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Montag • 11:30
22.12.2003
Wasserstoff betriebenes Fahrrad
Von Werner Nording

Brennstoffzellen- Fahrrad (Bild: www.fair-pr.com)
Brennstoffzellen- Fahrrad (Bild: www.fair-pr.com)
Dass man ihn als einen schwäbischen Tüftler bezeichnet, dagegen hat der 26jährige Jörg Weigl nichts einzuwenden. Besonders die Wasserstoff-Technologie hat es dem Maschinenbauingenieur in spe angetan. In seinem Studium an der ostfriesischen Fachhochschule in Emden hat der Erfinder ein Brennstoffzellen-Fahrrad entwickelt, das er jetzt als Prototyp tatsächlich gebaut hat. Auf Fachmessen führt er das Dreirad gerne vor.

Das ist ein richtig faules Fahrzeug, man braucht nicht mehr treten, kann sich hinlegen und fährt völlig abgasfrei, kommt nur ein bisschen Wasserdampf raus und bequem, geschickt.

Auf dem leeren Parkplatz vor den Hamburger Messehallen mitten in der City dreht Jörg Weigl zufrieden seine Runden. Entspannt sitzt er auf dem flotten Dreirad, das lautlos durch einen kleinen Elektromotor angetrieben wird, der mit Wasserstoff betankt wird. Gerne erzählt der Tüftler aus dem schwäbischen Ulm, wie er dazu gekommen ist, dieses Gefährt zu bauen.

Ich hab studiert an der Fachhochschule in Emden, bin seit einer Woche fertig und das ist meine Diplomarbeit. Vor drei Jahren fast schon, hab ich einen brennstoffzellenbetriebenen Roller gebaut um zum zeigen, dass man mit Wasserstofftechnik fahren kann. Aus dem Roller ist ein Liegerad geworden und da man ein Liegerad nicht Probe fahren kann ist jetzt ein Liegedreirad, jetzt kann es von jedem Probe gefahren werden.

Noch hat das Dreirad seine Kinderkrankheiten. Wenn man beim Probefahren den rechten Lenkergriff zu schnell dreht, um Gas zu geben, säuft der Motor ab. Mit viel Gefühl muss man den Motor langsam kommen lassen, dann setzt sich das Rad in Bewegung und erreicht ein rasantes Tempo, ganz ohne zu treten.

Man kann 40 km/h damit erreichen ohne zu treten auf abgesperrter Straße, auf der Straße sind 25 km/h erlaubt.

So weit es die Zeit erlaubt fährt Jörg Weigl mit seinem Dreirad herum. Selbst in England hat der Erfinder seinen Prototypen schon vorgezeigt.

Ich fahr' rum, das ist seit drei Wochen fertig, bis jetzt bin ich durch London gefahren, ein bisschen durch Hamburg und ein bisschen Überland in England, das war die letzte Messe davor.

Und was so ein richtiger Maschinebauingenieur mit der Fachrichtung Produktentwicklung und Design ist, dem fällt natürlich auch ein Name für seine Erfindung ein. Weigl hat sich damit nicht schwer getan.

Also der Name heißt Pios, Pios Hydrogen Drycicle, Pios hab ich mir ausgedacht als Name wie man heutzutage einen Mercedes, eine Dukati oder einen Ferrari fährt, fährt man vielleicht in 20 Jahren einen Pios.

Auch über ein Dach für Pios hat der Schwabe schon nachgedacht, doch den Gedanken gleich wieder verworfen.

Das ist angedacht, aber wenn man ein Dach drauf hat, kann man es im Zug nicht mehr mitnehmen und muss jedes Mal zur Messe hinfahren. Es ist einfach ein Transportgrund hauptsächlich.

10 000 Euro hat Weigl in seinen Pios investiert. Denn die Teile, die er für das Dreirad brauchte, musste er extra anfertigen lassen. Aber auch diese Hürde hat er schließlich genommen.

Das Schwierigste an dem Projekt ist, die Teile zu bekommen, also die Wasserstofftechnik, Druckbehälter, Brennstoffzellen, das sind alles Teile, die man nicht einfach bestellen kann und dann ein Viertel Jahr später kriegt, sondern die in der Regel ein halbes Jahr Lieferzeit haben, speziell angefertigt werden dafür und sehr viel Geld kosten.

Sechs Kubikmeter Wasserstoff verdichtet auf 350 bar passen in den Tank. Das reicht für 900 Kilometer. Pios ist wie sein schwäbischer Erfinder sparsam. Das Dreirad braucht umgerechnet nur 0,3 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Mit seiner Erfindung wünscht Weigl sich jetzt nach seinem Studium eine Stelle im Bereich Forschung und Entwicklung. Wenn das nicht klappt, wäre er auch mit einer Möglichkeit zufrieden, eine Doktorarbeit zu schreiben. Vermarkten kann er seinen Prototypen derzeit noch nicht. Da ist er seiner Zeit noch weit voraus. Aber vielleicht lässt sich die Technik ja auch für Rollstühle einsetzen, sinniert der Tüftler.

Vorstellen könnte ich mir das in zehn Jahren, dass es die ersten Elektrofahrräder mit Brennstoffzellenantrieb geben kann. Zuerst einen Markt sehe ich vielleicht für Elektrorollstühle im Antrieb, in den nächsten drei vier Jahren, weil ein Elektrorollstuhl hat ein sehr großes Problem mit der Reichweite und dort sind die Kosten in einem ganz anderen Bereich angesiedelt, als bei einem Endverbraucherprodukt, weil ein Behinderter kann halt nicht laufen und der freut sich halt, wenn er nicht unterwegs stehen bleibt mit leeren Akkus.
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