Patentes
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Montag • 11:30
4.11.2002
Entdeckungen auf der Erfindermesse 2002
Wolfgfang Noelke

Jäger und Sammler sind wir Menschen - und überall dort, wo gejagt und gesammelt werden kann, wird auch geklaut: Kaum war die Schule seiner Tochter endlich ans Internet angeschlossen - kam schon ein Jäger und Sammler, ärgerte sich Günter Klimkeit aus Kerpen:

Bei der Schule meiner Tochter, da ist der PC geklaut worden aus dem Klassenraum und da hab ich gesagt, da muss man doch was unternehmen gegen diese Diebstähle, und dann haben wir die Idee gehabt, so eine Box dazwischen zu hängen - und die erkennt sofort, wenn der Rechner vom Netz getrennt wird und löst dann einen beliebigen Alarm aus. Den können wir also gestalten, wie wir wollen.

Die "Box" überwacht jede Netzsteckdose und sendet der Polizei oder dem Hausmeister den Alarm aufs Handy. Alarm gibt's sogar, wenn handwerklich begabte Menschen, - eine Abart der Jäger und Sammler - die Tauscher nämlich, nur Teile ihres firmeneigenen Schreibtischcomputers begehren - selbst wenn der ausgeschaltet ist:

Bei einigen Firmen haben wir registrieren können, dass Komponentendiebstahl passiert, dass also Mitarbeiter, oder wer auch immer, irgendwas austauscht: Festplatte, oder, was wir hatten: DVD gegen CD-ROM getauscht... Der Rechner hatte ursprünglich mal ein DVD- Laufwerk gehabt und hat anschließend ein CD-Rom- Laufwerk 6-fach bekommen, ein schönes altes... Und das sind eben die Dinge, die man einfach mit protokollieren kann.

Schon vor seinem Besuch auf der Erfindermesse reißen sich bereits vernetzte Behörden und Unternehmen um Günther Klimkeits elektronischen Netzwächter. Ein allgegenwärtiges Problem löste auch Malermeister Hermann Niklas aus Stamsried: Wie säubert man eine Farbrolle, ohne die ganze Umgebung voll zu spritzen? Mit einer Bohrmaschine und einem Kunststoff-Kragen auf dem Farbeimer. Da hinein hält man - die nasse Farbrolle:

So ein Farbroller hat ca. 26cm Länge und die Eimer sind auch so 26cm in der Höhe, aber man muss ein bissl was haben, was darüber hinausschaut, damit man kontrolliert das auffangen kann, damit man nichts verschmutzt.

Überflüssige Farbe landet nicht mehr im Waschbecken und die gespülte Rolle trocknet im Schleudergang... Die zweite Neuheit im Malerhandwerk probierte die 17-jährige Katharina Zagorski aus Bamberg aus: ob die in Coca Cola enthaltene Phosphorsäure als Rostschutz taugt:

Der erste Versuch war, dass ich Cola auf Eisenwolle einwirken ließ und hab sie zwei Wochen stehen lassen und dann geschaut, ob sich Rost ansetzt auf der Eisenfläche. Es war negativ, also kein Rostansatz. Dann hab ich das gleiche mit Eisennägeln versucht, die ebenfalls mehrere Wochen stehen gelassen bei verschiedenen Außentemperaturen und hab auch festgestellt: Wiederum kein Rostansatz. Man kann es lackieren, bzw. als Grundierung nehmen und ganz normalem Lack verwenden. Man kann auch, da es ja wasserlöslich ist, zu wasserlöslicher Farbe hinzu fügen und das ebenfalls mit der Farbe als Rostschutz verwenden. Man muss es nicht erst als Grundierung verwenden - man kann es so koppeln.

Trinken oder verstreichen ist kein Problem - aber wohin mit dem Müll? In die Tonne mit dem doppelten Boden: Öffnet man die Mülltonne, sieht man im Boden nur einen Schlitz. Der 15-jährige Offenbacher Schüler Mark Berninger versteckt im doppelten Boden die Rolle mit den Plastik-Mülltüten und wenn eine Tüte gefüllt ist und herausgenommen wird, zieht die durch den Schlitz eine leere neue Tüte hinterher. Tüten trennen - Deckel zu und die Finger bleiben sauber!

Beim Mülltüten-Wechseln hab ich mich halt geärgert über die dreckigen Mülltüten und so... da hab ich mir überlegt, dass es ja eigentlich gehen müsste, wenn die Mülltüte da schon drin ist im Mülleimer.

Für saubere Verbindungen sorgt diesmal Bruno Gruber. Was wäre eine Erfindermesse ohne diesen Münchner Erfinder, der seit 25 Jahren von seinen Patenten gut lebt: Diesmal verleimt er Holz und Stahl - und zeigt mir ein längliches Stück Blech, beschichtet auf der einen Seite mit einem hauchdünnen Holzfurnier. Darauf hat er mit ganz normalem Holzleim das schräge Ende eines kurzen Holzstabes befestigt - direkt auf dem Blech - dazwischen liegt noch das Furnier:

Zum Beispiel hab ich hier diese Maurerkelle. Die musste man bisher mit Nieten und Schrauben am Holzgriff befestigen und jetzt kann das einfach zusammengeleimt werden mit der Festigkeit, wie wenn das verschraubt wär. Es ist unglaublich vielseitig: Alle Beschläge in der Möbelbranche kann ich jetzt verleimen: Also wenn Sie einen Bausatz haben, wo Sie bisher hundert Schrauben dabei hatten, dann haben Sie jetzt nur eine kleine Tube Holzleim und dann können Sie das einfach zusammen leimen und in fünf Minuten haben Sie schon fast die Endfestigkeit erreicht und es kann nichts mehr locker werden, weil keine Schrauben mehr drin sind und es kann nix mehr verwackelt werden... Und mit der gleichen Methode kann man jetzt Metall mit Metall verbinden: Da sind einfach die Metallteile mit dieser Holzfolie schon beschichtet.

Die Holzfolie - das millimeterdünne Furnier, das dem Metall nun Holzeigenschaften verleiht, ist die eigentliche Erfindung - die hat sich Bruno Gruber patentieren lassen. Und so bombenfest, wie es Holz und Stahl zusammenhält, sichert es dem patenten Erfinder wohl auch künftig das Einkommen!

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