe ein sehr langweiliges Leben und weiß nichts über das, was in der Stadt passiert. Ich besuche niemals irgendeinen öffentlichen Ort. In der Tat, ich bin eher ein Gefangener des Staates als irgendetwas anderes. Es gibt bestimmte Grenzen für mich, die ich nicht übertreten darf. Und da ich nicht das tun kann, was ich möchte, bin ich eigensinnig und bleibe größtenteils zu Hause."

Das Amt ihres Mannes lastete schwer auf den Schultern der allerersten Präsidentengattin. Die Aufmerksamkeit, die auch ihr - als Frau eines Kriegs- und Revolutionshelden - zuteil wurde, behagte Martha Washington ebenso wenig wie der Mangel an Privatheit, den das Dasein an der Spitze des Staates mit sich brachte. Wie andere First Ladies der US-Gründerzeit verstand auch sie sich als Gastgeberin und Hüterin des Haushalts, so der Buchautor und Journalist Ronald Gerste.

"Martha Washington hat sich primär in der Rolle gesehen, dass sie ihrem Mann, dem George, ein schönes Heim bereitet. Dass sie ihm die Sorgen fernhält, damit er sich den Staatsgeschäften widmen kann. Alle Zeugenaussagen, die es über sie gibt, schildern sie als eine sehr warmherzige, angenehme, nette Frau. Das hat - wie bei vielen anderen First Ladies auch - die Defizite ihres Mannes ausgeglichen. George Washington - höchst integre Persönlichkeit, die er ja war - war kein großer Redner. Man nannte ihn "den großen Schweiger", weil ihm oft die Worte fehlten. Und diese Wärme, die ihm - zumindest verbal - abging, die hat sie reingebracht."

Als Lady Washington wurde Martha von vielen ihrer Zeitgenossen respektvoll angesprochen. Andere lehnten diesen Titel ab, erinnerte dessen aristokratischer Klang die junge Republik doch zu sehr an die Monarchien Europas. Und so wurden die Frauen der Präsidenten bald "Mrs. President" genannt oder schlicht Mrs. Adams und Mrs. Madison, so zwei der bekanntesten frühen Präsidentengattinen. Erst mit dem Bedeutungswandel des Wortes Lady -allgemein für eine respektierte und gewandt auftretende Dame - kam diese Bezeichnung wieder auf. Mitte des 19. Jahrhunderts verwandten Zeitungen ihn auch für Harriet Lane, die ihrem unverheirateten Onkel James Buchanan als Gastgeberin im Weißen Haus half. Bei seiner Kandidatur hatten politische Gegner das Junggesellendasein Buchanans mit Spott-liedern begleitet:

"Whoever heard in all his life
Of a candidate without a wife?"


"Wer hat je jemals in seinem Leben
von einem Kandidaten ohne Frau gehört?"


Tatsächlich war nur selten von Kandidaten ohne Ehefrau zu hören. Neben Buchanan wurde nur ein weiterer Junggeselle zum Präsidenten gewählt - und der heiratete während seiner Amtszeit. Die Etikette erforderte eine First Lady als Gastgeberin; ohne sie war es für andere Frauen nicht schicklich, an offiziellen Empfängen teilzunehmen. Eine beliebte First Lady konnte auch dazu beitragen, das Renommee ihres Mannes aufzupolieren. Ausgerechnet die Frau einer nationalen Legende aber ging als eine der umstrittensten Bewohnerinnen in die Annalen des Weißen Hauses ein.

Ronald Gerste: "Mary Lincoln hat es ganz, ganz schwer gehabt, weil zwei ihrer Kinder gestorben sind. Das hat sie sehr stark mitgenommen. Und das hat sie kompensiert durch Einflussnahme und durch Kaufrausch. Sie ist nach New York gefahren und hat für Summen eingekauft, die das Gehalt ihres Gatten weit überstiegen. Hat dafür - ich sag's mal freundlich - Spenden genommen und als Gegenleistung für diese Spenden dann für politischen Einfluss zugunsten der Spender gesorgt, damit die Bundesposten bekamen. Die Presse hat davon Wind bekommen und das war für Lincoln mitten im Bürgerkrieg, in einer ganz, ganz schwierigen Zeit der US-Geschichte, natürlich eine sehr, sehr starke Belastung."

Die Gattin des Präsidenten als Ziel von Kritik und Spott: Im 20. Jahrhundert traf das vor allem jene First Ladies, die - so der Vorwurf - zu großen Einfluss auf Politik und Amtsgeschäfte ihrer Männer ausübten. Edith Wilson war die Gattin des legendären Woodrow Wilson, der mit seinem 14-Punkte-Plan versuchte, 1918 eine gerechte Weltordnung mit Hilfe des Völkerbundes aufzubauen. Als Woodrow Wilson einen Schlaganfall erlitt, schnitt seine Frau ihn zeitweise rigoros von Beratern, Presse und selbst von seinen Ministern ab. Jeglicher Kontakt zum weiterhin amtierenden Präsidenten lief über seine Frau. Als "Petticoat Regierung" wurde das von manchem geschmäht.

