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Sonntag • 17:30
15.2.2004
"Männerorden für Geschäft und Würde"
Das Internationale Olympische Komitee
Von Herbert Fischer-Solms

Der langjährige IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch (Bild: AP)
Der langjährige IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch (Bild: AP)
Am 23. Juni 1894 rief der französische Baron Pierre de Coubert das Internationale Olympische Komitee (IOC) ins Leben und wurde damit Wiederbegründer der Olympischen Spiele moderner Zeitrechnung. Das elitäre Bewusstsein des Männerordens, der erst 87 Jahre später ein paar Frauen in seinen Zirkel aufnahm, ist allen Modernisierungsversuchen gegenüber erstaunlich resistet: Eine demokratische Legitimation fehlt, nach wie vor berufen IOC-Mitglieder sich selbst und verpflichten sich laut Olympischer Charta, in aller Welt Olympismus für eine friedliche Gesellschaft und für die Würde des Menschen einzusetzen. Die Realität sieht gelegentlich anders aus. Olympia ist ein milliardenschweres Geschäft geworden - der Skandal bei der Wahl von Salt Lake City zum Ort der Winterspiele 2002 offenbarte eine unter dem diktatorischen IOC-Präsidenten Samaranch ausgeuferte Bestechungskultur, die das IOC in die größte Krise seiner Geschichte stürzte. Unter Samaranch-Nachfolger Jaques Rogge versucht das IOC nun die Wende zurück, zu Spielen, die weniger gigantisch und möglichst sauber sein sollen.
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