Patentes
Patentes
Montag • 11:30
19.1.2004
Freizeitkapitäne fahren mit Pflanzenöl
Entdeckungen auf der Wassersportmesse "boot" in Düsseldorf
Von Stephanie Kowalewski

Internationale Boot-Ausstellung (Bild: AP)
Internationale Boot-Ausstellung (Bild: AP)
Motorsport auf dem Wasser - für Umweltbewusste klingt das nach einem ziemlichen Widerspruch. Dessen ist sich auch Johannes Krahwinkel bewusst und dennoch baut er in seiner gleichnamigen Firma Schiffsmotoren.

Wir betreiben ja unseren Wassersport auf einem Lebensmittel. Da ist es schon sinnvoll eben solche Kraftstoffe einzusetzen, die dieses Wasser nicht beeinträchtigen - durch bei Havarie auslaufen oder bei der Verbrennung, Abgase und sonstige Sachen.

Johannes Krahwinkel setzt auf Geschwindigkeit, die sich aus reinem Pflanzenöl speist.

Ganz normales Pflanzenöl. Wird die Frucht vom Felde genommen, wird gepresst, gefiltert. Fertig ist der Treibstoff.

Der Treibstoff aus kalt gepresstem Speiseöl hat die Wassergefährdungsklasse Null und gilt als absolut umweltneutral, denn er erzeugt bei der Verbrennung im Motor nur die Menge Kohlendioxid, die die Pflanze während des Wachstums der Atmosphäre entnimmt.
Wer mit reinem Pflanzenöl übers Wasser schippert schont nicht nur die Umwelt, sondern auch sein Portemonnaie. Denn der Kraftstoffverbrauch ist geringer und das Pflanzenöl ist wesentlich billiger als Super und Diesel. Der Umweltbewusste Kapitän spart pro Tankfüllung bis zu 75 Prozent, verspricht der Hersteller. Rein theoretisch könnten die Pflanzenölmotoren auch gewerblich genutzte Schiffe antreiben, doch das eben nur theoretisch, bedauert Johannes Krahwinkel.

Die gewerbliche Schifffahrt ist schwierig, weil die steuerlich subventioniert wird. Die zahlen ja keine Mineralölsteuer. Ein Liter Diesel auf dem Wasser kostet, wie das Heizöl, 40 Cent. Hier sind es doch mehr die Freizeitkapitäne, die wir damit ansprechen. Weil wer so ein kleines Sportboot hat und verfährt am Wochenende vier Stunden, vier mal 60-70 Euro gegenüber vier mal 20 Euro, das ist schon ein Unterschied.

Um den Motor und seine Daten hat sich auch Siemens-VDO gekümmert und präsentiert auf der boot eine Innovation in der Instrumentenanzeige. Ebenso wie in der Autoindustrie, werden Motoren für Sport- und Freizeitboote immer häufiger elektronisch gesteuert. Und genau das macht sich die neue Bordelektronik zu Nutze, erklärt Gerhard Böhlke, der die Technische Neuheit mit entwickelt hat.

Früher gab es Sensor, Kabel, Anzeige - und das für jede Funktion. Für jeden Druck, für jede Drehzahl, für jede Temperatur hat man Geber, Kabel, Anzeiger gehabt. Und heute gibt es einen Datenbus, der alle Motordaten zusammenfasst und an den Anzeiger sendet.

Ocean Link heißt das System, das den direkten Draht zu allen Motorinformationen hat. Das Herzstück - quasi die Informationszentrale - ist ein Multifunktionsdrehzahlmesser, der direkt auf einen so genannten CAN-Bus zugreift.

CAN steht für Controller Area Network. Das ist ein Datenbus, der in der Automobilindustrie verbreitet ist. Es gibt heute kein Auto mehr auf dem Markt, das keinen CAN-Bus hat, für alle möglichen Funktionen. Und dieser Can-Bus nimmt eben mittlerweile auch im Marinesektor seinen Platz ein.

Über diesen Datenbus wird die Motorelektronik abgelesen. Die Informationen werden dann dem Schiffsführer analog und digital auf einem Display anzeigt und an bis zu 20 weitere Analog-Instrumente verteilt.

Es kommen alle Motordaten die relevant sind zur Anzeige, d.h. Drehzahl, Betriebsstunden, Kühlwassertemperaturen, Ölwassertemperaturen, Öldrücke, Ladedrücke, Kraftstoffvorrat, Kraftstoffverbrauch, Getriebeinformationen, Getriebedrücke - das ist es so in etwa. Der Vorteil in erster Linie ist der minimierte Installationsaufwand, d.h. ich muss weniger Kabel ziehen, was ja im Schiff meistens ein Problem ist, und zum anderen ist es nicht so fehlerträchtig. D.h. wir haben weniger Schwachstellen, die ausfallen können.

Schwachstellen auszuschalten ist besonders wichtig, wenn es um Rettungssysteme geht. Das wichtigste Rettungssystem für Wassersportler ist die Schwimmweste. Heutige Westen drehen den Schiffbrüchigen automatisch in die sichere Rückenlage. Allerdings nur, wenn die Kleidung das zulässt. Wer Trockenanzüge und aufwendige Kälteschutzbekleidung trägt, läuft Gefahr, dass die Kleidung im Wasser Auftrieb erzeugen, der die lebensrettende Drehung auf den Rücken verhindert. Mund und Nase des Verunglückten tauchen ins Wasser, der Schiffbrüchige ertrinkt.

Und das ist der Grund, warum wir diese Werste hier kreiert haben, … wo man auf dem Bauch gerettet werden kann. - Weil die sehr breit geschnitten ist, weil wir eine Versteifung im Halsbereich haben, d.h. in dem Moment, wo die Weste aufgeblasen wird, wird der Oberkörper aus dem Wasser rausgezogen

Henning Jensen von der Herstellerfirma Secumar demonstriert, dass sich die Rettungsweste in sekundenschnelle aufbläht. Ein Luftpolster unterm Kinn sorgt dafür, dass der Abstand zwischen Mund und Wasseroberfläche rund 15 cm beträgt. In dieser Position kann selbst ein Ohnmächtiger nicht ertrinken. Doch diese Sicherheit hat ihren Preis. Stolze 498 Euro kostet das gute Stück. Alles Neue ist eben zunächst teuer, meint Henning Jansen.

Wir zahlen relativ viel Zulassungsgelder, wir zahlen Entwicklungsgelder, wir müssen patentieren lassen…da hängt schon etliches mit da dran.

Er ist sicher, dass der Preis mit steigender Nachfrage sinken wird. Auf der Messe jedenfalls findet die Rettungsweste viele Interessenten, wie diesen leidenschaftlichen Yachtsegler.

Was hab ich davon, wenn ich ne Weste umhab, die mir im schlimmsten Fall zum Ertrinken hilft und nicht zur Rettung dient.


-> Patentes
-> weitere Beiträge
->
-> Wassersportmesse "boot"