Patentes
Patentes
Montag • 11:30
18.10.2004
Maschinenfutter
Roboter isst Fliegen
Von Susanne Nessler

Ecobot II ist der erste Roboter, der aus Fliegen Energie gewinnt. Die kleine Maschine haben Forscher der University of the West of England entwickelt. Nicht weil es dort etwa zu viele Fliegen gibt, sondern, weil am Institut für autonome Systeme schon seit 50 Jahren Roboter gebaut werden. Und einer der Fliegen frisst, war eben noch nicht dabei.

Das Labor ist so groß wie ein Fußballfeld und die Mannschaft hier spielt gerne. Kleine runde Roboter fahren im Kreis und große Jungs diskutieren über Kurvenverhalten und Seitenlage. Mitten im Raum steht ein Swimmingpool, fünf mal fünf Meter groß. 20 Meter weiter liegt die Flugrampe. Dort sollen heute noch ein paar Maschinen in die Luft gehen.
Und am Ende des Raumes, ganz hinten, frisst ein Roboter ein paar Fliegen, aber das fällt bei dem ganzen Trubel kaum auf, sagt Chris Melhuish.

Der Professor für Robotertechnik ist Leiter dieses Abenteuerspielplatzes. Zusammen mit John Greenman, Professor für Biologie, hat er Ecobot II, den ersten Roboter, der Fliegen frisst entwickelt. Das Modell davor hat Schnecken gegessen, erzählt Chris Melhuish.

Was uns hier besonders interessiert, sind unabhängige intelligente Systeme. Das heißt, wir entwickeln Roboter, die zu einer festlegten Zeit, bestimmte Dinge tun sollen, das aber vollkommen unabhängig. Und mit unabhängig meine ich, der Roboter soll das tun, was der Mensch will, aber eben ganz ohne seine Hilfe.

Aus Rücksicht auf die Kollegen füttert der Wissenschaftler im Labor von Hand und nur tote Fliegen. Das ist schnell erledigt. Zwei fette Brummer oder Fliegen und Ecobot II hat genug für den ganzen Tag. Äpfel würde der Roboter aber auch nehmen, sagt der Wissenschaftler.

Wir haben uns für zwei Grundsubstanzen entschieden, wir haben Fliegen und wir haben Äpfel ausgesucht. Also pflanzliches und tierisches Material. Der Roboter isst beides.
Der Vorteil bei den Fliegen ist, man sie dazu bringen kann direkt zum Roboter zu kommen, das heißt Ecobot braucht keine Energie für die Nahrungssuche. Das Essen kommt direkt zu ihm. Das ist eine sehr energiesparende Möglichkeit.


Damit die Fliegen zum Roboter fliegen, hat der Biologe John Greenman einen einfachen Trick gewählt. Die richtige Duftnote. Ein paar für Fliegen verführerische Pheromone und Ecobot II wird satt.
Denn die Fliegen vermuten einen interessanten Paarungspartner im Inneren des Roboters und klettern neugierig durch eine kleine Öffnung in den Verdauungstrakt der Maschine.

Das Herzstück von Ecobot sind die biologischen Brennstoffzellen. Und wir geben rohe Energie in Form von echtem Essen in diese Zellen, und die wird in Energie umgewandelt.

Der Roboter verdaut gerade zwei handverlesene dicke Brummer. Das funktioniert bei einer Maschine nicht viel anders als beim Menschen auch. Zunächst spalten Enzyme die Fliegen in Zucker auf und dann sorgen Bakterien für die Umwandlung in Energie. Die Brennstoffzellen im Inneren der Maschine haben so nach knapp 14 Minuten Verdauungsarbeit genügend Strom und der Roboter kann losfahren.
Der Roboter ist allerdings ziemlich langsam und schafft nur zehn Zentimeter in der Stunde. Mehr ist nicht drin, da hilft auch keine Extraportion, sagt John Greenman.

Zurzeit können die Brennstoffzellen leider nicht mehr Energie aus der Nahrung gewinnen. Aber vielleicht ist das schon in ein paar Jahren anders. Die mit Bakterien arbeitenden Brennstoffzellen stehen ja erst am Anfang ihrer Entwicklung und in fünf oder zehn Jahren werden sie sicher in der Lage sein, mehr zu leisten.

Ecobot II könnte dann außerhalb der großen Laborhalle wirklich gefährliche Gebiete erkunden. Denn Fliegen gibt es überall auf der Welt. Der Roboter kann aber auch ausschließlich als Insektenfresser eingesetzt werden. Zum Beispiel in der Landwirtschaft, um ganz bestimmte Schädlinge zu vertilgen.
Die Forscher haben an vieles gedacht. Nur an eines nicht, sie haben vergessen ihre Erfindung zu patentieren.
-> Patentes
-> weitere Beiträge
->
-> Intelligent Autonomous Systems Laboratory