Patentes
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Montag • 11:30
19.5.2003
Der Erfinder Claus Rorting
Michael Hollenbach

Claus Roeting ist immer auf der Suche - zumindest sein Kopf. Auf der Suche nach neuen Ideen, nach patenten Lösungen wie die mit dem schiefen Suppenteller.

Bei einem Geschäftsessen unterlief dem 35-Jährigen das Malheur: der letzte Rest Suppe ließ sich nicht so recht auslöffeln, beim Anheben des Tellers schwappte die Brühe über den Rand und auf die Hose. Das sollte nicht noch mal passieren und der gebürtige Peruaner kam auf die Idee mit dem schiefen Suppenteller: der tiefste Punkt liegt nicht mehr in der Mitte, sondern am Rand des Teller:

Den schiefen Suppenteller - vier Wochen habe ich das niemanden erzählt, weil ich dachte, die Idee ist so doof, die lachen dich aus, und das wollte ich nicht unbedingt, und dann habe ich das selber probiert, ich habe einen Suppenteller gekauft und Plastelline und mich in meinem Büro eingesperrt und solange daran geknetet, bis es funktionierte.

Der patentierte Teller steht mittlerweile in fast jedem Porzellanfachgeschäft; Unternehmen wie Maggi verschenken ihn als pfiffiges Werbemittel für ihre Tütensuppen:

Ich glaube auch, der Erfolg dieses Tellers ist, weil jeder denkt, hätte ich auch lösen können, und das interessanteste ist, dass es in der Einfachheit liegt.

Die Porzellanbranche - sonst eher konservativ - reagierte aufgeschlossen. Ein Teller mit neuen Möglichkeiten - das Geschäft wollte sich keiner entgehen lassen:

Da kommt irgendjemand, der nie was mit Porzellan zu tun hatte, und verändert nicht nur was im Design, sondern in der Funktionalität und von diesen Porzellanherstellern, die wissen auch nicht, Suppenteller gibt es schon ewig, aber da hat keiner was verändert.

Vollkommen überrascht war der quirlige Jungunternehmer, als dann noch ganz andere Kunden aus dem schiefen Teller löffeln wollten und ihm bewusst wurde, dass er mit seiner Erfindung auch noch eine gute Tat vollbracht hatte: :

Im Nachhinein hat sich herausgestellt, wie genial das eigentlich ist, da habe ich ja eigentlich nicht drüber nachgedacht, ich habe ja nur an das Plörren der Suppe gedacht und im Nachhinein hat sich rausgestellt, dass sich viele Altersheime bei uns gemeldet haben, dann Krankenhäuser, wenn jemand einen Arm im Gips hat.

Claus Roeting fiel schon in seinem Heimatland Peru als pfiffiges Kerlchen auf. Die Strafarbeiten der Lehrer konnten seinen Mitschülern schon mal den freien Nachmittag kosten - dem kleinen Claus aber höchstens den halben:

Ich war schon als kleiner Junge sehr erfinderisch. In Lateinamerika muss man 1000 Mal schreiben: ich darf mich nicht schlecht benehmen, und ich kann mit zwei Kugelschreiben gleichzeitig schreiben, so dass ich es nur 500 Mal schreiben musste.

Der entscheidende Durchbruch bei Erfindungen kommt mit der Erkennen des eigentlichen Problems, meint der Osnabrücker. Die Lösung zu finden sei relativ einfach. Die meisten Menschen würden es achselzuckend akzeptieren, wenn irgendwas schief gehe oder nicht funktioniere. Aus einer derartigen Haltung könne aber keine Veränderung entstehen. Der 35-Jährige hat jetzt schon einige Erfindungen als Patent angemeldet, doch glücklich ist er mit dem Patentrecht nicht. Denn seine Ideen patentieren zu lassen, das koste eine Menge Geld. Und viele Ideen - vermutet Claus Roeting - würden gar nicht bekannt werden, weil die Erfinder zu wenig Geld für ein Patent hätten, aber ihre Geistesblitze auch nicht veröffentlichen wollen, damit die Ideen nicht von anderen geklaut würden. Seine Geistesblitze hat er oft ganz unvermutet - ohne langes Sinnieren oder Meditieren. So auch sein Patent mit dem Kaffeelöffel, der nicht mehr von der Untertasse fällt und auch beim Anheben der Tasse nicht in die Mulde rutscht:

Ist beim Autofahren passiert. Auf einmal ist es da und dann muss ich sofort nach Hause, an die Werkbank und los. Da habe ich dann ein paar Untertassen kaputt gemacht bis ich richtig genug gefräst habe.

Die Lösung: in die Untertasse hat er einen kleinen Magneten eingefräst, der den Löffel an seinem Platz hält.
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