Patentes
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Montag • 11:30
23.12.2002
Funkschalter ohne Batterie
Dirk Asendorpf

Unseren Fernseher steuern wir zwar schon lange mit der drahtlosen Fernbedienung, Lichtschalter werden aber noch immer verkabelt. Zwar sind Funkschalter schon länger im Angebot, verkauft werden sie aber fast nie. Denn um überhaupt zu funktionieren, brauchen sie Strom - entweder aus einem Kabel oder aus einer Batterie. Aber wer hat schon Lust, in regelmäßigen Abständen durchs Haus zu laufen und an allen Schaltern die verbrauchten Batterien auszutauschen? Eine kleine Gruppe ehemaliger Siemens-Ingenieure will dem drahtlosen Schalter jetzt mit neuer Technik zum Durchbruch verhelfen. Enocean will sich die Piezo-Funktechnik mit einem Dutzend Patenten schützen lassen. Einige davon sind in Anmeldung, einige auch schon erteilt.

In Deutschland werden ca. 20 Millionen Schalter pro Jahr in Gebäuden verbaut und ca. die Hälfte davon in neuen Gebäuden und die andere Hälfte in Renovierungen und Umbau.

20 Millionen Schalter, und zu jedem einzelnen muss ein Kabel gelegt werden. So war es jedenfalls bisher. Doch wenn es nach Markus Brehler geht, ist es bald vorbei mit dem Kabelsalat unter der Tapete. Markus Brehler ist Geschäftsführer von "Enocean", einem 10-Mann-Unternehmen in der Nähe von München. Dort wurden drahtlose Schalter entwickelt, die - und das ist der besondere Clou - ohne Batterie funktionieren.

Die Energie ist letztlich eine Wandlung der Energie des Draufdrückens. Man braucht ja immer Kraft um auf einen Knopf zu drücken. Und über ein Piezo-Element wird die Energie umgewandelt. Piezo kennt man aus'm Feuerzeug: Wenn man draufdrückt, kommt ein Funke raus. Und statt dem Funken wird hier eine elektronische Schaltung betrieben. Piezoelemente haben die Eigenschaft, dass dieser physikalische Effekt nicht abklingt, d.h. hier gibt es keine Verschleißteile, es ist ein völlig wartungsfreies System - keine Batterien zum Wechseln, nichts geht kaputt.

Das klingt einfach, und von außen sieht ein solcher Funkschalter auch aus wie jeder x-beliebige Schalter aus dem Baumarkt. Doch das kleine Bauteil, das für die Umwandlung der Energie und den Aufbau der Funkverbindung über bis zu 300 Meter zuständig ist, hat es in sich. Entwicklungsleiter Frank Schmidt:

Technisch sind diese Systeme eine große Herausforderung. Das ist die Kombination von verschiedenen Wissensgebieten auf einem sehr hohen fachlichen Niveau. Hochfrequenztechnik, Datenübertragungstechnik, dann ist es Mikroprozessortechnik und es sind Energiewandler, die eben die vielfältigen Energiequellen in der Umwelt anzapfen und das mit nem guten Wirkungsgrad. Und das ganze auch zu sehr geringen Kosten. D.h., wir wollen ja Massenmärkte bedienen und Produkte machen, die Einzug halten in tagtägliche Anwendungen im Automobil, im Heim usw. Das heißt, da herrscht ein sehr hoher Kostendruck und man muss diese innovative Technologie auch noch kostengünstig, preiswert machen.

Rund 100 Euro soll ein Funkschalter kosten, dazu kommen noch einmal 100 Euro für den Empfänger an der Lampe, der Jalousie, dem Garagentor oder was sonst noch drahtlos gesteuert werden soll. Dafür kann man sich das Aufstemmen der Wand sparen, das bisher zum Kabelverlegen nötig war. Geschäftsführer Markus Brehler sieht darin nicht nur einen großen Kostenvorteil.

Kein Schmutz, kurze Installationszeit, kein Schlitzeschlagen, kein Verputzen, keine neue Tapete, kein Möbelrücken. Der Schalter wird installiert, binnen einer Stunde ist der Handwerker weg und alles funktioniert.

Bei Neubauten können Kabel zwar mit weniger Aufwand verlegt werden, trotzdem hat der Einsatz von Funkschaltern auch hier Vorteile. Erstmals soll das an einem Neubauvorhaben in Mönchengladbach gezeigt werden. Und ab Januar kann man die batterielosen Funkschalter im Elektrogroßhandel kaufen. Dann wird sich zeigen, ob all die Argumente von Markus Brehler auch beim Kunden ankommen.

Der Vorteil ist einerseits die Flexibilität, andererseits mehr Komfort. Architekten möchten ja gern neue Wege gehen, und eine Möglichkeit ist die Installation auf Glasflächen in Besprechungszimmern, in Büroräumen, wo man eine offene Atmosphäre schaffen möchte und trotzdem Lärmschutz haben möchte, gibt es keine Beschränkung mehr für die Installation der Lichtschalter. Sie können die im Außenbereich installieren mit entsprechenden Gehäusen. D.h., Sie können auch den Schalter am Gartentor haben ohne dass der Bagger anrückt. Man kann von mehreren Stellen aus schalten, z.B. neben der Haustür ein Schalter: Alles aus. Dass man sicher ist, dass alle Lichtschalter ausgeschaltet sind. Man hat die Fernbedienung auf dem Wohnzimmertisch. Und hat komfortable Steuermöglichkeiten auch für das gesamte Gebäudemanagement.
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