Große Anerkennung für ihr ausgeprägtes politisches Interesse und Engagement erwarb sich dagegen eine Frau, deren Mann als einziger vier Amtszeiten als US-Präsident antrat:

Ronald D. Gerste: "Wenn man heute Amerikaner nach einer First Lady fragt, die einen großen Einfluss auf das Gesellschaftliche in den USA hatte, dann wird man immer wieder auf den Namen von Eleanor Roosevelt stoßen."

Im Radio sprach Eleanor Roosevelt ihren Mitbürgern Mut zu, in den Zeiten der Depression und dann im Krieg. Unermüdlich bereiste sie die USA, berichtete ihrem an Polio erkrankten Mann Franklin von den Zuständen im Land. Sie setzte sich für Benachteiligte und die Gleichberechtigung von Frauen ein. Wenige Jahre nach dem Tod ihres Mannes wurde sie zur Delegierten ihres Landes bei der UNO ernannt. Die allgemeine Deklaration der Menschen-rechte beeinflusste sie maßgeblich. Eleanor Roosevelt sagte dazu 1948:

Eleanor Roosevelt: "Wir können dankbar dafür sein, dass die Deklaration vielen jungen, neuen Nationen geholfen hat, in ihren Verfassungen die Bedeutung der Person, die Würde des einzelnen Menschen ausdrücklich anzuerkennen."

Immer wichtiger wurde die Rolle der Präsidentenfrauen auch, um andere Frauen zur Stimmabgabe zu bewegen. Erst 1920 war ihnen in den USA das Wahlrecht zugestanden worden, und erst in den 50er Jahren entsprach die Zahl der wählenden Frauen in etwa der Zahl der Männer.

"And now I want you to meet my Mamie."

Jede seiner Wahlreden beendete Ike Eisenhower mit der Vorstellung seiner Frau Mamie. Auf Ansteckern wurde für sie mit der Aufschrift "Mamie for First Lady" geworben. Mit dem Durchbruch der modernen Massenmedien war die Angetraute des Kandidaten bald aus keiner Kampagne mehr wegzudenken, wie Harald Wenzel vom John-F-Kennedy-Institut der Freien Universität Berlin beschreibt.

Harald Wenzel: "Die Ehefrauen sind die innigsten und am höchsten motivierten Fürsprecherinnen für die Kandidaten. Und man muss sie deswegen zu Wort kommen lassen. Es gibt eigentlich niemanden, der ein Publikum so gut überzeugen kann, dass der Präsident oder der Kandidat der richtige ist, der wiedergewählt oder gewählt werden soll. Sie haben die Aufgabe, Vertrauenswürdigkeit für den Kandidaten oder den wiederzuwählenden Präsidenten zu beschaffen."

Neben den politischen Positionen eines Kandidaten oder Präsidenten wird auf den Bühnen des Wahlkampfes so auch die Vorzeigbarkeit seiner gesamten Familie öffentlich begutachtet.

Harald Wenzel: "Ich denke, eine gute First Lady ist eine Ehefrau, und Mutter natürlich auch, die - wie alle anderen Amerikaner auch - ihren Haushalt in Ordnung hat. (...) Dazu gehört, dass aus diesem Haushalt nichts Negatives nach außen dringt. Und es gehört dieses "keeping up with the Jones‘‘ dazu: Dass man immer einen guten Eindruck macht. Dass man immer der perfekte Nachbar wäre, den sich jeder Amerikaner neben sein Haus wünschen würde."

Maßstäbe hinsichtlich Eindruck, Stil und Eleganz setzte Jackie Kennedy. Millionen Frauen wollten aussehen wie sie, kopierten ihre Frisur, Kostüme, Hüte. Die schöne Frau des jungen Präsidenten erreichte einen bislang kaum gekannten Grad an Popularität und Aufmerksamkeit - auch bei ihren Reisen ins Ausland.

TV-Reporter (NDR): "Bezaubernd, das ist das treffende Wort. Mit ihrem Charme hat sie Europa erobert. Die Welt ist ihre Bühne!"

