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Montag • 11:30
16.12.2002
Das Zwei-Liter-Klo
Christoph Podewils

Das Wasserklosett ist keine neue Erfindung. Die Mesopotamier zum Beispiel haben vor fast 5000 Jahren ihre alltäglichen Geschäfte von der Brandung des Meeres wegspülen lassen. Zumindest Wassermangel war dabei nicht ihr Problem. Das ist heute ein bisschen anders, Wasser ist vielerorts - übrigens auch in Deutschland - ein kostbares Gut. Da kann es nicht schaden, wenn sich jemand daran macht, den Durst des WCs auf zwei Liter zu drücken.

Sechs Mal am Tag, so die Statistik, nehmen wir mit diesem Geräusch dem stillen Örtchen seine Stille und geben ihm neue Sauberkeit. Das kostet Wasser - rund 15000 Liter pro Person und Jahr. Damit ist die Toilettenspülung für beinahe ein Drittel der häuslichen Wasserrechnung verantwortlich. Wasser sparende Toiletten können hier helfen. Doch auch sie verbrauchen immer noch viereinhalb Liter pro Spülgang. Das ist zuviel, fand vor sieben Jahren der Berliner Ingenieur Hugo Feurich und machte sich an die Entwicklung des Zwei-Liter-Klos.

Ich dachte, wenn Du den Geruchsverschlusswasserinhalt noch reduzierst und strömungsgünstig ausbildest, dann muss man praktisch mit weniger Wasser auskommen und auch Betriebskosten sparen. Der Geruchsverschlussinhalt, der liegt hier bei meinem Klosett bei 0,7 Litern und die normalen Klosetts, die haben einen Wasserinhalt, der liegt so etwa bei 1,8 bis 2,1 Litern.

Der ganze Clou also: Ein dünneres Abflussrohr - nichts anderes ist der U-förmige Geruchsverschluss schließlich. Ansonsten kommt einem die Toilettenschüssel aus weißem Porzellan äußerst bekannt vor. Der Wasserverbrauch verändert sich allerdings drastisch: Er sinkt um 10.000 Liter pro Person im Jahr. Obwohl die Idee des Spar-Klosetts so einfach ist, war es ein weiter Weg bis zu seiner Serienreife. Ein WC ist nicht irgendein sanitärer Einrichtungsgegenstand, sondern ein Stück Bautechnik. Das bedarf der bautechnischen Zulassung und die wiederum gibt es nicht ohne ausführlichen Funktionsnachweis. Wie aber testet man eine Klo-Schüssel? Streng wissenschaftlich: Mit einer Versuchsanlage und mit Fäkalien-Dummies - die stinken nicht und sind ohne Anstrengungen verfügbar.

Also der Prüfkörper ist ein Kunstdarm und der wird in drei Abschnitten mit einem Gummi unterteilt und mit Wasser gefüllt und dann werden insgesamt vier von den Spülkörpern in das Klosettbecken reingeworfen.

So plumpsen die vier weißen Würstchen, die entfernt Ähnlichkeit mit einer Rolle Mullverband haben, ins Becken. Dann werden sie mit genau 14 Blatt zerknülltem Toilettenpapier durch den Geruchsverschluss gespült. Der erste Teil des Tests ist bestanden. Jetzt müssen die Prüfkörper den Weg durch die Kanalisation finden - getragen werden sie dabei von einer Welle aus zwei Litern Wasser. Das ist weniger als die Hälfte von den bei anderen modernen Toiletten üblichen 4,5 Litern. Was durchaus die Gefahr birgt, dass sich Strandgut im Abwassersystem des Hauses ablagert. Damit das nicht passiert, hat Hugo Feurich zu einem Trick gegriffen - er verwendet dünnere Rohre als üblich.

Nach der Norm ist an sich die Nennweite 80, die kleinste Nennweite, die für Anschlussleitungen ausgeführt werden dürfen. Es ist aber einzelne Tatsache, dass je kleiner der Rohrdurchmesser ist, umso größer ist der Füllungsgrad und damit auch die Transportfähigkeit des Wassers für die Prüfkörper oder auch für die Fäkalien.

Damit endet die Idee des Sparklos erst am großen Fallrohr, dem Expressfahrstuhl Richtung Kanalisation. Dass die Spartheorien des Toilettenexperten Hugo Feurich stimmen, hat das Zwei-Liter-Klosett in der Praxis beweisen müssen. Miguel La Monaca hat untersucht, ob es irgendwelche Unterschiede in der Benutzung gegenüber normalen Toiletten gibt. An verschiedenen Prototypen haben die Toilettenbesucher das Spülergebnis auf einer Strichliste für den Sanitärtechniker protokolliert.

Jeder der da Probleme gehabt hätte beim Spülen, sollte einen Strich machen. Und das habe ich bestimmt über Monate gemacht, bis wann ich festgestellt habe, dass das Ding auch funktioniert. Und das funktioniert.

Allerdings nicht ganz nach den Regeln der Norm - die nämlich legt fest, dass eine Toilette erst dann richtig arbeitet, wenn das Geschäft nicht nur mit der Wasserspülung verschwindet, sondern auch noch mindestens zweieinhalb Liter Frischwasser nachlaufen. Bei einer Spülmenge von insgesamt nur zwei Litern eine Unmöglichkeit.

Man bekommt auch nur ein Prüfzeichen für ein Wasserspar-Klosett mit 4,5 Litern und nicht für weniger. Das andere kann ich nur selbst garantieren, dass es funktioniert.

Dafür hat Hugo Feurich eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Sie springt ein, wenn seine WC-Innovation doch anfällig für Rohrkrepierer sein sollte. Vor allem in Altbauten mit ihren weitverzweigten Abwassersystemen und deren dicken Rohren gibt es ein gewisses Risiko in dieser Richtung. Dem können sich Wassersparer ab 2003 stellen. Im Januar kommt das Zwei-Liter-Klo auf den Markt.
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