Patentes
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Montag • 11:30
7.6.2004
Neue Methode zur Nagellack-Beschichtung
Von Michael Hollenbach

Ein Problem, das vielen Frauen auf den Nägeln brennt: der Nagellack ist schnell wieder ab. Schon nach einigen Stunden blättert der schöne Schein an der Nagelspitze ab, weil der Lack nicht mehr haftet. Doch das soll sich bald ändern. Dank "Jugend forscht". Denn der 14-jährigen Christian Viöl wollte an dem Wettbewerb teilnehmen und spannte deshalb seinen Vater ein. Der ist Physikprofessor an der Fachhochschule Göttingen und experimentiert mit der Oberflächenbehandlung von Holz. Wolfgang Viöl und sein Sohn kamen bald auf die Idee, statt des Holzes den Fingernagel zu bearbeiten. Allerdings konnte man den Finger nicht wie ein Stück Holz behandeln. Deshalb versuchten die beiden, mit Hochspannungsimpulsen zielgenau und dosiert die Oberfläche des Nagels mit Elektronen zu beschießen:

Die ersten Versuche waren sehr schmerzhaft, und da hat mein Sohn mit mir einige Experimente gemacht, dank seiner guten Robustheit gegenüber Hochspannung hat er da einiges auch überstanden, und auch die Hinweise gezeigt, dass so etwas auch funktionieren kann, bis es schließlich zu einem absolut schmerzfreien ungefährlichen Gerät gekommen ist, sie können das Geräusch hier gerade hören, mit dem man einen Fingernagel absolut ungefährlich vorbehandeln kann.

Außer seinem Sohn dienten Wolfgang Viöl auch noch seine Frau und einige Studentinnen als Versuchskaninchen, um die Nagelprobe zu bestehen. Das Gerät zur Behandlung des Nagels ähnelt einer elektrischen Zahnbürste.

Das ist im Prinzip eine mikroskopische Feile, man kann nichts fühlen und auch nicht sehen, allerdings durch eine kleine knisternde Entladung reinigt man dort den Fingernagel vom Fett und man öffnet Moleküle, und zwar nur auf der obersten Schicht, das sind die ersten atomaren Lagen auf diesem Fingernagel, die da verändert werden, aber das reicht schon, um die Haftfestigkeit des Nagellackes zu erhöhen.

Ohne dass die Frau etwas davon spürt, wird ein Millionstel Teil von einem Millimeter gereinigt und aktiviert. Und der Lack hält danach mindestens doppelt so lange wie bisher, verspricht Wolfgang Viöl:

Das ist eine Behandlung von zehn bis 20 Sekunden, die man auf dem Fingernagel durchführt, beim Fingernagel einmal die Kontur abfährt, danach kann man die Nägel lackieren, ein wunderbarer Nebeneffekt, der dabei entsteht, ist, dass der Nagellack auch schneller trocknet.

Und deshalb empfiehlt sich für die Lackierung auch Naturnagellack. Denn ein Drittel aller Kosmetik-Unverträglichkeiten geht auf das Konto des Nagellacks, vor allem Hautallergien. Darum favorisiert der Göttinger Physiker die natürliche Variante:

Es gibt auch einen Naturnagellack, der auf reiner Alkoholbasis arbeitet, die haben allerdings den Nachteil, dass sie eine Trocknungszeit haben von zehn Minuten, durch eine Plasmavorbehandlung bekommt man die Trocknungszeit auf zwei Minuten herunter, also die typischen Trocknungszeit eines normalen Nagellackes.

Damit die patentierte Vorbehandlung von Fingernägeln bald auf den Markt kommt, hat sich Wolfgang Viöl mit der Agentur N-Transfer zusammengesetzt, die im Auftrag niedersächsischer Hochschulen Patente verwertet. Vor drei Jahren wurde die Agentur gegründet, um als Scharnier für Innovationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu dienen, berichtet Kordula Kruber von N-Transfer:

Mitte der 90er Jahre war es überwiegend so: die Forscher haben entwickelt, auch patentieren lassen, aber der Transfer in die Wirtschaft war nicht gegeben und mit dieser Agentur wollte man eine Basis schaffen, die den Forschern die Arbeit abnimmt, sich selbst um die Verwertung zu kümmern, dass es auch wirtschaftlich profitabel wird und dass die Wirtschaft auch einen Nutzen hat.

Dieter Brandenburger führt die Verhandlungen mit Wirtschaftsunternehmen, um die patentierten Erfindungen zu verwerten. Er weiß, dass ein aufwändiges Patentierungsverfahren bis zu 50.000 Euro kosten kann. Deshalb ist es auch wichtig, dass N-Transfer den Erfindern unter die Arme greift:

Die Erfinder bekommen, wenn sie sich über uns beraten lassen und die Erfindung über uns verwerten lassen, eine entsprechende Unterstützung, es werden Patentschutzkosten mitgetragen, um dem Erfinder ein großes Angebot zu geben, dass er seine Erkenntnisse auch umsetzt.

Christian, der Sohn von Professor Viöl, hat übrigens bei "Jugend forscht" einen Sonderpreis für die industriell am besten verwertbarste Arbeit bekommen. Und außerdem - so sagt der Vater stolz - sei der 14-Jährige nun auch Mitinhaber des Patents zur Vorbehandlung der Fingernägel und wird sich demnächst sein Taschengeld wohl ordentlich aufbessern können.
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