Patentes
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Montag • 11:30
6.12.2004
Die Super-Festplatte aus Konstanz
Von Thomas Wagner

Der Hochleistungsrechner in der Größe einer Armbanduhr - im Moment hat diese Vorstellung noch nicht allzu viel mit der Wirklichkeit zu tun. Wirklich nicht? Physikern der Universität Konstanz gelang es nun immerhin, die "Super-Festplatte" zu entwickeln. Sie verfügt bei gleicher Größe wie herkömmliche Festplatten über die zehnfache Speicherkapazität. Oder andersherum: Bei gegebener Speicherkapazität benötigt die neue Festplatte aus Konstanz nur ein Zehntel der Fläche. Die Physiker haben ihre Entwicklung in den Vereinigten Staaten zum "Patent" angemeldet.

In so manchem älteren PC hört man sie noch regelrecht rattern - die Festplatte, die sich mit hoher Geschwindigkeit dreht und dabei von einem Magnetkopf abgetastet wird. Im Wesentlichen besteht die Festplatte aus einem Kunststoffträger, auf dem Millionen Metallteilchen aufgebracht wurden. Sie sind das eigentliche Speichermedium für die Daten des Rechners. Doch wählt man, um möglichst viele Informationen auf der Festplatte unterzubringen, immer kleinere Metallteilchen, stößt man bald an physikalische Grenzen. Professor Günter Schatz von der Fakultät für Physik an der Universität Konstanz:

Das hat Grenzen deswegen, weil wenn ein magnetisches Partikel kleiner gemacht wird, dann ist eine Tendenz vorhanden, dass dann die Wärme, also der thermische Eintrag, dazu führt, dass die Nord- und Südpole fluktuieren und damit ihren Informationsgehalt verlieren.

Das bedeutet aber, dass die Festplatte dann die gespeicherten Informationen verliert. Für die Konstanzer Physiker stellte sich daher eine schwierige Aufgabe: Die magnetischen Teilchen, auf denen die Daten gespeichert werden, sollten einerseits erheblich kleiner werden. Andererseits will man verhindern, dass sich diese Teilchen von äußeren Einflüssen wie Wärme beeinflussen lassen. Ildico Guhr, Mitglied des Konstanzer Forscherteams:

Es ging darum, dass die Nord- und Südpole nicht mehr waagrecht auf der Oberfläche liegen, sondern senkrecht auf der Oberfläche stehen.

Wie "Mini-Pfähle" brachten die Konstanzer Forscher die magnetischen Metallteilchen auf der Kunststoffplatte auf. Das brachte den Durchbruch: Der Platzbedarf reduzierte sich erheblich, die Wärmeempfindlichkeit ging ebenfalls zurück. Im Zuge weiterer Versuche kamen die Wissenschaftler zu der optimalen Anordnung: Dabei werden die Metallteilchen wie schräge Pfähle auf die Festplatte aufgebracht. Bei gegebener Speicherkapazität benötigt man damit nur noch zehn Prozent des Platzes einer herkömmlichen Festplatte - ein revolutionärer Durchbruch, der, so Professor Günter Schatz, völlig neue Anwendungsmöglichkeiten eröffnet:

Die Miniaturisierung würde vorangetrieben. Man könnte mal, also ich sag' jetzt mal, in einer Armbanduhr könnte man eine Speicherplatte einbauen. Also wir könnten mit der Größe eines Fünf-Mark-Stückes die gleiche Speicherkapazität bekommen wie mit einer Drei-Inch-Platte. Also man könnte sich vorstellen, dass die erhöhte Speicherdichte einfach zu kleineren Speichermedien führt, die dann in allen möglichen Anwendungen irgendwie verbraucht werden könnten. Also ich könnte mir schon vorstellen, dass wir bald ein Laufwerk in eine Uhr einbauen.

Dazu müssen die Konstanzer Forscher aber erst noch einen Partner aus der Industrie finden, der das Verfahren zur Serienreife weiterentwickelt. Deshalb haben sie ihre "Super-Festplatte" zum Patent angemeldet - ganz bewusst nicht in Europa, sondern in den USA. Professor Günter Schatz:

Das liegt daran, dass die Hauptplattenhersteller US-Firmen sind und wir uns mit einem Patent den Hauptmarkt sozusagen gesichert haben. Ein deutsches Patent würde, was das angeht, ins Leere gehen. Es gibt keinen Hersteller von magnetischen Platten hierzulande.
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