Patentes
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Montag • 11:30
16.2.2004
Der magnetische Kugelschreiber
Von Susanne Nessler

Trotz Computer und neuster Kommunikationstechnik, der simple Stift, der Kugelschreiber, ist aus dem alltäglichen Leben nicht wegzudenken. Ob für den einfachen Austausch von Telefonnummern oder den sehnsüchtigen Liebesbrief, einen Kugelschreiber braucht man immer. Notizen, Gedanken, Romane: Er hat erste Wort - seit fast 30 Jahren. Doch plötzlich wird er neu erfunden. Von Zwei Berlinern Designern, die ein bisschen über Physik nachgedacht haben.

Morgens kurz nach neun. Das Thermometer zeigt ganze zwei Grad Celsius. Auf dem Konferenztisch steht eine riesige Kanne Kaffee. Draußen, direkt vor dem Fenster, fließt die Spree vorbei. Im Berliner Designerbüro Usus beginnt ein langer Arbeitstag.
Eine Präsentation wir vorbereitet. Nicht irgendeine, es ist eine besondere Präsentation. Denn es geht um die erste eigene Erfindung der jungen Firma. - einen Kugelschreiber. Diesen haben Hilmar Nicolay und Lennart Kleiber einfach mal neu erfunden.

Unser Ziel war einen Kugelschreiber zu gestalten, der so einfach wie möglich ist. Wo keine Teile herausfallen, der nicht sofort kaputt gehen würde, wenn man ihn gebraucht und der einfach Spaß macht in der Handhabung.

"IO" heißt diese Erfindung, das kommt aus dem italienischen und bedeutet "ich". Und "Ich" also "IO" ist unter Kennern der Kugelschreiberszene eine kleine Sensation. Er braucht keine Feder, keinen Druckkopf, kein Gewinde - verzichtet auf das gesamte Innenleben eines herkömmlichen Kugelschreibers.
Wie das geht? Mit Magnetkraft, dazu gleich mehr - erst noch schnell wie das neue Schreibgerät aussieht, schließlich haben es zwei Designer erfunden.

Die Farbe: Silber. Die Form: oval. Insgesamt 20 Zentimeter lang. Das Design könnte aus einem James Bond Film stammen.

Also wir hatten uns nicht nur in der Technik ein hohes Ziel gesetzt, sondern in der gesamten Anmutung. Deswegen haben wir z.B. Materialien wie Flugzeugaluminium eingesetzt und die Oberfläche ist nanolackiert, um ein hochwertiges Schreibgerät mit der neuen Technologie zu entwickeln.

Die neue Technologie ist eigentlich eine altbekannte. Der Stift arbeitet, wie bereits erwähnt, mit Magnetkraft. Konkret funktioniert das folgendermaßen:
Im Inneren des Kulis sitzt ein kleiner Eisenhut. Der sorgt dafür, dass der stecknadelgroße Magnet immer an die richtige Position rutscht. Diese Anziehungskraft zwischen Eisenhut und Magnet steuert den gesamten Kugelschreiber. Sie hält die beiden Hälften zusammen, fährt die Mine zum Schreiben aus, sorgt dabei für die entsprechende Federung und zieht am Ende die Mine wieder ein.
Das neue daran: Auf derart kleinem Raum wie einem Kugelschreiber hat es bislang noch niemand geschafft, magnetische Kräfte so exakt zu steuern. Und deshalb gab es dafür auch ein Patent, sagt Hilmar Nicolay.

Also das Interessante an der Magnettechnologie ist eigentlich, dass man nur mit Rechenmodellen nicht weiterkommt. Selbst wenn man Software benutzt, um solche Magnetsysteme aufzubauen, kommt man nicht um den Versuch herum. Und das ist das Schöne, man kann in der eigenen Werkstatt richtig forschen und kann richtig mit den Händen so was entwickeln. Man kann oder muss Modelle bauen und muss diese ganzen Systeme nachprüfen, ob sie dann auch wirklich funktionieren, wenn man sie verkleinert.

Über ein Jahr haben die Erfinder getüftelt, bis es endlich funktioniert hat. Jetzt wird der Kugelschreiber von einem Hersteller produziert. Und soll auf verschiedenen Messen vorgestellt werden. Die beiden Designer zerbrechen sich deshalb nun den Kopf über eine passende Verpackung.

Heutzutage verkauft sich ein Produkt nicht nur dadurch, dass man eine technische Innovation hat, sondern auch über das Design. Wir kommen nun mal aus der Designecke und da war es nahe liegend, nicht nur technisch das Gerät auf Vordermann zu bringen, sondern möglichst auch ein Design zu machen, was gut vermarktungsfähig ist.

Die ersten Präsentationen hat der neue Kuli in einem umgebauten Werkzeugkoffer bestanden. Für den Verkauf hat er jetzt aber eine eigene Verpackung: Eine Box in rot und blau, quadratisch mit einem Loch in der Mitte, das wie ein kleines Bullauge aussieht. Aus dem schaut der patente Kuli raus. So wie die beiden Designer diesen Morgen auf die Spree. Draußen sind es immer noch zwei Grad, die große Kanne Kaffe ist fast ausgetrunken und die Vorbereitungen für die Präsentation laufen auf Hochtouren.
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