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Montag • 11:30
24.5.2004
Der intelligente Stoßdämpfer
Von Thomas Wagner

Auch die Stoßdämpfer eines Autos können, wenn man so will, "mitdenken". Stoßdämpfer, die je nach Fahrsituation ihre Dämpfungseigenschaften ändern, sorgen für einen erheblichen Zugewinn an Fahrstabilität und damit auch an Sicherheit im Straßenverkehr.
Auto-Testrecke Papenburg im Emsland: Profi-Rennfahrer Joachim Winkelhock geht aufs Ganze. Mit Vollgas braust er in die Kurven hinein. Plötzlich taucht ein Hindernis auf; Winkelhock muss ausweichen.

Dann hilft eben so ein elektronisches Fahrwerk unglaublich viel. Einfach weil sich das Fahrzeug innerhalb von Millisekunden darauf einstellt. Ob das Bremse, Gaspedal oder Lenkung ist - alle hängt zusammen, alles ist miteinander vernetzt. Das gibt dem normalen Fahrer, aber auch uns Profis sehr, sehr viel Sicherheit, auch im öffentlichen Straßenverkehr.

Vor allem die so genannten "intelligenten Stoßdämpfer" verleihen dem Auto in diesem Fall ein Höchstmaß an Fahrstabilität - "intelligente Stoßdämpfer", die über einen Rechner angesteuert werden. Innerhalb von Millisekunden passen sie sich veränderten Fahrsituationen und Fahrbahneigenschaften an. "CDC" heißt jene Entwicklung, die ZF Sachs in Schweinfurt zum Patent angemeldet hat.

CDC heißt: 'Continious Damping Control' und steht für ein Dämpfungssystem, das elektronisch geregelt ist, und kontinuierlich sich dem jeweiligen Fahrzeugzustand und Fahrbahnzustand anpassen kann.

So Entwickler Michael Hankel von ZF Sachs. Das System besteht aus zwei Komponenten: Zum einen aus den Stoßdämpfern, die ihre Dämpfungseigenschaften während der Fahrt verändern können, und zum anderen aus einem Rechner, der diese variablen Dämpfungseigenschaften steuert. Über eine Fülle von Sensoren analysiert der Computer die aktuelle Fahrsituation, aber auch Fahrbahnbeschaffenheit und den individuellen Fahrstil des Fahrers.

Zunächst einmal: Von den Außenbedingungen ist es so, dass abhängig vom Bremsen - dort nickt das Fahrzeug nach vorne - oder beim schnellen Kurvenwechsel, beim Handling des Fahrzeuges, kann es eine Rollbewegung geben. Dazu kommt der Fahrbahnzustand an sich: Eine holprige Straße ist anders zu bewerten als eine glatte Straße, Und die Fahrsituation trägt auch dazu bei: Wie fährt der Fahrer? Wie sportlich fährt er? Und für all diese verschiedenen Situationen kann man jeweils die Reaktion des Dämpfers individuell regeln. Und er versucht immer, das größtmögliche Maß an Fahrbahnhaftung, an Aufstandskraft für das Rad zu gewährleisten, damit auch solchen kritischen Situationen das ABS-System oder das ESP-System noch besser wirken, als sie ohnehin schon wirken.

Deshalb ist über den Bordcomputer eine Vernetzung der "intelligenten Stoßdämpfer" mit dem Anti-Blockier-System ABS und dem Stabilisierungsprogramm ESP notwendig, um das erwünschte "Mehr" an Fahrsicherheit tatsächlich zu erreichen. Michael Hankel:

Beispiel: Wenn Sie einem Fahrradfahrer ausweichen müssen und haben dabei eine sehr holprige Straße, müssen Sie sehr hohe fahrdynamische Reaktionen an den Tag legen. Das CDC-System hilft, dass jeder einzelne Dämpfer sozusagen messen kann: Wie ist der Fahrbahnzustand, damit er darauf individuell reagieren kann und sich über eine komplizierte Regelung im Hintergrund optimal auf den jeweiligen Fahrbahnzustand einstellt.

Nicht nur in der Luxusklasse, sondern auch in Fahrzeugen der unteren Mittelklasse setzt sich "Continous Damping Control" immer mehr durch - allerdings bislang nur als Extra und nicht als Bestandteil der Serienausstattung. Das Urteil der ADAC-Fahrtester in Landsberg: CDC ist eine sinnvolle Ergänzung, die allerdings im normalen Fahralltag nur eine graduelle Verbesserung der Fahrqualität mit sich bringe und sich so richtig erst in Extremsituationen bewähre.
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