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Montag • 11:30
13.10.2003
X-STOP
Neues Operationsverfahren hilft bei Schaufensterkrankheit
Stephanie Kowalewski

Wenn verschlissene Wirbel auf die Nervenbahnen entlang der Wirbelsäule drücken, schmerzen vor allem die Beine. Im fortgeschrittenen Stadium fallen selbst kleine Spaziergänge schwer und letztlich wird jeder Schritt zur Qual. In Deutschland leiden schätzungsweise zwei Millionen Menschen an der so genannten Schaufensterkrankheit. Ihnen soll jetzt ein kleiner Stift aus Titan wieder auf die Beine helfen. Weltweit wurden bisher erst 400 Patienten mit dem Implantat, X-Stop genannt, behandelt.
Typisch für die Verengung des Wirbelkanals sind Schmerzen in den Beinen. Vor allem ältere Menschen leiden unter dem so genannten Schaufenstergang, sagt der Neurochirurg Gregor Godde.

Das heißt die Patienten laufen eine bestimmte Gehstrecke, das können 20 oder 100 Meter oder ein Kilometer sein, müssen dann stehen bleiben, sich hinsetzten oder nach vorne beugen, dann gehen die Schmerzen wieder weg und die Patienten können wieder ein Stück laufen und müssen dann wieder stehen bleiben.

In schweren Fällen, wie bei dieser 84-jährigen Düsseldorferin, wird dann irgendwann jede Bewegung zur Qual.

Es war so schlimm, dass ich nicht mehr laufen konnte. Ich konnte vor allen Dingen nicht mehr stehen. Ich war kaum in der Lage mir die Zähne zu putzen, da hab ich auf der Badewanne gesessen. In der Küche hab ich ein Bügelbrett stehen, da hab ich mich ab und an drüber gehängt - es war fürchterlich.

Durch den Verschleiß der Wirbelkörper im Lendenbereich werden die Nerven entlang der Wirbelsäule zusammengedrückt und eingeklemmt. Das führt zu Schmerzen in den Beinen und einem tauben Gefühl in Rücken und Gesäß. Linderung finden die Betroffenen, wenn sie sich nach vorne beugen - das weitet den Wirbelkanal und entlastet damit die gequetschten Nerven. Und genau das macht X-Stop nach, sagt Gregor Godde. Der in Düsseldorf niedergelassene Neurochirurg war der erste, der das neue Implantat in Deutschland einsetzte.

X-Stop ist ein Implantat, eine Titanimplantat, dass man zwischen die Dornfortsätze in maximaler Beugehaltung einsetzt, um damit eine Erweiterung des Rückenmarkkanals zu erreichen. Also diese Haltung, die die Patienten automatisch einnehmen, um eine Entlastung zu kriegen, das machen wir damit auch mit diesem Implantat.

Bisher hat er bei zwanzig Patienten den X-Stop implantiert. Während der einstündigen Operation liegt der Patient auf der Seite und hat die Beine so weit es geht angezogen. Der Wirbelkanal ist dann im Lendenwirbelbereich maximal gebeugt und die Nerven entlastet. In dieser Haltung wird das Implantat - quasi als Abstandshalter -zwischen zwei Wirbeln platziert. Dabei hält ein ovaler Titanstift die Wirbel auf Distanz während zwei kleine Flügel sich an die Wirbel schmiegen und so verhindern, dass das Implantat verrutscht. Letztlich wird die Wirbelsäule an dieser Stelle unbeweglich. Derzeit können höchstens zwei solcher Implantate in die Lendenwirbelsäule eingebracht werden. Kritiker bemängeln, dass mit diesem Eingriff die Statik des Rückgrates verändert wird, weiß Gregor Godde.

Diese Gedanken haben sich ja auch diejenigen, die es anwenden und entwickelt haben, gemacht. Und es sind ausgiebige statische Untersuchungen gemacht worden....so dass man weiß, dass es nicht zu einer negativen Auswirkung kommt. Andererseits muss man auch bedenken, dass die Patienten, so wie sie laufen, auch eine ausgeprägte Fehlstatik haben. Und das wollen wir ja gerade korrigieren. Die sollen eben nicht gebückt, nach vorne gebeugt laufen, so wie sie es meistens machen, sondern sollen wieder grade laufen.

Für Geregor Godde überwiegen die Vorteile des X-Stop. Im Gegensatz zu den gängigen Operationsmethoden müssen keine Knochenteile und auch kein Gewebe entfernt werden. Statt Vollnarkose und zehn Tage Krankenhausaufenthalt, lässt sich der X-Stop sogar unter lokaler Betäubung ambulant einsetzten. Das alles spricht für das neue Implantat, sagt Gregor Godde. Professor Kai Bernsmann, Wirbelsäulenchirurg an der Essener Giradet-Clinik, sieht das anders. ´23

Ich würde es meinen Patienten nicht empfehlen, weil es gibt nicht genügend Informationen, wie lange hält das. Und einen operativen Eingriff durchzuführen, der zwar möglicherweise für ein Jahr eine erhebliche Beschwerdebesserung bringt und dann muss trotzdem eine andere Operation erfolgen, solange man da nicht weiß, wie viel Zeit bringt es wirklich, würde ich es nicht empfehlen.


Zumal seiner Meinung nach auch die bisher angewandte Operationstechnik durch die Mikrochirurgie risikoarm und wenig belastend ist. Die schmerzgeplagte Düsseldorferin entschied sich hingegen bewusst für den X-Stop und die kleinere operative Behandlungsform. Sechs Wochen ist das jetzt her.

Und ich muss sagen, es wurde von Tag zu Tag besser. Jetzt mache ich Krankengymnastik und ich werde von Tag zu Tag flotter. Ich brauche keine Schmerzmittel mehr und da bin ich wirklich glücklich, dass ich das gemacht hab. Es ist natürlich eine Kostenfrage.

Denn die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht. Alleine das kleine Titanimplantat kostet 2.500 Euro. Hinzu kommen dann noch die Kosten für die Narkose, die Operation und natürlich das Krankenbett.

Das war mir egal. Was habe ich von einem Ersparnis auf der Bank und hab keine Lebensqualität! Das bringt doch nicht.
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