Patentes
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Montag • 11:30
20.1.2003
Dosenrücknahmeautomat
Claudia van Laak

Seit 1. Januar gilt das Dosenpfand und noch herrscht eine Menge Verwirrung. So nimmt der Handel in der Regel Dosen und Plastikflaschen nur dort zurück, wo sie auch gekauft worden sind. Unbequem für die Verbraucher. Erst ab Oktober soll sich das ändern, ab diesem Zeitpunkt sollen alle mit Pfand belegten Einwegverpackungen fälschungssicher gekennzeichnet sein. Die Automatenwirtschaft rechnet mit einem Boom - so werden Supermärkte nicht umhinkommen, einen Pfandautomaten für Dosen und Plastikflaschen aufzustellen.

Im Prinzip kann man nichts verkehrt machen, sie brauchen nur die Dose eingeben, sie haben hier oben die Dose, wenn rotes Zeichen erscheint, darf man nichts eingeben, wie bei einer Ampel, bei grün ist frei, sie ziehen dann den Bon, mehr brauchen sie nicht zu machen.

Konstrukteur Dieter Bayer erläutert den Automaten für das Einwegpfand. Er funktioniert im Prinzip wie die bekannten Automaten für Mehrwegflaschen. Nur, dass am Ende die Dosen oder Plastikflaschen nicht an den Hersteller zur Wiederbefüllung zurückgehen, sondern im Abfall landen. Am Ende des Automaten ist eine Eisenwalze angebracht, die die Dose zerquetscht und gleich in eine Mülltonne befördert.

Wir erreichen hier eine Volumenreduktion von 50 bis 60 Prozent und das erspart dem Markt natürlich eine Menge Platz im Endeffekt.

Gleichzeitig wird die Dose entwertet, sagt Christian Graumüller, Marketing Chef der Ilmenauer Prokent AG. Niemand kann also ein zweites Mal Pfand dafür kassieren. Im Innern des 20.000 Euro teuren Automaten: eine Kamera und ein modifizierter Personalcomputer.

Das ganze Rechnersystem läuft auf Linux, spart für uns kosten, wir müssen keine software lizensieren, das ermöglicht auch eine Anbindung an das Warenwirtschaftssystem, das heißt der Automat bucht die eingenommen Beträge und Behälter und kann dann Nutzungsstatistiken erstellen, das ist wirklich high-tech.

Der Müllbehälter ist mit einem Sensor ausgestattet - wenn er voll ist, wird das der Kassiererin im Supermarkt mit einer roten Warnlampe signalisiert. Eine Kamera im Innern des Automaten tastet die Dose oder Flasche ab. Konstrukteur Bayer öffnet die Vorderklappe und erläutert den Mechanismus.

Hier befindet sich die Kamera hier oben, die guckt schräg runter in den Spiegel und sieht die Flasche, im Prinzip durch die grauwerte stellt sie fest, was das für eine Flasche ist, welche form die hat, das geschieht in einem Bruchteil von Sekunden.

Der Rechner gleicht nun die erfassten Werte mit der Datenbank ab. Nur wenn die Parameter übereinstimmen, wird der Befehl gegeben, einen entsprechenden Bon auszudrucken.

In der Verpackungsverordnung steht ja drin, dass ein Supermarkt nur das zurücknehmen muss, was er auch verkauft hat. Wenn er zum Beispiel o,5 Liter Dosen verkauft, muss er die alle zurücknehmen, er muss aber keine 0,33 Liter Dosen zurücknehmen.

Der Rechner wird dementsprechend programmiert, bevor er das Werk verlässt. Dieter Bayer macht die Probe aufs Exempel: der Vorführautomat wurde so eingestellt, dass er kleine 0,33 Liter Dosen zurückweist.

So, das bleibt dann alles so liegen, er zeigt ihnen das dann an, die Dose wird zurückgefahren.

Die Prokent AG wirbt mit ihrer Kundenfreundlichkeit. Meldet ein Supermarkt einen kaputten Automaten, wählen sich die Damen vom Service per ISDN auf den entsprechenden Rechner ein. Die abgespeicherten Fotos von jeder eingeworfenen Dose helfen bei der Fehlersuche.

Wenn zum Beispiel um 13.30 Uhr ein Kunde gekommen ist und ein fehler aufgetreten ist, der später nie wieder aufgetaucht ist, dann können sich die Frauen in die Datenbank einklicken, ok 13.30 Uhr, ich möchte jetzt gerne das bild sehen.

Die Industrie hat sich jetzt auf einen einheitlichen Sicherheitsstandard geeinigt, mit dem verhindert werden soll, dass aus dem Ausland Dosen eingeführt werden und dafür unrechtmäßig Pfand kassiert wird. Jede in Deutschland verkaufte Dose soll eine entsprechende Deckelprägung erhalten. Diese Prägung muss der Automat erkennen können, deshalb müssen die Produkte der Prokent AG jetzt in Windeseile mit einer zweiten Kamera ausgerüstet werden. Das bedeutet Überstunden für die Forschungs- und Entwicklungsabteilung - denn die Ilmenauer Firma möchte einen Teil der auf 600 Millionen Euro geschätzten Investitionen für Pfandautomaten auf ihrem Konto verbuchen.
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