Patentes
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Montag • 11:30
28.7.2003
Der Stickstoffmotor
Wolfgang Nitschke

Mehr als 40 Patente hat der Erfinder Heinrich Schmid aus dem Bayerischen Deggendorf schon angemeldet. Erfindungen, wie ein Verkehrswarnsystem, welches den Autofahrer darauf aufmerksam macht, wenn in einem Kilometer Entfernung ein Stau ist, eine Schiffsnotbremse für große Tanker, die deren Bremsweg um 70-80% verkürzt oder ein Wellenkraftwerk, mit dem man Strom mit der Brandung erzeugen kann. Seine jüngste Erfindung ist ein Motor. Denn in Zeiten, in denen Benzin und Öl knapp werden, brauchen wir Alternativen. Der neue Motor fährt mit Stickstoff, einer fast unerschöpflichen Energiequelle.

Eigentlich wollte Heinrich Schmid einen Druckluftmotor konstruieren, aber schon in einem frühen Stadium der Entwicklung kam er auf den Stickstoff und dafür gibt es gute Gründe.

Ganz einfach, die Schadstofffreiheit, absolut einfach herzustellen, absolut einfach anzuwenden und vor allem: Energie aus einer unerschöpflichen Quelle - unsere Luft besteht ja zu 78% aus Stickstoff.

Den muss man allerdings in flüssiger Form haben, doch es ist relativ einfach an flüssigen Stickstoff heran zu kommen. Industriebetriebe, die Edelgase aus der Luft gewinnen wollen, stellen mit Kompressoren und Gasabscheidern den Treibstoff sowieso her und lassen ihn heute sozusagen als Abfallprodukt einfach wieder in die Atmosphäre entweichen. Füllt man die kalte, flüssige Luft jedoch in Vakuumtanks, nimmt sie keine Wärme an und bleibt zwei bis vier Wochen flüssig.

Aus diesem Tank entnehmen Sie den Stickstoff, speisen ihn mit der Wärme aus dem Wasser, aus dem See oder Fluss so wie ein Durchlauferhitzer und er beginnt sich aus zu dehnen. Von dem flüssigen Stadium geht in Gasstadium über und ich habe Druckgas und mit diesem Druckgas fahre ich einen Druckgasmotor.

Der funktioniert im Prinzip wie eine umgedrehte Luftpumpe: Durch den Druck wird der Kolben nach unten bewegt, dann entweicht die Luft nach außen, der Kolben zieht sich wieder zusammen und der nächste Schub Luft drückt ihn wieder nach unten. Beim Stickstoffantrieb muss man das Verfahren allerdings im Vergleich mit herkömmlichen Druckgasmotoren etwas modifizieren:

Das heißt, ich muss das System effizient machen, damit sehr schnell sehr viel Wärme in das System eindringen kann, dass ich auch eine wirkliche, wunderbare Expansion von Druck habe.

Bei einem Boot kann man den Tank vollständig unter dem Schiff montieren oder im Schiffsrumpf integrieren und so noch für zusätzlichen Auftrieb sorgen. Und da man den Motor auf über 100 PS trimmen kann, eignet er sich nicht nur für kleine Motorboote, sondern auch für Ausflugsdampfer. Nachteil ist der hohe Verbrauch des neuen Motors.

Momentan verbraucht er noch rund das vier bis fünf fache an Volumen. Das heißt, wenn Sie mit einem normalen Boot um die 10 Liter pro Stunde brauchen, brauchen wir eben 50 Liter. Das ist eben unser kleines Manko, aber wir haben den Riesenvorteil, unser Sprit ist ja um die 60-80% im Gesamten billiger als herkömmlicher Treibstoff.

Und deshalb soll der Stickstoff-Bootsmotor auch nur der Anfang sein. In Entwicklung ist bereits ein Motor für den Go-Kart-Sport. Eine etwas kompliziertere Konstruktion, da man die Wärme, durch die der Stickstoff sich in den Gaszustand begibt ja aus der Luft gewinnen muss, was schwerer ist, als die Wärme aus dem Wasser zu bekommen. Auch an Autos oder kleinere Flugzeuge mit N2-Antrieb wird in Deggendorf schon gedacht, denn Tankstellen für flüssigen Stickstoff gibt es bereits zahlreiche. Heute füllen dort die großen Obst- oder Gemüsegroßhändler den Stickstoff als Kühlmittel für ihre LKW ab - vielleicht werden sie eines Tages auch damit fahren. Bleibt noch die Frage, warum man jahrelang daran tüftelt, einen Stickstoffmotor zu entwickeln?

Das ist eine goldene Frage - ich habe mir darüber noch nie Gedanken gemacht. Ich bin einfach Erfinder aus Leidenschaft. Ich sehe die globale Situation: Wir müssten vielleicht mal etwas umdenken, und um an der ganzen Situation etwas zu verändern, denke ich, wäre dieser Stickstoffantrieb der erste Weg.
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