Ronald D. Gerste: "Jackie Kennedy war sich sehr ihrer Wirkung und der Bedeutung, die sie im Weißen Haus an Jacks Seite hatte, bewusst. Sie hatte Medienberater, sie hatte eine Pressesekretärin. Und sie wollte von Anfang an auch das Bild der Kennedy-Präsidentschaft für die Nachwelt prägen. Sie hatte es im Sinn, dass die Kennedy-Präsidentschaft als eine Zeit des Glanzes in die amerikanische Geschichte eingeht. Das Weiße Haus wurde maßgeblich durch ihre Initiative zum Treffpunkt von Künstlern: Große Maler stellten aus, es gab Konzerte. (...) Auf einmal war das Weiße Haus nicht nur politisches Machtzentrum, sondern auch ein kulturelles Zentrum."

Jacqueline Kennedy: "Ich bin überzeugt, dass das Weiße Haus eine außergewöhnliche Kollektion amerikanischer Kunstwerke beherbergen muss. Ausländische Gäste sollen beeindruckt sein und die amerikanischen Bürger stolz."

Glänzende Bilder einer glücklichen Familie lieferte das Präsidentenpaar den Medien. Doch da waren auch die Berichte über Verbindungen Kennedys zur Mafia und nicht zuletzt über zahllose Affären mit anderen Frauen. Privater Kummer bei ständiger Beobachtung: Manche First Lady ging offensiv damit um. Betty Ford machte ihre Brustkrebs-Erkrankung in einer Zeit öffentlich, in der ein solcher Befund noch eher als Tabuthema galt. Auch als sie wegen ihrer Abhängigkeit von Alkohol und Medikamenten behandelt werden musste, scheute sie sich nicht, diese Probleme anzusprechen.

Ebenso offen stellte sich eine der beliebtesten, aber auch meistangefeindeten First Ladies der Gegenwart, Hillary Clinton, in einer persönlichen Krise. Als ihr Mann wegen der Lügen um eine Liaison mit der Praktikantin Monica Lewinsky um Amt und Ansehen fürchten musste, stellte sie sich demonstrativ an seine Seite. Bill und Hillary - auch in dieser Situation blieben sie ein Team. Seit ihren gemeinsamen Studententagen hatten sich beide als gleichermaßen ambitioniertes Gespann bis an die Spitze des Staates gekämpft. Buchautor Ronald Gerste über Hillary Clinton:

"Es gibt diese berühmte Anekdote, dass sie mit Bill, nachdem er Präsident geworden war, durch ihren Heimatort, einen Vorort von Chicago, fuhr und dann auf eine Autowerkstatt zeigte und sagte: 'Sieh mal, das da ist mein Jugendfreund, der jetzt diese Autowerkstatt innehat.‘ Da sagte Bill: 'Hm, da wärst du jetzt die Gattin eines Automechanikers geworden.‘ Da sagte Hillary: 'Nein, dann wäre ein Automechaniker jetzt der Präsident der USA.‘ Das drückt so ein bisschen aus, was für eine treibende Kraft hinter seiner Karriere sie war."

Im Weißen Haus angelangt, wollte sich die erfolgreiche Anwältin Hillary Clinton keineswegs auf rein karitative Tätigkeiten reduzieren lassen. Auf ihrer politischen Agenda stand eine Gesundheitsreform, die allen Amerikanern eine gute und erschwingliche Absicherung bringen sollte. Doch mit dieser Jahrhundertreform kam sie am Ende nicht durch. Beispielhaft hingegen war ihr Einsatz für die Gleichberechtigung, wie in dieser Rede beim UN-Frauenkongress in Peking.

Hillary Clinton: "Auf der ganzen Welt sehen wir: Wenn Frauen gesund sind und Bildung erfahren, geht es ihren Familien gut. Wenn Frauen keine Gewalt erleiden, geht es ihren Familien gut. Wenn Frauen die Chance erhalten zu arbeiten und als gleichwertige Partner in der Gesellschaft zu handeln, geht es ihren Familien gut. Und wenn es ihren Familien gut geht, dann auch den Gemeinschaften und Nationen."

Als Vertreterin des Staates New York sitzt Hillary Clinton inzwischen im US-Senat, sie gehört zu den Stars der Demokratischen Partei. Schon als sie Anfang der 90er Jahre für ihren Mann Wahlkampf machte, soll er gesagt haben:

"Ich habe immer starke Frauen gemocht. Es stört mich nicht, wenn Leute sie sehen und begeistert sagen, sie könnte Präsidentin sein. Ich sage immer: Sie könnte tatsächlich Präsidentin sein!"

Das Zeug zur ersten gewählten "Mrs. President" hätte sie durchaus. Bill, ihr Ehemann, wäre dann der erste "First Spouse", der Erste Ehepartner, im Weißen Haus. Welch ein Gedanke: Bill Clinton als charmanter Gastgeber, der für das Damenprogramm zuständig ist.
-> MerkMal
-> weitere Beiträge