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Montag • 11:30
3.5.2004
Magnetlager revolutioniert Herzpumpen
Von Stephanie Kowalewski

Im Berliner Herz-Zentrum wird im Jarh 2002 ein neues künstliches Herz präsentiert (Bild: AP)
Im Berliner Herz-Zentrum wird im Jarh 2002 ein neues künstliches Herz präsentiert (Bild: AP)
Weltweit sind rund 15 Millionen Menschen chronisch herzkrank. Oft kann nur noch eine Transplantation ihr Leben retten. Doch zwischen den benötigten Spenderherzen und den tatsächlich zur Verfügung stehenden klafft eine breite Kluft. In Deutschland sank die Zahl der Herztransplantationen im vergangenen Jahr erstmals unter die 400er-Grenze. Lediglich 375 Herzen wurden transplantiert. Andere Lösungen müssen also her. Und quasi das Herzstück einer solchen anderen Lösung wurde im Forschungszentrum Jülich entwickelt: ein Magnetlager für eine Blutpumpe.

Ein krankes Herz ist im fortgeschrittenen Stadium zu schwach, um einen gesunden Blutdruck aufzubauen, erklärt Prof. Peter Feindt, Herzchirurg an der Düsseldorfer Uniklinik.

Die Standardtherapie war bisher die Herztransplantation. Aber die Herztransplantation ist eigentlich nicht in der Lage, die ständig steigende Zahl an Patienten aufzufangen. Ganz im Gegenteil: Herztransplantationen sind auch in Deutschland stark rückläufig. Und insofern bedarf es da einer Therapie diese Patienten zu behandeln.

Statt das eigene Herz durch ein Spenderorgan oder ein künstliches Herz zu ersetzten, nehmen so genannte Blutpumpen dem geschwächten Herz die lebensnotwendige Arbeit ab. Die Pumpe wird neben das Herz in den Körper des Patienten implantiert und fördert dann das Blut von der linken Herzkammer direkt in die Aorta. Doch bisherige Systeme waren nicht optimal, sagt Prof. Emmeran Gams, Direktor der Herzchirurgie am Düsseldorfer Universitätsklinikum.

Die bisherigen Pumpsysteme waren pneumatische Systeme, die einfach durch Luftdruck sozusagen das Blut verschoben haben. Sie haben das Blut traumatisiert. Sie haben Zellen zerstört, sie haben auch in die Einweißstoffe eingegriffen, und das würde eben mit diesem System nicht passieren.

Das System, von dem der Herzchirurg hier spricht, ist eine neue Blutpumpe, die nicht mechanisch angetrieben wird, sondern durch ein Magnetlager.

Und das raffinierte an diesem System ist, dass sie wirklich nicht eingreifen in die Substanz vom Blut, sondern sie bewegen das auf Grund der Magnete vorwärts und das ist natürlich das schonendste System, das sie sich vorstellen können.

Entwickelt wurde dieses schonende System von Dr. Johan Fremerey im Forschungszentrum Jülich. Seit Mitte der 60er Jahre beschäftigt er sich mit Fragen rund um das Magnetlager. Bei Blutpumpen ist es äußerst wichtig, sagt der Physiker, dass das Blut ständig in Bewegung ist. ´

Und wenn man ein mechanisches Lager hat, dann gibt es immer Punkte wo die Flüssigkeit stillsteht. Und das will man vermeiden- um eben Blutgerinnsel zu vermeiden.

Durch die Magnetlager konnte die Herzpumpe nun so konstruiert werden, dass das Blut gleichmäßig und ständig fließt. Das Thromboserisiko ist dadurch deutlich geringer.

Und der andere Aspekt ist der, dass man eine unbegrenzte Lebensdauer hat. Verschleiß haben sie immer dann, wenn Dinge aneinander reiben, wie bei einem mechanischen Lager. Der Rotor reibt am Startor. Und in diesem Fall gibt es überhaupt keinen mechanischen Kontakt zwischen Rotor und Startor und dementsprechend auch keinen Verschleiß und keine Einschränkung der Lebensdauer.

INCOR heißt die Herzpumpe, die durch das Magnetlager zumindest theoretisch eine unbegrenzte Lebensdauer hat. Denn die kleine Schraube, die das Blut mit ihren Lamellen quasi wie ein Miniaturwasserrad vorantreibt, lagert berührungslos und somit verschleißfrei zwischen zwei Magneten. Damit eignet sich die Pumpe sowohl für die Überbrückung bis zur Transplantation aber auch als Dauerlösung und echte Alternative zur Organverpflanzung. Ungefähr einhundert solcher Blutpumpen wurden inzwischen implantiert. Mit sehr gutem Erfolg, weiß Johan Fremerey.

Und das Schöne ist übrigens auch, dass einige von denen auch wieder deinstalliert worden sind, weil das Herz der Patienten sich erholt hat,…durch die Entlastung die das Herz erfährt durch den Einsatz der Pumpe.

Der Patient ist mobil und führt lediglich eine Walkman-große Steuereinheit und Batterien mit sich, die die Pumpe über ein Kabel in der Bauchdecke mit Energie versorgt. Die Pumpe arbeit geräuschlos, erzeugt keine Wärme und ist bei einem Durchmesser von 30 Millimetern nur 200 Gramm schwer. Und in dieser Winzigkeit der Pumpe steckt großes Potential, sagt Johan Fremerey.

Der Rotor dieser Pumpe ist auf Grund der permanentmagnetischen Lagerung so klein, dass man ihn mit relativ geringen Antriebskräften sehr schnell beschleunigen und abbremsen kann. Und dadurch ist die Möglichkeit gegeben, eines pulsierenden Pumpbetriebes der also dann den Herzschlag nachbildet.

Noch ist das Zukunftsmusik. Doch die Herstellerfirma Berlin Heart will noch in diesem Jahr eine pulsierende Pumpe entwickeln, die dann bestenfalls auch ohne das Kabel in der Bauchdecke funktionieren soll. Bis dahin gilt in Medizinerkreisen die jetzige Version der kleinen Blutpumpe als ein bemerkenswerter Fortschritt, schwärmt der Herzchirurg Prof. Peter Feindt.

Aus unserer Sicht ist es das non plus ultra. Es ist ein deutsches Produkt Das ist mal das erste. Das Zweite ist, dass einfach die Technik dafür spricht und die klinischen Daten ebenso - die bisher mit Abstand die besten sind.
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