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Montag • 11:30
23.2.2004
Automatischer Cocktailmixer
Von Wulf-Peter Gallasch

Caipirinha aus dem großen Glas (Bild: AP)
Caipirinha aus dem großen Glas (Bild: AP)
Gute Barmixer wissen, dass James Bond seinen Cocktail wohl geschüttelt nie aber gerührt genießen würde. Wie viele Barmixer allerdings kennen 100 und mehr Cocktailvarianten und servieren die auch noch quasi auf Knopfdruck? So ein Könner mixt im niedersächsischen Diepholz, an der privaten Fachhochschule für Wirtschaft und Technik. Ein Cocktail-Automat mit Namen 'Cocktail Deluxe', programmiert und gebaut von Studenten:

Zwölf volle Flaschen, frisches Eis, ein paar Daten und elektrischen Strom - mehr braucht der Cocktail Deluxe eigentlich nicht. Dann muss dem im Hohlzylinder aus poliertem Stahl versteckten Computer nur noch jemand sagen, was er zaubern soll. Bis jetzt ist das noch Sache des Erfinders. Dirk Krumdieck zum Beispiel. Er hat mit an der möglichen Revolution hinterm Bartresen gefeilt. Jetzt lautet sein Tastatur-Befehl schlicht 2. Cocktail Deluxe versteht : Pina Colada, fragt noch wie viel und legt los.

Dann beginnt der Eis-Crusher zu arbeiten. Als Erstes wird jetzt der braune Rum angefahren und angezapft, das ganze wird über Zeit gesteuert. Als nächstes wird der Batida de Coco angefahren, dann bewegt sich das Rondell weiter zur Sahne. Und als Letztes zum Ananassaft. Und wird gleich noch mal verquirlt durch den Mixer. Fertig ist der Pina Colada.

Pina Colada, Waikiki, Cherry Pop, Flying Kangaroo. Der richtige Mix für diese und alle anderen Cocktails ist für die sechs Konstrukteure des Cocktail Deluxe noch der leichteste Teil der Projektarbeit gewesen. 'Eine elektrische Anlage mit Steuerungselektronik', so lautet die Vorgabe in ihrem Fach Produktentwicklung und -management. Der Rest ist Sache der Studenten. Damit die ihrer Phantasie nicht allzu freien Lauf lassen, schränken die Professoren noch etwas ein. Wie auch immer das Ergebnis aussieht, es muss etwas Neues sein mit realen Chancen am Markt. Die Projektgruppe zieht sich daraufhin erst mal zum brainstorming zurück, erinnert sich Dirk Krumdieck.

Und zwar hatten wir tatsächlich vor, ein bestehendes Produkt, ein auf dem Markt befindliches Produkt zu verbessern, eventuell ein bisschen kostengünstiger darzustellen, andere Prinzipien zu verwenden. Und sind dabei beim Kaffeeautomaten, Espressoautomaten hängen geblieben, haben uns das ganze noch mal überlegt.

Und sich auf der Gastronomiemesse Internorga in die Thematik vertieft. Dabei kommt raus, dass Konsumenten fast jedes Getränk aus einem Automaten ziehen können. Nur Cocktails, die gibt immer noch nur an der Bar. Diese Automaten-Idee hatte zwar schon mal vor Jahren jemand umgesetzt, ist aber damit gestrandet. Schuld waren die Schlauchverbindungen: unhygienisch und verklebt nach kurzer Zeit. Die Hochschüler brauchen also einfache Alternativen und überlegen weiter.

Wie man vielleicht auch mit handelsüblichen Dingen, die sowieso schon auf dem Markt sind, ins Ziel kommen kann. Und da ist uns halt der Gedanke gekommen, ein Flaschenrondell zu entwickeln, an dem unten handelsübliche Ausgießer hängen, wie man sie aus jedem Gastronomiegewerbe kennt, diese ein wenig umzufunktionieren, so dass die Durchflussmenge über Zeit gesteuert werden konnte.

Dass sie dabei zugleich die Durchflussmenge von zum Teil Hochprozentigem berechnen, beachten die Studenten in diesem Entwicklungsstadium nicht. Zunächst geht es nur um die Funktion. Und da sind unter anderem auch Antriebsmotoren für eine Autozentralverriegelung von Nutzen. Probeläufe des Cocktail Deluxe finden zum Apparate- nicht aber zum Geschmackstest statt. Schon allein das, beeindruckt den betreuenden Professor Thomas Plegge und seinen Kollegen.

Am Anfang waren wir auch ein bisschen skeptisch, weil wir befürchteten, dass driftet ein wenig in den Bereich Freizeitgestaltung ab. War aber überhaupt nicht so. Alle vier Dozenten waren beeindruckt, wie diszipliniert das ablief, wie theoretisch fundiert auch alles ausgearbeitet wurde.

Die Bestnote geben die Prüfer schließlich sowohl für den Cocktail Deluxe, als auch für das Vermarktungskonzept. Gebrauchsmusterschutz immerhin besteht schon für den Getränkeautomat. Und es soll weitergehen. Auch wenn die Konstrukteure mittlerweile berufstätig sind, suchen sie nach einem Partner mit dem nötigen Know-how, damit das Gerät in Serie gehen kann. Potentielle Kunden gibt es jedenfalls.

Unser Ziel war es ja, in Nischen rein zu kommen. Man kann sich vorstellen kleinere Hotel- und Gastronomiebetriebe, wo abends eine Person hinter der Bar steht. Der ist gut damit bedient, wenn er Bier zapft, Colas ausschenkt, das reicht meistens schon, der hat keine Zeit mehr, sich groß damit zu beschäftigen, welchen Cocktail er jetzt shaked. Und für so eine Person, für einen kleinen Gastronomiebetrieb, wäre es ohne weiteres denkbar so eine Maschine zu platzieren.

Auch an größere Diskotheken denken die Wirtschaftsingenieure aus Diepholz. Ernsthafte Konkurrenz für professionelle Barmixer soll der Cocktail Deluxe aber bei allem Potential und mittlerweile diversen Praxistests nicht werden. Denn rühren kann er zwar -zig Cocktails, sie aber nicht schütteln und auch keine Oliven ins Glas fallen lassen.
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