Patentes
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Montag • 11:30
22.3.2004
Entdeckt auf der CeBIT 2004
Von Wolfgang Noelke

Kunitake Ando, Praesident der japanischen Firma Sony, zeigt auf der Computermesse Cebit in Hannover den Roboter "QRIO". (Bild: AP)
Kunitake Ando, Praesident der japanischen Firma Sony, zeigt auf der Computermesse Cebit in Hannover den Roboter "QRIO". (Bild: AP)
Diesen drei Exponaten, die ich Ihnen jetzt vorstelle, fehlt etwas: Die junge Dame, die Sie jetzt so freundlich begrüßt, hat zwar Stimme, aber keinen Körper:

Das Fraunhofer-Institut grüßt die Hörer des DeutschlandRadios von der CeBIT 2004.

Neben der körperlosen Dame präsentiere ich Ihnen ein Handy ohne Tasten, zunächst aber mal Tasten ohne Kabel und ohne Batterien - eine Funktastatur für den Computer. Herr Günter Vogel, Ihre Funktastatur der Firma Cherry arbeitet mit großen Solarzellen - Warum?

Gerade durch Funk wird natürlich hier ein Strom verbraucht und jeder kennt es: wenn man hier ein Produkte hat mit Batterien: immer dann, wenn es ganz dringend ist, geht der Strom aus. Und das passiert hier mit einer Tastatur mit Akkupufferung und Solarzelle sicherlich nicht. (Ein normaler Arbeitsplatz ist ja heute ergonomisch beleuchtet, aber nicht bei allen: wie stellen Sie sicher das immer genügend nicht vorhanden ist, um die Akkus auch zu laden?) Also das ist so, dass diese Akkuzelle permanent lädt, egal wo sie Licht her bekommt, die Tastatur. Egal ob von der Sonne, vom Raumlicht, vom Monitor, es wird grundsätzlich geladen. Zu jeder Zeit, auch wenn der PC aus ist, so dass Sie auch bei geringen Lichtverhältnissen nie das Problem haben, nachladen zu müssen.

Ein ganz anderes Problem, von dem wir noch gar nichts ahnten, wird mit der Solartastatur ebenfalls gelöst, deswegen sind große Unternehmen und Behörden so interessiert an der solarbetriebenen Tastatur:

Na, das ist ein ganz lustiger Effekt: die müssen nämlich eine Batterienlagerung halten, damit sie entsprechend viele Batterien haben, wenn sie ausgehen. Und die Batterien die kriegen immer "lange Beine", sagen uns die Kunden, weil die die Mitarbeiter meistens mit nach Hause nehmen. Und das ist natürlich ein großer Vorteil die Solartechnologie, weil: das Lager fällt weg und die Firma erspart sich enorme Kosten.

Mit Batterie, aber ohne Tasten arbeitet das so genannte PenPhone: Stift-Telefon wäre eine passende Übersetzung. Nicht etwa, dass das Telefon leicht stiften gehen kann, weil es so klein ist: Es sieht aus wie ein Stift - wie ein etwas dickerer Stift und passt prima in die Hemdtasche. Stiften gegangen sind jedenfalls die Tasten an diesem Handy. Sören Haubold ist bei Siemens zuständig für Technik und Innovation im Mobilfunk. Er nimmt das Telefon wie einen Bleistift in die Hand und schreibt damit unsichtbare Zahlen auf den Tisch:

Ich werde jetzt bei dem Stift ganz normale Druckschrift verwenden, ganz normale Zahlen. Ich kann Ihnen das hier mal vorführen: Ich werde jetzt mal einfach eine Telefonnummer wählen. 0,1,3... Und was sie vielleicht im Hintergrund gehört haben: wir haben auch während der Eingabe der Ziffern - haben wir die Möglichkeit das per Sprachausgabe auszugeben. Ich muss nicht die ganze Zeit aufs Display schauen, sondern wir haben die Möglichkeit auch einer akustischen Wiedergabe, von dem, was ich geschrieben habe. So ist es auch bei der SMS: sobald ich ein Wort beendet habe, wird mit das Wort noch einmal vorgelesen.

Das Geheimnis steckt in der Spitze des Sprach- und Schreibstifts. Sobald man damit schreibt, nimmt eine Kamera jede Bewegung dieses "Handys" auf:

Die Schrifterkennung basiert im Endeffekt auf einer Art Bilderkennung. Und zwar haben wir eine Art Kamera in der Stiftspitze, die in ganz bestimmten kleinen Abständen Bilder von der Oberfläche macht, auf der ich das PenPhone fahre. Und diese Bilder werden zueinander gestellt und aus der Kombination dieser Bilder wird errechnet, die sich der Stift über die Oberfläche bewegt hat.

Und aus diesen Bewegungen entstehen Buchstaben und Zahlen.
Jetzt bewege ich mich endlich zu meiner virtuellen Freundin: Sie existiert nur auf den Bildschirmen des Fraunhofer Instituts für Nachrichtentechnik bei Dr. Peter Eisert. Er schuf diese Dame, die alles nachspricht, was man ihr aufschreibt. Und dabei öffnet dieses künstliche Wesen nicht nur den Mund, sondern sie zeigt die gesamte Mimik eines richtigen Menschen:

Das ist einfach so, dass die Sprache und das gesprochene Wort sehr stark mit den Lippenbewegungen zusammenhängt, sodass wir aus dem geschriebenen Texten die Lippenbewegungen künstlich erzeugen können und so kleine Videos erzeugen können, die dann das Sprechen, was man eingetippt hat.

Das klingt einfach, aber bedurfte jahrelanger Vergleiche von Videoaufnahmen richtiger Menschen und ihrem gesprochenem Text, damit die Mimik des künstlichen Wesens zum künstlich gesprochenen Text ebenfalls passt. Eingesetzt werden solche künstlichen Wesen irgendwann mal auf Handy- Bildschirmen, oder die Kunstwesen können hörgeschädigte und ertaubte Menschen unterstützen - mit ihrer Mimik - UND mit ihrer Stimme - Mit dieser künstlichen Stimme soll sich nun unser Computerwesen verabschieden - Zum Glück ersetzt es uns noch nicht, die Moderatoren und Reporter dieser Sendung:

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