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Montag • 11:30
1.12.2003
Die Go-Box
Österreichisches LKW-Maut-Erfassungssystem
Von Thomas Wagner

Komplizierte Technik in Deutschland: Ein LKW passiert eine elektronische Mautstation (Bild: AP)
Komplizierte Technik in Deutschland: Ein LKW passiert eine elektronische Mautstation (Bild: AP)
Sie sind in den vergangenen Monaten wie Pilze aus dem Boden gewachsen: Stählerne Brücken über österreichischen Autobahnen, ausgestattet mit allerlei grauen Kästchen und Antennen.

Das sind die so genannten Überkopf-Rahmen für die Mikrowellen-Messanlagen, die eigentlich das Herz des österreichischen Mautsystems darstellen. Diese Überkopf-Rahmen, es gibt davon praktisch 840 in ganz Österreich, müssen vor jeder Autobahnauffahrt stehen, um alle LKW's zu erfassen.

so Heinz Martello, Sprecher der Fachgruppe Spediteure in der Handelskammer des kleinsten österreichischen Bundeslandes Vorarlberg. Die Überkopf-Rahmen dienen dabei als Empfänger jener Signale, die die sogenannte "Go-Box" eines LKW auf Mikrowellenbasis aussendet. Unter der jeweiligen Windschutzscheibe befindet sich ein kleiner Sender, den die Fachleute "Go-Box" nennen. Er sendet Informationen über das Fahrzeug, über die Spedition und über die Fahrroute an die Kopfstationen in den Strahlträgern über den Autobahnen. Auf der Basis dieser Angaben errechnet der Zentralrechner in Wien den Mauttarif.
Grundlage dafür ist die Distanz zwischen dem Mautportal, an dem der LKW die Autobahn befuhr und demjenigen Portal, an dem der LKW die Autobahn verließ.
Damit ist das österreichische "Go-Box-System" wesentlich weniger kompliziert als "Toll Collect" in Deutschland. Dort nämlich werden Satellitennavigationsempfänger bemüht, um die Position eines LKW zu bestimmen. In Österreich reichen dazu die Kopfstationen über den Autobahnen aus - eine wesentlich preisgünstigere Variante als in Deutschland. Denn die "Go-Box" für den LKW, die die Mikrowellen aussendet, ist gerade mal für fünf Euro zu haben Und nicht nur das: Im Rahmen der Erprobungsphase traten in Österreich, im Gegensatz zu Deutschland, keinerlei nennenswerten Probleme auf.
Dennoch erkennt Spediteursvertreter Heinz Martello aber auch Nachteile, die dem österreichischen System im Vergleich zum deutschen anhaften:

Ein Vorteil des deutschen Mautsystems ist auch: Es ist moderner. Wenn es funktioniert, kann man eben nicht nur Maut abbuchen, sondern für die Zukunft auch verschiedene andere Parameter damit erledigen. Das heißt: Verkehrsleitsysteme bis hin zur Ortung von LKW sind über GPS natürlich möglich und haben Zukunft.

Immerhin schiebt das österreichische System potentiellen Schummlern einen Riegel vor: Die Zahl der Achsen eines LKW beispielsweise müssen die Fahrer individuell in die Go-Box eingeben. Je mehr Achsen, desto höher die Mautgebühr - doch wer bei der Anzahl der Achsen eines Gespanns mogelt, läuft große Gefahr, dabei ertappt zu werden. Heinz Martello:

Jeder vierte dieser Rahmen hat außer den Mikrowellengeräten auch noch ein Achsmessgerät und Kameras für eventuelle Mautsünder eingebaut.
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