Patentes
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Montag • 11:30
16.8.2004
Der Video-Grabstein
Von Tobias Armbrüster

Friedhöfe waren bislang Orte der Ruhe und der Einsamkeit. Wenn es nach dem amerikanischen Erfinder Robert Burrows geht, könnte es damit aber bald vorbei sein. Dieser Tüftler aus Kalifornien hat einen so genannten Video-Grabstein zum Patent angemeldet. Es handelt sich hier auf den ersten Blick um einen ganz normalen Grabstein - mit dem kleinen Unterschied, dass vorne drauf ein wasserdichter Flach-Bildschirm angebracht ist. Der Grabstein wird außerdem innen ausgehöhlt, damit ein Abspielgerät reinpasst - das kann ein Videorekorder sein, ein DVD-Player oder auch eine Festplatte mit einer Video-Datei. Robert Barrows, ein kalifornischer Werbemanager, hat zwar noch keinen Prototypen gebaut, aber sein Grabstein ist bereits zum Patent angemeldet.

Ich stelle mir das so vor, dass die Leute auf diesem Grabstein ihre Lebensgeschichte hinterlassen - in Form eines Videofilms. Auf einem normalen Grabstein heutiger Bauart gibt es ja gerade mal Platz für ein paar kurze Zeilen, dieser Stein nimmt dagegen soviel Information auf, wie auf eine Festplatte passt. Da können die Leute dann ihren eigenen Nachruf produzieren, und sich eine Botschaft überlegen, die sie der Nachwelt hinterlassen würden.

Den Strom soll der Grabstein aus dem Lichtnetz des Friedhofs beziehen. Bedienen könnte man ihn über einen berührungsempfindlichen Monitor, ähnlich wie beim Kauf für Fernzugkarten am Automaten. - Mit dem Video-Grabstein würden Friedhöfe natürlich einen ganz anderen Charakter bekommen. Besucher würden nicht länger nur vor den Gräbern ihrer eigenen Angehörigen halt machen, sie könnten auch zu anderen Gräbern gehen und sehen und hören, welche Botschaften die Verstorbenen dort hinterlassen haben.

Der Friedhof im Londoner Stadtteil Highgate gehört zu den bekanntesten letzten Ruhestätten der Welt, unter anderem liegt hier Karl Marx begraben. Zu den Video-Gräbern haben die Besucher hier unterschiedliche Ansichten.

Ich halte das für sehr interessant. Ich meine, so eine Video bringt die Leute einfach näher heran an die Realität des Todes. Auch wenn so ein Bildschirm auf dem Grabstein sicher ein bisschen deplaziert wirkt, die Idee ist bewundernswert. Die Botschaft, die ein Grabstein vermittelt, wird dadurch verstärkt.

So eine Erfindung ist doch symptomatisch für unsere Zeit. Viele Leute meinen sie seien etwas besonderes, und man müsste eigentlich eine Biografie über sie schreiben. Ich halte diese Einstellung für sehr arrogant und versuche solche Leute zu vermeiden.

Für Robert Burrows ist der Video-Grabstein allerdings erst der Anfang. Mit Hilfe der Video-Technik sagt er, würden Friedhöfe wegkommen von ihrem Image als Orte der Trauer und der Zurückgezogenheit. Stattdessen wären sie auf einmal so etwas wie die Internet-Cafes der Zukunft - Orte des elektronischen Gedankenaustauschs.

Ich habe den Video-Grabstein auch mit einer Kamera und einem Mikrofon ausgestattet. Damit können die Besucher ihre eigenen Kommentare aufnehmen oder Botschaften für andere Besucher hinterlassen, die den Friedhof später besuchen. So nach dem Motto "Schöne Grüße auch an den Rest der Familie". Diese Botschaften könnte man dann auch wieder übers Internet zuhause empfangen. Friedhöfe würden mit dieser Technologie also sicher lebhaftere Orte.

Natürlich würden Friedhöfe damit auch lauter, denn die ganzen Lautsprecher an den Gräbern machen Krach - vor allem wenn Leute neben ihrer Lebensgeschichte auch ihre Lieblingsmusik auf dem Grabstein abspielen. Der Video-Grabstein, so wie ihn Paul Burrows plant, sendet deshalb auch ein Audio-Signal aus - so kann man dann mit einem drahtlosen Kopfhörer vor dem Grab sitzen und den Video-Bildschirm einschalten, ohne dass irgendjemand etwas mitbekommt.
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