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Montag • 11:30
20.9.2004
Die Thermos-Brotdose
Von Wulf-Peter Gallasch

Thermos-Brotdose
Thermos-Brotdose
Könnten Bauarbeiter sich die ideale Brotdose wünschen, wäre es wohl die 'Lunchtime Thermobox'. Zwei Produktdesignerinnen der Fachhochschule Hannover haben so intensiv Essenswünschen und -gewohnheiten von Bauarbeitern analysiert, dass es offensichtlich war, wie die ideale Brotdose für den Arbeitsplatz aussehen müsste: Etwas zwischen Henkelmann aus den 50ern und multifunktionalem Leichtbaubehältnis, das zum Beispiel Suppe erhitzen kann.

Als erstes muss ich mein Besteck aus dem unteren Teil des Behälters holen, dann setze ich meinen Behälter ineinander, schließe dann den Deckel und kann dann an der Seite den Aktivator klicken lassen, sodass dann der Wärmering aktiviert wird, kann den Deckel wieder öffnen und meine warme Mahlzeit essen.

Carolin Trappe, eine der beiden Designerinnen, schiebt das erste Modell der ovalen, leuchtend gelben Lunchtime Thermobox zur Seite. Fünf bis zehn Minuten dauert es jetzt, bis die Suppe in dem Aluminium-Innenbehälter erhitzt ist. Der Idee zum Selbstkocher ging zunächst einmal Tiefenrecherche voraus.
Carolin Trappe und ihre Kommilitonin Nathalie Köhler befragten ihre Zielgruppe, Bauarbeiter. Die sollten Essenswünsche äußern. Die beiden Designerinnen wollen nämlich der hausgemachten Mittagsmahlzeit auf der Arbeitsstelle zu neuem Ruhm verhelfen. Bauarbeiter, so kam heraus, nehmen am liebsten Brot mit, Obst, Gemüse, ein paar Süßigkeiten und gerne auch Suppe. Ein Behältnis, das diese Wünsche transportieren kann, erinnert sich Nathalie Köhler, musste also mehr als nur genügend Platz haben.

Und da haben wir halt festgestellt: Wir brauchen ein Produkt, was beides kann. Wo man sowohl Apfel, als auch Brot mitnehmen kann, als auch eben die Suppe erwärmen kann. Und was uns aufgefallen ist, was ganz wichtig ist, dass man auf der Baustelle ohne Strom klarkommen muss und das muss sich eben warm halten oder selbst erhitzen.

Warmhalten oder selbst erhitzen? Leute vom Fach rieten den Designerinnen zum Erhitzen, das sei gesünder. Der Suppenbehälter musste also zugleich eine Art Kochtopf in der Brotdose sein. Das Prinzip des Taschenwärmers bot sich als Lösung an. So ein Taschenwärmer ist eine handtellergroße Metallbox, in der ein sich selbstständig erhitzendes Gelkissen steckt. Er passt in jede Jackentasche und heizt im Winter bequem kalte Finger. Aktiviert wird er mit einem Klick. Carolin Trappe.

Also das Grundprinzip bei diesen Erwärmern ist, dass da so ein kleiner Metall-, Knackfrosch liegt. Der liegt in der erst noch flüssigen Materie drin. Wenn man den dann knackt, werden im Prinzip so was, wie aktive Stellen frei. Das heißt, da werden Kristallisationen angeregt, die dann lawinenartig von statten gehen, so dass dann der vorerst flüssige Stoff fest wird. Und die Energie, die bei dieser Kristallisation frei wird, erzeugt halt auch Wärme.

Carolin Trappe und Nathalie Köhler benötigten für ihre Thermobox allerdings mehr Wärme, als die bei Taschenwärmern üblichen 60 Grad. Die beiden änderten die Chemie der reaktiven Flüssigkeit und kamen schließlich auf 80 Grad. Heiß genug für eine Suppenmahlzeit. Dieses Heizgel ist gewissermaßen wieder aufladbar. In heißem Wasser verflüssigt sich die kristallisierte Masse und kann so in der Thermobox viele Suppen erwärmen. Die komplette Box samt Mini-Suppenküche ist aus Kunststoff und, je nach Bedarf, mit oder ohne Suppentopf und Besteck montierbar.
Eine Firma, die den Entwurf produzieren könnte, haben die Studentinnen bisher nicht gesucht. Ohne Musterschutz für die Box will Nathalie Köhler noch nicht in Kontakt mit möglichen Produzenten treten.

Wenn man dort hingeht, sollte man das Produkt geschützt haben, oder es ist auf jeden Fall ratsam, es zu schützen. Es ist eben oft vorgekommen, dass die Firmen die Idee dann weiterverfolgen, dabei aber letztlich für den Entwerfer wenig bei herauskommt, dass dann einfach selber weiter verfolgen.

Gunnar Spellmeyer, Professor an der Fachhochschule für Design in Hannover, bestätigt zwar den Ideenklau. Aber solchen Unternehmen drohe dadurch auch Imageverlust, sagt er. Firmen, die hingegen Projektpartnerschaften für Entwürfe anbieten, fördern eher ihr Image und sichern sich zudem die Vermarktungsrechte. Wollen Designstudenten deshalb ihre Produkte selbst vermarkten, stehen sie vor einem Konflikt. Denn für spätere Bewerbungen ist es wichtig, dass junge Designer an Ausstellungen und Wettbewerben teilnehmen, sie ihre Entwürfe also veröffentlichen. Das aber behindert wiederum die Vermarktung. Gunnar Spellmeyer.

Solch eine Veröffentlichung steht der Schutzrechtsanmeldung im Wege. Also patentfähig ist die Idee mit der Veröffentlichung dann nicht mehr. Und das ist dann schon mal ein genereller Zielkonflikt, mit dem der Student so nicht klarkommt. Also, was ist ihm lieber: Eine tolle Ausstellung oder der eventuelle Schutz durch ein Patent. Wie man das lösen kann, das weiß ich auch nicht.

Der Entwurf der Thermobox ist schon veröffentlicht. Aber ein Gebrauchsmuster, der kleine Bruder des Patents, das ist noch möglich. Die positive Resonanz der Bauarbeiter auf die Lunchtime Thermobox spricht immerhin für die Vermarktung.
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