Patentes
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Montag • 11:30
19.7.2004
"Dressman"
Der perfekte Hemdenbügler
Von Hellmuth Nordwig

Vom Hemdenbügeln halte ich eigentlich gar nichts. Also wenn ich mich fünf Minuten mit so einem Hemd beschäftige, dann ist das nach wie vor faltig, verkrumpelt, und da vergeht einem ganz schnell die Lust am Hemden bügeln.

So geht es wohl den meisten Männern. Auch Dr. Christian Hafer ist das Hemdenbügeln ziemlich zuwider.

Der Gedanke an eine Maschine, die Hemden bügelt, war sehr nahe liegend. Wir sind bekräftigt worden durch eine Reihe von Marktstudien, die gezeigt haben: Hemden bügeln ist auf der Liste der unbeliebten Haushaltstätigkeiten ganz, ganz oben. So dass wir gesagt haben: Das lohnt sich, das fassen wir an.

Wir, das ist die Firma Bosch Siemens Hausgeräte in München. Ihre Lösung für das Männer-Haushaltsproblem Nummer eins heißt "Dressman". Das Herzstück dieses Geräts ist eine Art Torso aus Fallschirmseide. Er fällt nur deshalb nicht in sich zusammen, weil er in der Mitte durch eine starre Knopfleiste aus Kunststoff aufrecht gehalten wird. Wenn er gerade nicht bügelt, sieht der "Dressman" also wie eine Puppe mit ziemlich schlaff baumelnden Ärmeln aus. An Stelle der Beine hat er einen Sockel, der gerade so hoch ist, dass man sich nicht zu bücken braucht, wenn man das schleuderfeuchte Hemd über den Torso zieht.

Für das Einspannen und das Aufziehen auf das Gerät haben wir eine Zeit von etwa 90 Sekunden veranschlagt. Das ist auch der ganze Arbeitsanteil, den der Anwender selbst übernehmen muss. Dazu wird zunächst der Kragen eingespannt. Das wird angelegt, Klappe geschlossen, die Knopfleiste leicht gespannt, Klappe schließen, und die restlichen Klappen schließen.

Nun ist die Innenseite des Hemdes also mit der Fallschirmseide ausgekleidet, und das Bügeln kann beginnen. Wer mit diesem Begriff allerdings Bügelbrett und Eisen verbindet, der liegt in diesem Fall nicht richtig.

Es wird nicht geplättet, früher sprach man ja vom Plätteisen. Das tun wir nicht, der Effekt ist aber doch der gleiche wie beim Bügeln: Wir üben Druck aus, aber von innen und nicht von außen.

Auf Knopfdruck bläst der Bügelautomat warme Luft von innen in die Fallschirmseide hinein. Das Hemd bläht sich dabei richtig auf; die feisten Ärmel stellen sich im rechten Winkel zur Seite auf, und der Torso erinnert jetzt an eine gut genährte Vogelscheuche.

Wenn das jetzt ein feuchtes Hemd wäre, Größe 42 mit 800 Umdrehungen geschleudert, dann würde der Hemdenbügler ca. 6-7 Minuten warme Luft durchblasen. Nach dieser Zeit ist das Hemd trocken und glatt. Danach wird noch etwa eine Minute Kaltluft nachgeblasen, um die Fasern abzukühlen und die Knitterneigung zu reduzieren. Dann kann das Hemd abgenommen werden, und unsere Empfehlung ist, es im Schrank auf einen Bügel zu hängen, damit nicht beim Zusammenlegen gleich wieder die Falten hineinkommen.

Die Münchner Firma hat vor allem die viel beschäftigten Herren aus der Industrie im Visier, die ständig unterwegs sind. Solche Menschen haben natürlich keine Zeit, sich selbst um das Bügeln zu kümmern. Da hilft die klassische Rollenverteilung: Der Mann verdient, die Frau bügelt. Das entspricht auch dem männlichen Selbstverständnis. Schließlich steht der Hemdenbügler auf der Liste der Synonyme für Warmduscher - zwischen Helmträger und Heulsuse. Ein Automat, der diese ungeliebte Aufgabe übernimmt, könnte also durchaus zu einem harmonischeren Eheleben beitragen. So auch im Hause Hafer.

Seit dieser Dressman zu Hause ist, sind unsere Wochenenden wesentlich entspannter. Meine Frau hat schon gesagt, ich kann fast alles aus der Wohnung entfernen, aber der Dressman muss da bleiben.

Bleibt die Frage: Wie sehen das Menschen, die nicht mit dem Entwickler des Gerätes verheiratet sind? Ein paar tausend Hemdenbügler sind bisher verkauft worden - da gibt es natürlich Erfahrungsberichte im Internet. Dort wird vor allem diskutiert, ob von Hand gebügelte Hemden nicht doch besser aussehen - vor allem am Kragen und den Manschetten. Ein anderer Teilnehmer würde sich wünschen, dass man auch die verknitterten Hemden aus dem Schrank bügeln kann, ohne sie erst wieder nass zu machen. Vor allem aber fragen sich die Damen und Herren, ob sich die Anschaffung des Hemdenbüglers für rund 1000 Euro wirklich lohnt. Ein Interessent macht folgende Rechnung auf:

"Wenn ich fünf Hemden die Woche brauche und die kosten mich 12 Euro fürs Waschen und Bügeln (lassen), dann würde sich der Dressmann erst nach 1,6 Jahren rentieren. Wenn ich pro Wäsche noch eine Kilowattstunde Strom und 50 Liter Wasser rechne (zu je 30 Cent), sowie den Stromverbrauch für den Dressman, kommt man eher auf zwei Jahre."

Zum Energie sparen ist das Gerät wirklich nicht geeignet. Der Verbrauch ist sogar so hoch, dass die Entwickler ein eigenes Steuerungsgerät eingebaut haben, um zu verhindern, dass beim Bügeln die Sicherung herausfliegt.
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