Patentes
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Montag • 11:30
5.4.2004
Die Internationale Erfindermesse in Genf in der Krise?
Von Thomas Wagner

Was ist bloß mit den Erfindern los? Diese Frage stellten sich in den vergangenen Tagen so manche Technik-Freaks, die die 33. Internationale Erfindermesse in Genf besucht haben. Die ging gestern Abend zu Ende; mit dabei waren über 600 Tüftler aus aller Welt. Allerdings überwog in diesem Jahr Skurriles über sinnvolle High-Tech-Entwicklungen - angefangen bei der automatischen Baguette-Aufschneide-Maschine aus Thüringen bis hin zum vibrierenden Präservativ aus Taiwan.

Es ist noch eine der originellsten Erfindungen, die in Genf ausgestellt werden - und sie besteht mal gerade aus einer simplen Drahtfeder. Die hat Erfinder Vasilios Zigaris - zugegebenermaßen - geschickt zurechtgebogen. Und so wird aus der Feder ein ...

...Buchseitenfixierer. Das ist eine Klammer, die in Herzform gestaltet ist. Man steckt die rechts und links in ein Buch ein, und die Hilfe der Klammer ist, dass sie in erster Linie das Buch offen hält, also verhindert sozusagen, dass die Seiten wieder zufallen.

Dass die herzförmige Klammer zwischenzeitlich sogar patentiert ist, führt den Besucher automatisch zu der Frage: Müsste es eigentlich nicht ein bisschen mehr sein ? Reicht ein simples Stück Draht aus, um als Erfindung durchzugehen ? Oder andersherum gefragt: Darf sich ein geschickter 'Drahtverbieger' wirklich gleich auch Erfinder nennen, in einer Reihe stehen beispielsweise mit einem Thomas Edison, der mit seinen genialen Ideen immerhin Glühbirne und Grammophon auf den Weg brachte?
Den Erfindern anno 2004 scheinen Kreativität und technologischer Spürsinn abhanden gekommen zu sein - zumindest der Mehrzahl denjenigen, die in Genf ihre - vermeintlichen - Geistesblitze zeigten. Ob's nun die Spezial-Gabel eines Schweizers war, die ein angeblich optimales Zerschneiden einer Sahnetorte gewährleistet , ein vibrierendes Kondom aus Taiwan oder ein Getränke-Verbesserer, der aus billigem Wein angeblich durch geheimnisvolle Destillationsvorgänge einen erlesenen Qualitätstropfen zaubert: Auf vieles, was da in Genf gezeigt wird, kann die Welt problemlos verzichten.
Zudem blieben die Erfinder häufig die Erklärung dafür schuldig, wie's funktioniert. Beispiel: Der "Diesel-Reduktor" des Würzburger Tüftlers Mathias Herberich.

Dieser Reduktor wird in die Kraftstoffleitung eingebaut zwischen Tank und Motor. Der Sprit läuft durch - und wird angereichert , hängt an der Bordspannung dran, mit Zündstrom, und wird energetisch aufgeladen.

Angeblich durch geheimnisvolle elektromagnetische Felder im Inneren des Reduktors. Gefragt, welche chemisch-physikalischen Prozesse zu dieser 'Aufladung' führen, und was energetische 'Aufladung' von Diesel-Molekülen überhaupt bedeutet, zuckt der 'Erfinder' mit den Schultern. In der Patentschrift finden sich dazu abenteuerliche Ausführungen, die gar Einsteins Relativitätstheorie bemühen, die aber vor allem eines zeigen: Der Begriff 'Erfindung' ist inzwischen relativ geworden.
Immerhin kündigte die Messe als technologisches Highlight eine Präsentation des Schweizer Ballonfahrers Betrand Picard an. Der will nun, nachdem er die Welt mit einem Ballon umrundet hat, das gleiche mit einem Solarflugzeug angehen. Enttäuschend für die Messe-Besucher: Picard selbst schaute nur zur Eröffnung kurz vorbei.
Alles in allem täten die Veranstalter der Genfer Erfindermesse gut daran, die Meßlatte für die Teilnehmer deutlich höher zu hängen. Mehr High-Tech, mehr Pfiffigkeit, weniger Skurriles - das wäre ein gangbarer Weg für die Zukunft. Aber vielleicht müssen den die Genfer Messe-Chefs erst noch (er-)finden.
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