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Montag • 11:30
10.11.2003
Leuchtfolie bringt Licht ins Dunkel
Von Stephanie Kowalewski

"Ambiente Beleuchtung", das ist es, was Frauen und Automobilbauer wollen. Das dachten sich zumindest einige findige Ingenieure beim Leverkusener Bayer-Werk und entwickelten gemeinsam mit der Schweizer Firma Lumitec eine Folie, die genau das kann und obendrein auch noch sehr beweglich ist, was die patente Idee zu einem echten High Light macht.
Das ewige kramen nach dem Schlüssel in den Tiefen der Handtasche könnte bald schon der Vergangenheit angehören, denn die so genannte Smart Surface Technology bringt Licht ins Dunkel. Der Taschenhersteller Bree hat jetzt den Prototyp einer innenbeleuchteten Handtasche hergestellt. Die glänzende Idee samt Technik dazu liefert die Schweizer Firma Lumitec gemeinsam mit Bayer Polymers.

Wir haben als erstes eine transparente Folie. Dann haben wir eine transparente leitfähige Elektrode. Dahinter sitzen spezielle Elektrolumineszenzkristalle und wieder eine transparente Elektrode. Und wenn wir dieses zusammenbringen über ein Druckverfahren und dann verformen, dann haben wir eigentlich genau das Bauteil, was wir jetzt beispielsweise in der Handtasche realisiert haben.

Das alles, schwärmt Eckard Foltin, Ingenieur bei Bayer und maßgeblich an der Entwicklung der neuen Leuchtfolie beteiligt, ist nur einen halben Millimeter dick. Die Folie erzeugt ein kaltes, gleichmäßiges Licht - wahlweise in den Farben Grün, Blau, Orange oder Weiß. Sie leuchtet entweder über die gesamte Fläche oder nur in einzelnen Segmenten. Bisher konnten solche Leuchtfolien nur bei ebenen und in der Größe begrenzten Flächen eingesetzt werden. Das Problem bei dreidimensionalen Formen, sagt Eckard Foltin, war bislang immer die Wärme, die für die Verformung notwendig ist.

Wenn wir im Spritzgießprozess mit heißer Temperatur hinten auf die Schicht kommen, dann haben wir schon oft den Punkt gehabt, bei einer hohen Überdehnung, dass es Kurzschluss gab und wir eben anstelle einer leuchtenden Fläche nur noch eine schwarze Fläche gesehen haben.

Doch die Forscher entwickelten ein Verfahren, dass es ermöglicht, die Leuchtfolie bei realtiv geringen Temperaturen von etwa 80 Grad zu verformen, so dass das Material nicht mehr unter der Dehnung leidet oder Schaden nimmt. Jetzt ist es erstmals möglich, leuchtende Folien beliebig zu verformen und damit jede nur denkbare Geometrie zu erhellen, sagt Bayer-Sprecher Gerd Dreßen.

Das Haupteinsatzgebiet dieser Smart Surface Technology ist sicherlich die Automobilindustrie. Stellen sie sich vor, sie haben einen Autohimmel und der schimmert in einem wunderschönen Licht, im Armaturenbrettbereich kann man sich Einsatzgebiete vorstellen. Ganz praktisch ist auch eine Kühlschrankinnenbeleuchtung, weil sie es hier mit einem Kaltlicht zu tun haben, also keine Wärme entsteht. Man kann sich sogar vorstellen, komplette Schwimmbadböden und - wände damit zu machen.

Auch Notausgänge und Sicherheitskleidung könnten künftig mit der neuen Folie beschichtet werden. Automobildesigner können dank der formbaren Folie quasi um die Ecke leuchten und im Wageninneren kleine Highlights setzten, indem sie zum Beispiel die Mulde des Türgriffs dezent erhellen. Auch die Optik der Folie kann je nach Wunsch gestaltet werden: Tagsüber ein ganz normaler Autohimmel und wenn es dunkel ist, eine dezente nicht blendende Innenraumbeleuchtung. Sogar verchromte Oberflächen sind möglich und bereits im Einsatz. Steigt zum Beispiel der Fahrer eines kleinen Sportflitzers aus Bayern in sein Auto, dann leuchten die Einstiegsleisten. Aber das neue Verfahren kommt nicht nur den Designern entgegen, betont Gerd Dreßen.

Wenn sie heute zum Beispiel dieses kleine Bauteil sehen, in dem die Regler ihrer Heizung drin sind, da besteht dieses Bauteil aus duzenden von Einzelteilen und am Ende sind eben auch Glühbirnchen drin. Wir sind in der Lage dieses aufwendige Bauteil aus einem Stück zu fertigen. Und das ist natürlich im Zeichen von modularer Bauweise für die Autohersteller hoch interessant. Auch der Autofahrer hat einen riesen Vorteil davon. Wenn ihnen heute eine Leuchtdiode oder ein Birnchen in der Armaturenbeleuchtung kaputt geht, kostet das Bauteil 50 Cent. Für den Ein- und Ausbau ihres Armaturenbretts zahlen sie aber locker 200 bis 250 Euro. Wenn wir diese komplette Folie in einem bauen, haben sie eine Folie, die das ganze Autoleben lang hält und es kann einfach kein Glühbirnchen mehr kaputt gehen.

Die nicht kaputtbare Folie? Ja, sagen die Entwickler, und sie ist obendrein auch noch wartungsfrei. Die mehrschichtige Folie erzeugt das Licht reich chemisch. Es gibt keine mechanischen Abläufe, keine Vibrationen und da das Licht kalt leuchtet entsteht auch keine Wärme, die langfristig zu Schäden führen könnte. Damit die Folie leuchtet, benötigt sie eine 110 Volt Wechselspannung, die im Auto durch die Lichtmaschine oder die Autobatterie erzeugt wird. In Handtaschen oder Aktenkoffern wird sie mit einer handelsüblichen neun- bzw. 12-Volt-Batterie gespeist, je nachdem wie viel Licht erzeugt werden soll. Denkbar wäre aber auch ein aufladbarer Akku, der dann ganz nebenbei auch kleine Elektrogeräte, die sich in der Tasche befinden, mit neuem Saft versorgt, sagt Eckard Foltin.

Weil dieser Akku, der könnte letztlich sowohl die Energie geben für die Leuchtfolie aber natürlich auch die Energie für ein Handy. Wir werden immer mehr in der Zukunft zu modernen Nomaden und werden auch da unsere Geräte mit uns tragen und brauchen Energie.

Mit der Smart Surface Technology lässt sich derzeit allerdings nur eine so genannte ambiente Beleuchtung herstellen, also ein dezentes Licht, das im Dunkeln zwar einen deutlichen Effekt zeigt, jedoch bei Tageslicht unscheinbar ist. Eine Leselampe wird aus der Folie so schnell also nicht zu machen sein.
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