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Montag • 11:30
26.1.2004
Hightech-Folien
Lösungen mit Problem
Von Thomas Salzmann

Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen. Diese Weisheit könnte eines Tages ausgedient haben. Immer mehr Gewächshäuser werden mit PVC - Folien bespannt. Doch um die Haltbarkeit ist es oft nicht gut bestellt, außerdem enthalten sie giftige Weichmacher. Die Entsorgung ist nicht immer gewährleistet. In den Tomatenplantagen Spaniens zum Beispiel flattern die Plastikreste einfach durch Gegend. Eine Alternative könnten Hightech-Folien aus Fluorkohlenwasserstoffen sein, die als jahrzehntelang haltbar, hitzebeständig und schmutzabweisend gelten.
Beim Bau eines neuen Schaugewächshauses für den Bremer Rhododendron-Park "botanika” entschied man sich für ein Foliendach:

Das hat vor allem konstruktive und finanzielle Gründe gehabt, weil die Folie doch deutlich in der ganzen Aufmachung viel leichter ist oben auf dem Dach, als ein Glasdach es gewesen wäre. Es hat auch Vorteile hinsichtlich der Reinigung. Die Lichtdurchlässigkeit ist deutlich besser. Und das sind schon Gründe für uns gewesen, diese Folie hier einzusetzen.

Hartwig Schepker, wissenschaftlicher Leiter des "botanika”. Fluorkunststoff-Folien sind keine unbekannten, eigentlich kennt sie jeder aus der Teflon-Pfanne. Und so wie das Spiegelei leicht aus der Pfanne auf den Teller rutscht, weil es keinen Halt findet - genau so soll nun auch der Dreck auf dem Dach des "botanika” einfach mit dem nächsten Regen fortgespült werden. Mehreren Lagen der Hightech-Folien sind luftdicht mit einander zu Tüten verschweißt und wie überdimensionale Kissen aufgeblasen. Ein leichter Aluminiumrahmen trägt das Ganze. Einige solcher Segmente stehen zu Demonstrationszwecken auf einem Werksgelände in Bremen-Nord und glänzen in der Sonne. Seit langem beschäftigt sich Reinhard Schmidt, Geschäftsführer der Foiltec GmbH, mit der Entwicklung von Folien-Dachelementen.:

Die stehen jetzt seit zehn Jahren hier, sind auch noch nie gereinigt worden und wenn es nächste Woche wieder anfängt zu Regnen dann sind sie wieder schneeweiß. Das ist auch der Vorteil den diese Folie hat: Man braucht keine komplizierten Reinigungsgeräte zu bauen, wie es bei Glasbauwerken der Fall ist. Das brauchen sie hier nicht. Es regnet einmal und dann ist die Folie wieder sauber.

Die hauchdünnen Folien sind nur 0,1 bis 0,2 Millimeter stark, halten aber dem Gewicht von drei Erwachsenen, auf einem Quadratmeter stand. Das ist auch nötig wenn Schnee auf dem Dach liegt oder schwere Stürme toben.
Das Luftpolster zwischen den Folien stabilisiert die Elemente und dient gleichzeitig der Wärmeisolierung. Die Dämmung ist je nach Anzahl der Lagen der von Isolierglas oder sogar Wärmedämmglas vergleichbar. Damit eignen sich die Folien auch als Fassade. Es gelangt jedoch mehr Sonnenenergie durch die Folien ins Innere. Das führt zu einer besseren Energiebilanz, was besonders für Gewächshäuser wichtig ist. Im "botanika” findet die Folie auch im Innenraum Verwendung. Hartwig Schepker erklärt warum:

"Wir haben noch eine zweite Folie mit der wir zwei Klimabereiche in unserem neuen großen Gewächshaus trennen. Wir stellen hier unterschiedliche Lebensbereiche von Rhododenderen dar. Der eine Bereich ist Himalaja und der andere Bereich, den wir exemplarisch zeigen, ist Borneo. Beide Bereiche unterscheiden sich nun sehr deutlich in den Luftfeuchtigkeiten und Temperaturen. Um die innerhalb eines Gewächshauses von einander trennen zu können haben wir eine Foiltec-Folie eingebaut. Die quer durch den Raum hängt und mit der wir in der Lage sind Temperaturen und Luftfeuchtigkeiten unterschiedlich zu steuern.”

Die leichten Folien brauchen keine aufwendigen Aufhängungen oder Unterkonstruktionen. Das senkt die Baukosten. Eine Vollüberdachung zum Beispiel des Bremer Weserstadions käme ohne Verstärkung der Fundamente aus. Der Plan, den brasilianischen Fußballstar Ailton im Trockenen Tore schießen zu lassen, schlummert tatsächlich in den Schubladen.
Bis zu 60 Meter lang können die Dachelemente werden und das in fast beliebigen Formen. In einer südenglischen Tennishalle sorgt ein weißes Fluorkunststoffdach für diffuses, gleichmäßiges und blendfreies Licht. Bedruckte Folien bieten einen regulierbaren Sonnenschutz. Dazu werden zwei Lagen mit versetzten Mustern eingebaut und pneumatisch gegeneinander verschoben und so die Lichtdurchlässigkeit reguliert.
Chemiker wie Doris Sövegjarto-Wigbers von der Universität Bremen sehen bei allen Vorteilen jedoch Probleme bei der Entsorgung:

"Ja, mit dem recyceln ist es nicht so einfach, dass sind Flurkohlenwasserstoffe und die zu verbrennen da entstehen Flurwasserstoff -Verbindungen die natürlich die Ozonschicht sehr massiv schädigen. Mann muss einen hohen Energieeinsatz haben um die zu verbrennen. Im Boden richten sie im ersten Moment nichts an, aber die bleiben da eben.”

Die Hersteller recyceln ihre Abfälle und bieten auch den Nutzern an defekte oder nicht mehr benötigte Folien zurückzunehmen.
Für den Anfangs erwähnten Tomatenanbau in Spanien allerdings wären die Anschaffungskosten von 300 bis 400 Euro je Quadratmeter Dach schlicht zu hoch, schätzt der Bremer Hersteller.
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