Patentes
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Montag • 11:30
1.11.2004
Wo Erfindungen ihre Vermarkter treffen
Entdeckungen auf der Erfindermesse Nürnberg
Von Wolfgang Noelke

Erfinder Werner Lehnert stellt auf der IENA 2004 Solarmodule für Kleidung vor. Damit kann man z.B. ein Handy aufladen. (Bild: IAENA)
Erfinder Werner Lehnert stellt auf der IENA 2004 Solarmodule für Kleidung vor. Damit kann man z.B. ein Handy aufladen. (Bild: IAENA)
Ob der Nürnberger Trichter, dieses Gerät zum Einträufeln der Weisheit auf der Nürnberger Erfindermesse eine Chance hätte? Wohl kaum, denn - auch wenn der Trichter funktionieren würde, wäre er mit etwa 550 Jahren wohl etwas zu alt und schon zu bekannt für eine der 23.000 jährlichen Patentanmeldungen.

"Ideen, Erfindungen, Neuheiten", kurz "IENA" heißt die selbst schon mehr als 50 Jahre alte Erfindermesse, auf der man sich bis Sonntagabend 650 Neuheiten ansehen konnte. Zum Glück sind nicht alle Erfindungen so kurios und geheimnisvoll, wie der Nürnberger Trichter, den es leider nur in der Literatur gibt.

Es sind die Lösungen kleiner Probleme des Alltags, die in Nürnberg vorgestellt werden, zunächst Kopfschütteln verursachen, aber schließlich doch ein Welterfolg werden: Hier stellte man Vorläufer der Inline-Skates und des Skateboards vor, der Wasserstopper für die Toilettenspülung hatte in Nürnberg Premiere, die Antirutschmatte für den Kofferraum, die aufrollbare Hundeleine, der Unfalldatenschreiber sowie Mitte der 60er Jahre unser heutiger Sicherheitsgurt im Auto.

Vielleicht wird die Erfindung von Andreas Kaiser ebenfalls weltbekannt, weil sie in fast alle Autos mit umklappbaren Rückbänken passt: Es ist eine Aluschiene, die man in die freien Verriegelungshaken der umgeklappten Rückbanklehne einrastet. Auf dieser Aluschiene sind verschiebbare Alublöcke montiert, die jeweils genau so breit sind, wie eine Fahrradgabel. Andreas Kaiser hat den Vorderreifen seines Rennrades abmontiert und stellt die nun offene Gabel genau in diesen Block:

Ich hebe jetzt über den Kofferraum das Fahrrad in den Innenraum. Das Fahrzeug selber ist ein Audi "A3- Sportback", also, das ist schon sehr klein, aber selbst hier haben wir genügend Platz für die Fahrräder, um die hier zu befestigen. Ich befestige jetzt am Schnellspanner, der am Fahrradträger ist die Gabel vom Fahrrad und so habe ich einen ordentlichen Halt vom Fahrrad im Innenraum. Es wird stehend transportiert. Also liegend würde ich auch keine zwei Fahrräder hineinbekommen. Stehend bekomme ich sogar bis zu vier Fahrräder in den Fahrzeuginnenraum.

Wer zu zweit fährt, nimmt aber selten mehr als zwei Fahrräder mit. Die Fahrradlenker sitzen jetzt direkt hinter den Kopfstützen und zwischen den Rädern bleibt immer noch genügend Platz fürs Gepäck. Heckklappe schließen und schon darf man mit den nun diebstahlsicher verpackten Rädern sogar wieder ins Parkhaus fahren oder spart sich im Urlaub die Zusatzgebühren für Fähren und Autozüge.

Seitdem Telefonieren mit dem Handy im Auto bestraft wird, gibt es drei Typen von Autofahrern: Die zufriedenen mit fest eingebauter Freisprechanlage, die mürrischen, denen der Kabelsalat am Zigarettenanzünder bei jedem Schlagloch herausfällt und die scheuen Ignoranten, denen das Handy angesichts der nahenden Polizeistreife einfach in den Schoß fällt.

Erich Balling aus Bayreuth zeigt die Lösung für die Letzteren: Er klemmt einen winzigen Clip auf den Hörer seines Handys und einen zigarettenschachtelgroßen Lautsprecher an die Sonnenblende. Fertig ist die Freisprechanlage: kein Kabelsalat - das Handy kann überall liegen, nicht nur im Auto, sondern auch auf dem Nürnberger Messestand:

Im Auto, wenn ich da zum Beispiel bin lasse ich es jetzt eingeschaltet. Wenn jetzt ein Anruf kommt, drücke ich einfach die grüne Taste und kann das Gespräch entgegennehmen. Ich muss jetzt nichts weiter machen, wie bei einer richtigen Freisprecheinrichtung auch. Guten Morgen! Hörst du mich? Ich versteh dich wunderbar: einwandfrei!

Der Sender im Clip und der Empfänger an der Sonnenblende werden von Batterien gespeist. Die Freisprechanlage ist also nichts für Vieltelefonierer. Und dass an der roten Verkehrsampel alle Nachbarn das Funkgespräch mithören könnten schließt Erich Balling aus:

Bei Bluetooth zum Beispiel kann passieren, weil das ja zirka 30 Meter weit geht, dass der Nachbar mithören kann und das kann hier nicht passieren, weil so weit geht die nicht. Die ist nur fürs Auto konstruiert, oder fürs Büro - nicht weiter wie zirka ein Meter fünfzig.

Viel schlimmer als ein abgehörtes Telefonat wäre das zunächst abgehörte und dann von Dieben abgeholte Auto. Abgehört wird von Autodieben zunächst das codierte Signal des Funk- Schlüssels:

Man kann das durch entsprechende Empfangsysteme, sei es im Infrarotbereich oder auch mit funktechnischen Systemen kann man es empfangen und die Signale die man braucht um den Wagen zu öffnen entsprechend zurückgeben. Man hat sozusagen einen elektronischen Schlüssel kopiert.

Mit dem sich problemlos das eben geparkte fremde Auto öffnen lässt. Die modernen Funk- Schließsysteme seien nicht sicher, sagt Hans Effertz aus Zülpich, der auf der Erfindermesse selbstverständlich sein abhörsicheres System vorstellt: Eingefrorene Schlüssellöcher, gegen deren Tücken die Funköffnersysteme mal entwickelt wurde sind mit der Erfindung aus der Eifel weiterhin kein Problem für Autofahrer. Es klappt jetzt nur nicht mehr, vom Biergarten aus per Funk-Türöffner den schicken Sportwagen aufblinken zu lassen- wenn man einen hat und - sofern dieser noch an seinem Platz steht - man muss jetzt wie früher hingehen zu seinem Auto und einen kleinen Metallstift irgendwo ans Blech halten, worauf die Türen sich öffnen, weil...

... wir einen Ultraschallgeber haben, der einen bestimmten Code direkt auf das Material übertragen muss. An diesem Material ist ein entsprechender Sensor der es empfängt, die Codierung ausgewertet und entsprechend die Türen dann öffnen kann.

Und Material kann alles sein: Blech, oder auch die Scheibe. Denkbar wäre es sogar, im Fahrzeugcomputer die Reihenfolge festzulegen: Erst wenn man die Tür mit dem richtigen Schlüssel erfolgreich geöffnet hat, darf man auch den Motor starten. Autodiebe, die das Türschloss einfach knacken, oder gar die Scheibe einschlagen hätten keine Chance.

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