Patentes
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Montag • 11:30
21.7.2003
Regenvorhersage mit Laser
Christine Westerhaus

Seit Anfang des letzten Jahres haben Wissenschaftler in Deutschland alle Chancen, sich als Erfinder einen Namen zu machen. Denn seitdem das Arbeitnehmer-Erfinder-Gesetz reformiert wurde, können auch Hochschulen die Ideen ihrer Mitarbeiter als Patent schützen lassen - ohne großen Aufwand für die Akademiker. Auch an den Berliner Hochschulen können Wissenschaftler ihre Erfindungen schützen lassen. Der jüngste Neuzugang beim Deutschen Patent- und Markenamt ist der so genannte Regenwächter, den Physiker der Freien Universität Berlin und der Universität Lyon entwickelt haben.

Ludger Wöste und Jean-Pierre Wolf gelten nicht nur als Pioniere, weil sie eine neue Methode zur Wettervorhersage erfunden haben. Sie waren auch die ersten, die der Freien Universität Berlin damit zu einem Patent verholfen haben. Die beiden Physiker haben ein Verfahren entwickelt, bei dem ein Hochleistungs-Laser kleinste Partikelchen, so genannte Kondensationskeime, in der Atmosphäre erzeugen kann. Diese Kondensationskeime sind die Voraussetzung dafür, dass sich Regen überhaupt bilden kann: An sie kann sich die Feuchtigkeit in der Luft anlagern und ganz allmählich kleine Tropfen bilden. So wie bei einer Wäscheleine, an die sich morgens der Tau anlagert. Ganze Tropfen entstehen allerdings nur, wenn genügend Feuchtigkeit in der Luft ist. Deshalb lässt sich mit dem an der Freien Universität und der Universität Lyon entwickelten Verfahren lokal voraussagen, mit welcher Wahrscheinlichkeit es regnen wird. Wie das funktioniert erklärt Ludger Wöste, einer der Erfinder des Regenwächters:

Wir strahlen mit einem Laser in die Atmosphäre und wenn wir dann ein solches Kondensationsvermögen haben, mit einem Teleskop können wir das sehr leicht nachweisen, dann wissen wir, die Atmosphäre enthält viel Feuchtigkeit und sie hat die Möglichkeit zu regnen.

Der Laser kann nun dabei helfen, die Wahrscheinlichkeit von Niederschlägen in bestimmten Gebieten vorherzusagen. Das könnte besonders in trockenen Gebieten nützlich sein: Dort versuchen Experten seit längerem, großflächig mit Silberjodid Kondensationskeime in der Atmosphäre zu erzeugen. An diese soll sich die Feuchtigkeit anlagern und so dazu gebracht werden, genau in dieser Region herunter zu regnen. Wenn die Feuchtigkeit aber nicht ausreicht, um Niederschläge zu erzeugen, ist die Methode wirkungslos. So wie bei Versuchen, die Atacama-Wüste künstlich zu bewässern.

In Chile hat man lange Zeit versucht, mit Raketen und Flugzeugen Silberjodid in den Himmel zu schießen und es war nicht sehr erfolgreich, weil man einfach nicht wusste, sind das jetzt kritische Bedingungen oder nicht. Wenn wir in diese Richtung mal einen Beitrag leisten können, würden wir die Leute, die die Wolken dort injizieren, beraten können: Jetzt lohnt es sich und jetzt nicht.

Die Methode zur Regenvorhersage haben sich Ludger Wöste und sein französischer Kollege über die Freie Universität patentieren lassen. Falls eine Firma die Regenwächter-Erfindung nun einsetzen will, muss sie Lizenzgebühren an die Hochschule zahlen. Denn mit dem Patent hat die Universität auch das Recht erworben, die Idee ihrer Mitarbeiter wirtschaftlich zu nutzen. Bisher hatten Universitäten und Fachhochschulen keinen Einfluss darauf, was ihre Angestellten mit den Früchten der wissenschaftlichen Arbeit anfangen. Und nur die wenigsten Forscher ließen ihre Erfindungen patentieren, weil ihnen das Verfahren zu aufwändig war und weil sie das finanzielle Risiko scheuten. Deshalb bietet das neue Arbeitnehmer-Erfindergesetz eine Möglichkeit, Ideen ohne großen Aufwand vorsorglich schützen zu lassen.

Bis etwas aus einem Patent herauskommt, kann sehr viel Zeit vergehen und ich würde sagen, in den meisten Fällen bringt ein Patent kein Geld. Aber es schützt erst mal eine Idee, so dass die Industrie sich in aller Ruhe darauf stützen kann, Weiterentwicklungen machen kann. Und nach ganz vielen Jahren, wenn das mal ein Industrieprodukt ist und richtig viel Geld einbringt, dann ist es natürlich schön, wenn dann ein wenig aus den Lizenzgebühren an die Universität geht.

Bevor eine Idee geschützt wird, muss sie zunächst von der Hochschule begutachtet werden. Diesen Job übernimmt an der Freien Universität die ipal, eine Gesellschaft für Patentverwertung. Sie beurteilt, ob es sich lohnt eine Erfindung zu schützen und macht sich auch gleich auf die Suche nach einer Firma, die die Idee wirtschaftlich verwerten will. Um die Wissenschaftler über ihre Möglichkeiten zu informieren, hat die Freie Universität eine Informations- und Servicestelle eingerichtet. Dort können sich die Mitarbeiter über das Patentverfahren informieren. In Seminaren können die zukünftigen Daniel Düsentriebs zudem lernen, welche Ideen geschützt werden sollten und wie Schutzrechte wirtschaftlich verwertet werden. Und das könnte vor allem jungen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen helfen, wie Ludger Wöste sagt.

Ich finde, es ist wichtig dass unsere Leute nicht nur ausgebildet werden, um Uni-Forschung zu machen, denn nicht alle werden am Ende Universitäts-Professor. Die meisten gehen in die Industrie und dort müssen sie auch kreativ sein und ihre Ideen schützen lassen. Die müssen wissen, wie das geht. Und wenn ein junger Mensch schon 2 oder 3 Patente gemacht hat - so einen jungen Anwärter wird die Industrie viel lieber einstellen.

Die Hochschulen in Deutschland können mit dem neuen Patenrecht also vielleicht auch dazu beitragen, dass die Wissenschaftler ihren Elfenbeinturm verlassen und ihre Forschung eher der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Wir machen hier keine geheime Forschung. Ich finde es wichtig, nachdem die Öffentlichkeit unsere Forschungsarbeiten stark finanziell unterstützt, dass wenn einmal gute Sachen dabei herauskommen, dass die Öffentlichkeit wiederum davon profitieren kann.
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