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Montag • 11:30
13.1.2003
Der schnellste Computertomograph der Welt
Susanne Nessler

Computertomographen sind medizinische Untersuchungsgeräte, die mittels Strahlung tief ins Körperinnere blicken lassen. Solche Computertomographen gibt es seit nun mehr 30 Jahren. Sie ermöglichen Ärzten immer präzisere Diagnosen. Das neuste und schnellste Gerät steht seit kurzem an der Berliner Charité. Zusammen mit japanischen Ingenieuren haben Radiologen eine neue Ära in der Computertomographie erreicht, mit der sich eine virtuelle Reise durch den menschlichen Körper unternehmen lässt, wie sie berührungslos so bislang nicht möglich war.

Es ist 8 Uhr morgens. An der Berliner Charité werden - wie jeden Tag um diese Zeit - die ersten Patienten in die Untersuchungsräume gefahren. Menschen mit Bandscheibenvorfällen, Verdacht auf Darmkrebs oder Herzproblemen. Wie es um sie steht, wird der neue Computertomograph in wenigen Momenten aufnehmen. Keine 10 Sekunden und der Körper ist rundum erfasst. Der Patient geht zurück in sein Zimmer und der Arzt tritt die Reise durch die Organe des Kranken an. Virtuell am Computer. Heute ist es der Dickdarm eines 50 jährigen Mannes, den Oberarzt Patrik Rogalla von innen betrachtet. Am Bildschirm sieht er jede kleine Windung, Wölbung oder Unregelmäßigkeit. Wie im Film spaziert er durch das Organ.

Wir machen einen Pfad, eine Weganleitung durch den Dickdarm, wir setzen hier die virtuelle Kamera in den Dickdarm diesen Punkt benennen wir als Startpunkt, wir geben dem Computer einen anderen Punkt vor - nehmen wir vielleicht mal diesen hier, sagen dem Rechner daran sollst du vorbei gehen und jetzt sagen wir, wir wollen einen Pfad durch den Dickdarm berechnen lassen. Jetzt sehen sie gleich auf dem Bildschirm wie die virtuelle Kamera automatisch durch den Darm hindurch läuft.

Die Diagnose ist für den Patienten positiv, er ist gesund. Der Verdacht auf Darmkrebs hat sich nicht bestätigt, und was ihn zusätzlich freut: der neue Computertomograph hat ihm eine zeitaufwendige und unangenehme Darmspiegelung mit dem Endoskop erspart. Möglich ist diese Untersuchung, weil das neue Gerät in kürzester Zeit Tausende Bilder vom menschlichen Körper macht. Der Computertomograph zerlegt den Patienten wie das Messer eine Salami in hauchdünne Scheibchen. Und von jedem Scheibchen macht er innerhalb von Millisekunden mehrere Bilder, aus denen der Rechner dann einen dreidimensionalen Film berechnet.

Und diese 3D-Darstellung auf dem Computer kann man dann von allen Seiten betrachten, innen reinkriechen, von innen angucken, alle diese Varianten stehen zur Verfügung.

Möglich, weil Ärzte und Ingeniere gemeinsam an dem neuen Computertomographen gearbeitet haben. Die Mediziner haben den Technikern erklärt, was sie gerne verbessert hätten und die Ingenieure haben versucht dies umzusetzen. Eine gelungene Kooperation von der gleich drei Seiten profitieren. Die Herstellerfirma, sie hat ein paar neue Patente anmelden können, die Ärzte, ihnen steht ein besseres Diagnosegerät zur Verfügung und vor allem die Patienten, sie können schnell und schmerzlos untersucht werden. Besonders bei Kindern, Schwerverletzten oder bewusstlosen Menschen können so in kürzester Zeit die Ursachen innerer Verletzungen erkannt werden. Und auch viele Herzpatienten, sagt Bernd Hamm, Professor für Radiologie an der Berliner Charité können in Zukunft vom neuen Computertomograph profitieren.

Was die Herzfunktion betrifft, kann die CT hier verlässliche Aussagen machen, wenn z.B. das Standardverfahren nicht durchführbar ist, aus welchen Gründen auch immer. Dann könnte man jetzt diese CT machen, weil sie so schnell ist und auch das schlagende Herz gut abbilden kann, was vorher nicht der Fall war.

Gesundheitsexperten schätzen, das mit der neuen Methode ein Drittel aller Untersuchungen mit dem Herzkatheder überflüssig würden. Eine große Erleichterung für viele Patienten und zugleich das Gesundheitssystem. Denn die Untersuchung mit dem schnellen CT ist wesentlich günstiger als eine Kathederuntersuchung.

Und die große Anstrengung besteht nun dahin gehend, die invasive Technik abzulösen mit dem CT da muss der Patient einmal Luft anhalten und alle Daten sind im Kasten.

Vor wenigen Tagen ist der schnelle CT in die Serie gegangen. Ein zweites Gerät soll demnächst am Universitätsklinikum Magdeburg aufgebaut werden. Die Kosten für den schnellen Computertomograph sind zur Zeit noch doppelt so hoch wie die für ein herkömmliches Gerät. Da die Untersuchungen aber weniger Zeit beanspruchen könne pro Tag aber auch mehr Patienten damit untersucht werden. Nur eins wird auch mit der neuen Technik nicht schneller, sagt der Radiologe Bernd Hamm. Und das ist die genaue Diagnose der Ärzte.

Das eigentlich lange an dieser Untersuchung ist die Auswertung der vielen Bilder, was anschließend am Computer, also nicht am CT, sondern am Computer am Bildschirm erfolgt, und dann diese Bildrekonstruktion die Diagnose zu erfassen, zu interpretieren und dann den Befund aufzunehmen. Das ist nicht zu verkürzen mit dieser Technik.
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