Patentes
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Montag • 11:30
22.11.2004
Professor Lisa Wiesmüller mit DFG-Tierschutzpreis ausgezeichnet
Von Thomas Wagner

Vertreter der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Bonn vergaben erstmals den "Ursula-M
Händel-Tierschutzpreis" an zwei Wissenschaftler, die sich in ihren Forschungsarbeiten um den Tierschutz verdient gemacht haben. Einer der Preisträger ist der Hannoveraner Medizinwissenschaftler Professor Klaus Ott. Er erforschte das Schmerzempfinden von Tieren unter Narkose und entwickelte ein Verfahren, das Tieren Schmerzen bei Operationen weitgehend erspart. Zweite Preisträgerin im Bunde ist Professor Lisa Wiesmüller von der Universitätsfrauenklinik in Ulm. Ihr Verfahren, das sie bereits zum Patent angemeldet hat, erspart jährlich Zehntausenden von Versuchsmäusen und Ratten einen qualvollen Tod beim Test mit krebserregenden Substanzen.

Es geht um neue Arzneimittel, Kosmetika, um alle nur möglichen chemischen Substanzen, die in irgendeiner Form neu auf den Markt kommen. Immer sehen sich die Wissenschaftler mit der gleichen Frage konfrontiert: Sind diese Stoffe möglicherweise Krebs erregend? Um diese Frage zu klären, gibt es eine Fülle von Prüfverfahren. Letztlich kamen die Experten bislang nicht darum herum, solche Stoffe am lebendigen Tier zu testen, vorzugsweise an der Maus oder an der Ratte.

Man kann entweder im Rattenversuch besonders dafür prädestinierte, also empfindliche Tiere nehmen und ihnen das oral oder auf die Haut applizieren und das auf Krebsentstehung prüfen. Man sieht im Ergebnis den Tumor, also man prüft die Entstehung von Tumoren bei diesen Rattenversuchen.

Was, so Professor Lisa Wiesmüller von der Universitätsfrauenklinik in Ulm, für das betroffene Versuchstier das sichere Ende bedeutet. Doch es geht, zumindest in Teilbereichen, auch anders - dank eines Verfahrens, das Lisa Wiesmüller selbst entwickelt und zum Patent angemeldet hat. Dabei spielt ein völlig anderes Tier eine wichtige Rolle: "Aequorea victoria", eine im Pazifik vorkommende Quallenart. Die verfügt über eine Eigenschaft, die sofort ins Auge springt: Sie leuchtet in einem grellem Grün. Das liegt darin, dass diese Quallenart ein grün leuchtendes Eiweiß enthält. Das Eiweiß leuchtet immer dann, wenn irgendetwas nicht stimmt in der Zelle, wenn irgendetwas repariert werden muss.

Dort die grün leuchtende Qualle aus dem Pazifik, hier organische Zellen, die möglicherweise von Krebszellen geschädigt sind - Professor Lisa Wiesmüller kam ins Grübeln: Wenn man, so ihre Überlegung, die Gene des leuchtenden Quallen-Eiweisses isolieren und beispielsweise in menschliche Zellkulturen versetzen könnte, dann müsste es doch auch grün leuchten, wenn irgendetwas mit diesen Zellkulturen nicht stimmt, beispielsweise bei Krebsbefall? Diese Rechnung, das ergaben die weiteren Versuche im Labor, ging prompt auf. Lisa Wiesmüller.

Nur haben wir hier besonders die Häufung solcher Reparaturvorgänge als Antwort auf krebserregende Stoffe besonders ins Auge gefasst. Wir prüfen, ob die gehäuft vorkommen, besonders stark ausgeprägt sind, diese Reparaturvorgänge, und das zeigt uns an: Je mehr Zellen grün leuchten, desto mehr von diesen Prozessen haben stattgefunden, und desto stärker ist die Krebs erzeugende Wirkung des Stoffes.

Somit lassen sich nach Überzeugung der Ulmer Forscherin in Zukunft viele Tierversuchsreihen durch das von ihr entwickelte Leuchtverfahren ersetzen. Nach dem Tierschutzbericht der Bundesregierung für das Jahr 2003 werden jährlich bundesweit rund 11.000 Versuchstiere alleine im Bereich der so genannten "Muttergenitätsforschung" verwendet. Dabei geht es um die Frage, welche Substanzen das Erbgut einer Zelle schädigen.

Die Hoffnung wäre, dass man zumindest diese Versuche überflüssig machen oder reduzieren könnte. Wenn man darüber hinaus noch die Karzinomgenanalyse, also die Analyse der Stoffe, die Krebs erzeugen, weil da gibt es noch etwas mehr als die, die das Erbgut schädigen, damit ersetzen könnte, so kämen da noch weitere Zehntausend Versuchstiere hinzu.

So hoffen denn Tierschützer und die Ulmer Forscherin gleichermaßen darauf, dass sich das neue Verfahren möglichst schnell durchsetzt. Entwickelt und zum Patent angemeldet wurde es bereits vor über drei Jahren. Damals arbeitete Lisa Wiesmüller noch an einem Hamburger Forschungsinstitut.

Dieses Forschungsinstitut hat dann eingewilligt, diese Patentanmeldung freizugeben an meine Person, so dass ich das persönlich als Erfinder komplett übernommen habe, sowohl die Kosten als auch den Nutzen. Bei einer Freigabe eines Patentrechts hat der Erfinder ja die gesamten Kosten zu tragen und hat dann auch den Großteil, nicht 100 Prozent, aber den Großteil der Einnahmen zu erwarten, sofern denn welche kommen.

Darauf hofft die Ulmer Wissenschaftlerin sehr: Denn sie möchte die Einnahmen aus dem Patent für ihre weitere Forschungsarbeiten verwenden, bei denen die Früherkennung und die Bekämpfung von Krebs im Mittelpunkt stehen. In Zeiten knapper finanzieller Mittel auch an den Hochschulen stellen dabei die Patenteinnahmen eine neue und willkommene Finanzierungsmöglichkeit dar.
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