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Montag • 11:30
21.6.2004
Die Antischnarch-Maske
Nicht sexy aber sehr effektiv
Von Karin Lamsfuß

Millionen Deutsche tun es Nacht für Nacht: sie "sägen" was das Zeug hält. Für den Partner bedeutet das Dauerstress, doch die meisten Schnarcher erfreuen sich bester Gesundheit.

Für einige wenige aber ist das Schnarchen zum Gesundheitsrisiko geworden. Sie leiden an der sogenannten Schlafapnoe: An teils lebensbedrohlichen Atemaussetzern von bis zu drei Minuten Dauer, und das viele 100 und mehr mal pro Nacht. Die Folge: Bleierne Müdigkeit, Arterienverkalkung, Bluthochdruck bis hin zu Infarkt oder Schlaganfall.

Das Tröstliche an der Schlafapnoe: Allen Patienten kann schnell und effektiv geholfen werden: mit einer Atemmaske, die sie Nacht für Nacht tragen müssen. Bis an ihr Lebensende. Verständlich, dass die meisten Apnoe-Patienten große Schwierigkeiten haben, sich mit dem neuen nächtlichen Begleiter anzufreunden.

Meine Frau war nach 30 Jahren Ehe aus dem Schlafzimmer ausgezogen. Die schlief dann schon vier Jahre lang im Wohnzimmer. Sie sagt "ich kann das nicht mehr ertragen: dein Geschnarche und die Ruhe dann danach! Ich weiß nicht, ob du noch lebst!"

Zwei Prozent aller Frauen und vier Prozent aller Männer zwischen 30 und 60 leiden an einer behandlungsbedürftigen Schlafapnoe. In fast allen Fällen heißt ab dem Zeitpunkt der Diagnose der ständige nächtliche Begleiter "Cpap". Cpap, das steht für "continous positive airway pressure": die Beatmungsmaske erzeugt während des Schlafs einen kontinuierlichen Überdruck und verhindert so die gefährlichen Atemstillstände.

Das ist ungefähr so vergleichbar vom Gefühl her, als wenn man an der Nordsee beim Sturm mit offenem Mund so spazieren geht und am nächsten Morgen, wenn ich wieder aufwache, und ich schlaf die ganze Nacht damit, ohne Störung, ohne dass ich wach werde, am nächsten Morgen ziehe ich das wieder aus, und der Tag kann wieder beginnen. Und ich bin fit.

Selten ist in der Medizin so rasche und effektive Hilfe bei solch starken körperlichen Beschwerden möglich. Und selten, weiß Prof. Kurt Rasche, Chefarzt der Pneumologie an einem Wuppertaler Krankenhaus, tun sich die Patienten anfänglich so schwer, mit dieser segensreichen Erfindung Freundschaft zu schließen:

Ein Kompressor, eine Art Turbine, habe ich auf dem Nachttisch stehen, und diese Turbine erzeugt einen positiven Druck und dieser Druck, der wird auf die oberen Atemwege ausgeübt über diese Nasenmaske.

Das Resultat: die Atemwege fallen nicht mehr in sich zusammen, die Luft kann ungehindert strömen. Rein optisch erinnert die Nasenmaske an die Atemmaske im Flugzeug. Doch damit nicht genug: hinzu kommt ein brummender Apparat auf dem Nachttisch, beides miteinander verbunden durch einen rüsselartigen Beatmungsschlauch.

Seit ihrer Erfindung im Jahr 1981durch den australischen Pneumologen Colin Sullivan wurde die Cpap-Maske permanent perfektioniert: 30 Kilo wog sie anfangs, war so groß wie ein kleiner Reisekoffer und brummte so laut wie ein Staubsauger. Heute ist die Turbine nur noch laptop-groß und leise wie eine dezent surrende Klimaanlage. Die Nasenmaske ist jedoch immer noch nicht sonderlich sexy.

Da hatte ich schon in der Tat gewisse Probleme mit so einem Gerät dann nach Hause zu kommen. Das Peinliche ist dran, dass das Schnarchen insgesamt sowieso ein Tabuthema ist. Für Männer ist es vielleicht noch akzeptabel, denen gesteht man zu, dass sie einen halben Wald absägen dürfen. Frauen reden noch weniger über Schnarchen, und dass da noch so ein Rüssel auf die Nase kommt und man nachts damit schlafen muss. Ich weiß nicht: da muss man auch erst eine Zeit lang sich dran gewöhnen, um dann auch drüber sprechen zu können.

Zu dem Rüssel auf der Nase gibt es keine wirkliche Alternative. In jeder Nacht und auch bei jedem kleinen Mittagsschlaf. Zu groß ist das Risiko schwerer Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei der Schlafapnoe, als dass Ärzte ihren Patienten wirklich raten könnten, mit zweifelhaften Anti-Schnarch-Hilfsmitteln herum zu experimentieren. Viele sprechen von einem Schock - nicht als sie von der Diagnose, sondern von der Behandlungsmethode erfuhren.

Gut, wenn man dann rauskommt mit Maulkorb und Leine und soll dann da drin schlafen, ist natürlich sehr gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sieht, nach acht Tagen, es geht einem besser, dann akzeptiert man das alles und man ist auch froh, wenn man das auch anderen Betroffenen weitergeben kann.

Der Eine tut's als kleineres Übel ab, das zwar lästig ist, jedoch die Lebensqualität rasend schnell verbessert. Andere kämpfen mit Druckstellen im Gesicht, wenige sogar mit Panikattacken. Die Assoziation mit einer Gasmaske will sich nur schwer verdrängen lassen. Sehr hilfreich dabei ist, dass die Apnoe-Patienten in ganz Deutschland außergewöhnlich gut in Selbsthilfegruppen organisiert sind. Begleitet wird dieser regelmäßige Erfahrungsaustausch von Fachärzten und Psychologen. Doch die größte Unterstützung geben sich die Apnoe-Patienten untereinander. Nach einiger Zeit merken viele: eine große Portion Kreativität ist äußerst hilfreich. Zumindest so lange keine Alternativen Behandlungsmethoden in Sicht sind.

Ich hab mir 'ne psychologische Brücke gebaut. Als junger Mann wollte ich zur Bundeswehr, ich wollte also Starfighter Pilot werden, das Reiten auf einem Feuerstrahl, das hat aber nicht geklappt, und heute sehe ich das so, heute gehe ich mit meinem Atemgerät, steige ich in mein Flugzeug abends, und hole mir die Genehmigung vom Tower, "Ready for take off", dann fliege ich an jeden Punkt der Erde in wunderbaren Träumen, und ich fühle mich vom ersten Tag an jeden Morgen fit wie ein Turnschuh!

Adressen von Ärzten, Schlaflaboren und Selbsthilfegruppen können erfragt werden beim

Bundesverband Schlafapnoe Deutschland

Geschäftsanschrift: Peter Hoedt
Sprecher des BSD
Greiffenberger Str. 18
30996 Hemmingen
Telefon und Fax: (0511) 2 34 51 25
E-Mail: sprecher@bsd-web.de


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