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Montag • 11:30
5.1.2004
Menschenschweiß gegen Wildunfälle
Von Nana Brink

Wildschwein (Bild: AP)
Wildschwein (Bild: AP)
Rund 15000 durch Wild verursachte Verkehrsunfälle gab im letzten Jahr allein in Brandenburg. Die Folge: Tote, Verletzte und hoher Sachschaden. Durch die neuen Umgehungsstraßen werden die Lebensräume der Tiere zerschnitten - ein rasanter Anstieg der Wildunfälle ist gerade in den letzten Jahren zu verzeichnen. Ein pfiffige Idee und ein neues Mittel könnten in Zukunft die Straßen etwas sicherer machen: Eine "stinkende" Angelegenheit zumindest aus der Sicht der Rehe und Wildschweine.

Eine Landstraße in der Nähe von Pritzwalk, - im Nordwesten von Brandenburg. Hinter einem Waldstück, am Straßenrand, steht Rudolf Scholz, in Jagdgrün gekleidet, auf dem Kopf einen Filzhut und in der Hand eine merkwürdig aussehende, silberfarbene, dünne Säule…..

Das ist also ein klassischer Wildabweiser, bestehend aus einem zwei Meter 50 langen Plastikrohr, ummantelt mit einer Reflektionsfolie, wie man auch so schon an den Bäumen kennt, oben drauf ist ein Behältnis, Regen geschützt, worin eine biologische Faser enthalten ist, die dann in gewissen Abständen mit einem Wildvergrämungsmittel beschickt wird.

Bei dem Wort Wildvergrämungsmittel blickt Rudolf Scholz, Vorsitzender des Regionalverbandes Prignitz der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, mit sichtlichem Erfinderstolz auf das silberne Plastikrohr. Um das Wild von Brandenburgs Straßen zu "vergrämen", hat sich der passionierte Jäger seines Jägerlateins besonnen. Rehe, Wildschweine, aber auch Hasen, hassen Menschenschweiß.

Sie brauchen keine alten Socken, Sie können Ihre Jacke oder Mantel hinhängen, wir wissen alle, verzeihen Sie mir bitte diese Unhöflichkeit, ein Mensch hundertmal stärker riecht als ein Windschwein, das Wildschwein würde sagen, der Mensch stinkt, wir sagen, das Wildschwein stinkt, … gehen Sie durch den Wald, Sie werden kein Wildschwein riechen, aber aus 100 Meter Entfernung hat Sie das Reh schon längst gerochen, dass wir bedingt auch durch unsere Kosmetika auch so stark riechen, .. das alles hat zur Folge, dass wir ganz geruchsintensiv sind als Menschen… wir haben also für das Wild dieses Geruchsproblem und das nutzen wir.

Und weil es den Rotwildhirsch vor dem Menschen graust, füllt Rudolf Scholz künstlich hergestellten Menschenweiß in seine so genannten "Verdunstersäulen". Mittlerweile hat der Jäger und Erfinder auch andere von seiner Idee überzeugt.

Wir haben eine Versuchsstrecke in unserem Programm, ich muss betonen, dass das ganze Programm von Arbeitsamt gefördert wird, auch personell. Die Kosten dafür trägt die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Prignitz e.V. und das sind ein Gemeinschaftsprojekt auch mit dem Landkreis, mit der Straßenbehörde. Der Bedarf ist da, wir haben jetzt eine Versuchsserie von 150 Stück vor, 20 sind bereits angefertigt. Wir werden über einen langen Zeitraum auch der alleinige Produzent sein, d.h. die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, wir werden auch die Kosten noch versuchen zu halbieren, gegenwärtig ist der Materialaufwand um 20 Euro, wir haben eine Variante in Vorbereitung, wo wir von 20 Euro auf 10 Euro kommen.

Alle 50 Meter sollen die "Verdunstersäulen" aufgestellt werden; an Stellen mit verstärktem Wildwechsel sogar alle 25 Meter. Die Erfindung ist technisch simpel: Ein Plastikrohr, ein Fläschchen Menschenschweiß an der Spitze und schon stinkt die ganze Straße nach Mensch - und das Wildschwein bleibt im Wald. Eine pfiffige Idee und genau darin liegt der Haken. Über ein Dutzend Firmen haben schon bei Rudolf Scholz angerufen, weil sie das Produkt in Serie herstellen wollen. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald will das Urheberrecht behalten. Rudolf Scholz allerdings ist Realist: Schon bald werden, so vermutet er, die ersten Plagiate auf dem Markt erscheinen. Weshalb man auch eine Patentanmeldung prüft. Am Erfolg seines Produkts zweifelt der Jäger Rudolf Scholz kein bisschen - dafür hat er einen Riecher.

Wenn wir unser Ziel und ich mein Ziel erreicht habe, dass wir etwas Wirksames und Brauchbares in Umlauf gebracht haben, wenn wir eine Lobby geschaffen haben, wir sind jetzt dabei, das Image für dieses Produkt aufzubauen, dann werden wir mit Sicherheit die Nachnutzung an kompetente Firmen und Hersteller übergeben, - das sollen dann ruhig andere machen.
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