Patentes
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Montag • 11:30
29.11.2004
Wetterfeste Verhüllung von Parkfiguren
Von Hartmut Schade

Frei stehende Statuen in öffentlichen Gärten und Parks können künftig in spezieller Bekleidung anstatt in Holzkästen überwintern. Das Schloss Moritzburg entwickelte für die Figuren gemeinsam mit dem Institut für Textil- und Bekleidungstechnik der Technischen Universität Dresden eine patentierte Winterhülle.

Am Anfang war die Werbung. Ein Pärchen schlendert durch eine Autowaschanlage. Rubbelbürsten und Wasserströmen zum Trotz: die beiden kommen trocken heraus. Solch perfekter Schutz müsste doch ihren Sandsteinfiguren gut tun, dachte sich die Direktorin des Schlosses Moritzburg bei Dresden und wollte ihre Figuren einkleiden. Denn die Engel, Jäger, Ziegenböcke und Götterfiguren leiden arg unter der Winterwitterung.
Die Nässe dringt leicht in den porösen Sandstein ein, kommt dann Frost hinzu, platzen die Engelsnasen leicht ab, zeigen Wangen und Ohren Frostbeulen. Zum Schutz vor Kälte und Nässe stecken Museumsdirektoren ihre Figuren unter unförmige Holzkisten. Doch die sind teuer, schwer und brauchen im Sommer viel Platz. Die werbungsinspirierte Kleidungsidee versprach da Abhilfe.

Die Idee, die ist eigentlich schon lange da. Erste Versuche scheiterten immer am Material. Mit Folie zum Beispiel. Aber da besteht dann das Problem mit der Luftzirkulation, Kondenswasserbildung. Das ist dann eigentlich verworfen worden.

Erinnert sich Christian Lehmann, der Technische Direktor des Schlosses Moritzburg.
Hilfe kommt aus den Institut für Bekleidungstechnik der TU Dresden. Dessen Chef, Professor Hartmut Rödel nimmt einen Stoff, der an die plastikartigen Windjacken aus den 70er Jahren erinnert.

Wir haben hier eine ganz normale Textilie ausgewählt, die auch in anderen Bereichen Einsatz findet. Es handelt sich hier um Polyesterträgergewebe, welches mit spezieller Beschichtung versehen ist, so dass der Feuchtedurchgang von außen nach innen nicht möglich ist.

Und wenn die Sandsteinfiguren unter der Wintersonne zu schwitzen beginnen, dann greift ein Prinzip, das ebenfalls in den Windjacken Verwendung fand: die hatten unter den Achseln Löcher, damit das körpereigene Kondenswasser entweichen kann, die Engelsgewänder haben im Kopf- und Fußbereich Schlitze,

so dass sich bei entsprechender Wärmeentwicklung, bei Sonneneinstrahlung ein Luftstrom, wie sie es vom Schornstein her kennen von unten nach oben ergeben kann.

Sonne und Regen als natürliche Feinde sandsteinerner Figuren sind damit ausgeschaltet.
Bleibt der Wind, der bei den ersten Anproben die sackartigen Gewänder heftig um die Specktaillen der Engel flattern lässt. Was dem weichen Sandstein gar nicht gut bekommt, denn das raue Gewebe schmirgelt den Stein ab. Also hieß es weiter tüfteln.

Wir haben eine Lösung erarbeitet, die von einer hydrophober Kunststoffstruktur ausgeht, die also Feuchtigkeit nicht speichert. Es handelt sich dabei um Kunststoffprofile aus einem Kunststoffschaum und diese Kunststoffprofile sind sehr leicht verbiegbar. Man kann diese über die Figur legen, ganz schöpferisch und kann es an diese Person anpassen.

Als Christian Lehmann einen Engel auszieht, zeigt sich: die "hydrophoben Kunststoffstrukturen" sind nichts anderes als graue Schaumstoffröhren, wie sie jeder Häuslebauer zum Dämmen der Heizungsrohre verwendet. Sie werden mit Gummiseilen festgeklemmt, dann wird das Gewand über die Figur gezogen und mit Klettverschlüssen werden alle flatterigen Teile fixiert.

Eine knappe Viertelstunde - dann ist ein Jäger winterfest eingekleidet. Das freut Christian Lehmann besonders. Kein Vergleich mit den schweren und unförmigen Holzkisten.

Dort dauert es cirka anderthalb, zwei Stunden, eine Figur einzuhausen. Mit so einem - ich sag mal Sack, dauert es eine Viertelstunde, dann ist es erledigt.

Sack - das hört Hartmut Rödel ungern. Die Dresdener Bekleidungstechniker haben sich ihre Winterkleider als Gebrauchsmuster patentieren lassen. Wer also seine Götter, Engel, oder Vasen winterfest einkleiden will, muss Gebühren zahlen. Dafür reisen die Dresdener an und nehmen Maß. Schließlich soll auch der Winteranzug eines Engels perfekt passen.
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