Patentes
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Montag • 11:30
4.8.2003
Blaulichteinsatz beim Zahnarzt
Claudia van Laak

Wer Kunststoff-Füllungen im Mund hat, kennt das Procedere - sie müssen in verschiedenen Schichten aufgetragen und immer wieder gehärtet werden. Der Kunststoff reagiert dabei auf blaues Licht. Die herkömmlichen Halogen-Lampen zur Härtung der Zahnfüllungen haben allerdings einige Nachteile. Die Energie wird nicht effektiv genutzt, die Lichtstärke muss immer wieder kontrolliert werden. Materialwissenschaftler der Uni Jena haben deshalb eine neue Lampe konstruiert.

Alexander Uhl hat ein Gerät in der Hand, das entfernt an einen Föhn erinnert. Der Materialwissenschaftler demonstriert eine herkömmliche Lampe für die Härtung von Kunststoff-Füllungen im Zahn. Das dabei benötigte blaue Licht wird von einer Halogen-Lampe ausgestrahlt.

Sie sehen, der Nachteil ist, Sie haben eine starke Wärmeentwicklung an der Birne selbst, die Temperatur muss abgeführt werden durch die Ventilation, was Luftverwirbelungen verursacht, was ein Nachteil ist für den Patienten, wenn Bakterien auf die Wunde kommen können oder ein Nachteil für den Arzt, wenn der Patient krank ist und seine Bakterien zum Zahnarzt wirbeln.

Die herkömmlichen Lampen haben noch weitere Nachteile: nur zehn Prozent der elektrischen Energie wird in Licht umgewandelt, der Rest in Wärme, das Gerät arbeitet also nicht effizient. Die Stärke der Halogenbirnen lässt mit der Zeit nach, sie müssen regelmäßig ausgewechselt werden. Professor Klaus Jandt:

Ich habe mal einen Lehrgang veranstaltet für Zahnärzte, das war so ein Weiterbildungslehrgang, da haben die Ärzte ihre Lampen mitgebracht und wir haben die getestet und festgestellt, das ein Drittel der Lampen nicht mehr geeignet war für den klinischen Einsatz.

Wenn Zahnärzte ihre Lampen also nicht regelmäßig kontrollieren, besteht die Gefahr, dass die Kunststoff-Füllungen nicht ordentlich gehärtet und schneller ausgewechselt werden müssen als eigentlich nötig. Die Materialwissenschaftler der Uni Jena haben deshalb eine neue Lampe entwickelt. Das blaue Licht wird von einer LED, also einer Licht emittierenden Diode ausgestrahlt. Diese Dioden kennt jeder zum Beispiel von seiner Stereoanlage oder seinem Fernseher. Dort zeigen sie an, ob das Gerät eingeschaltet ist oder nicht.

Sie haben also nicht mehr einen glühenden Draht, wie in einer Glühlampe, wie in einer Halogenlampe, der sehr viel Hitze erzeugt, der durchbrennen kann, der eine ganze Reihe von Nachteilen hat, sondern sie haben ein verschleißfreies Teil, ein Halbleiterbauelement, das Licht emittiert.

Alexander Uhl hat den Prototyp dieser neuen, kleineren Härtungslampe für Kunststoff-Füllungen gebaut. Ein chromblitzendes Designerstück, das keine Kühlung braucht, also keine störenden Geräusche macht, langlebig ist und energieeffizient. Materialwissenschaftler Uhl hat gleich noch einen Akku eingebaut, damit die lästige Schnur entfällt. Der Zahnarzt kann die Lampe also in der Tasche seines Arbeitskittels tragen und muss sie nur ab und zu aufladen. Wir glauben an die Zukunft dieser Lampe, sagt Uhl.

Ja, hundertprozentig, wir sind fest davon überzeugt, die letzte internationale Dentalausstellung hat gezeigt, dass die Lampe von allen namhaften Herstellern übernommen wird in die Produktpalette.

Professor Klaus Jandt geht sogar soweit zu behaupten, die Produktinnovation sei ein Beitrag zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen.

Weil sie diese Lampen nicht so oft auswechseln müssen und weil durch die zuverlässige und dauerhafte und sichere Härtung dieser dentalen Composite es potentiell zu weniger Ersatz kommen muss, das heißt Ihre dentalen Composite halten länger, wenn sie mit einer LED-Lampe polymerisiert werden, als wenn sie mit einer herkömmlichen Halogenlampe polymerisiert werden.

Für Zahnärzte zählt in erster Linie, ob das Gerät beim Einsatz am Patienten auch praktisch ist - Pluspunkte gibt es deshalb aufgrund der fehlenden Schnur. Die Erfurter Zahnärztin Christine Hamm lobt außerdem das kalte Licht der LED-Lampen.

Besondern günstig finde ich die fehlende Erwärmung, weil das als unangenehm empfunden wird und auch für den Zahn schädlich sein kann, wenn durch die Lampe Wärme ausgestrahlt wird und auf den Zahn übertragen.

Bislang musste sich die neue Lampe der Jenaer Materialwissenschaftler nur im Labor beweisen. Der Praxistest, der mindestens ein Jahr dauern soll, beginnt demnächst in der Zahnklinik der Universität.
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