Patentes
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Montag • 11:30
27.12.2004
Transluzenter Beton - "Litracon"

Wer an Beton denkt hat wahrscheinlich sofort Bilder von grauen Hochhäuserblocks, dunklen Tiefgaragen oder kargen Mauern vor Augen. Das könnte sich demnächst ändern, denn ein deutscher Architekt und ein ungarischer Ingenieur wollen einen neuen Werkstoff mit ungewöhnlichen Eigenschaften vermarkten: transparenten Beton. Das Material heißt Litracon, genau wie die kleine Firma der beiden, die den Beton herstellt.

Durchscheinender Beton - eine wirklich faszinierende Erfindung. Man steht vor einer scheinbar ganz normalen grauen Betonwand und solange sich dahinter keine Lichtquelle befindet kann man auch nichts erkennen. Sobald aber jemand auf der anderen Seite der Wand von hinten angestrahlt wird, wirkt die Wand transparent wie Pergamentpapier und man kann ganz deutlich Umrisse erkennen. Mit diesem Effekt weiß Andreas Bitis auf Messen zu beeindrucken.

Ganz konkret haben wir hier eine Wand aufgestellt. Die ist ungefähr zwei Meter 60 lang und ungefähr zwei Meter und zehn hoch. Man sich also richtig hinter verstecken kann, bzw. das Versteckspiel funktioniert eben nicht mehr so. Man sieht eben durch, den Schattenumriss auf jeden Fall, und Farben und so weiter. Man kann sich hier richtig austoben.

Möglich wird das durch die patentierte Herstellungsweise der Wand. Um den Lichtdurchfluss durch den Beton zu ermöglichen, werden Glasfasermatten im Wechsel mit Betonschichten in eine vorgegebene Form eingebracht. Ähnlich einer Lasagne wird so ein Block, eine Wand oder jede andere gewünschte Form aufgebaut. Daraus folgt allerdings auch, dass Litracon nicht flüssig auf einer Baustelle verarbeitet werden kann. Jedes Bauteil wird derzeit noch mühsam auf einem kleinen Hof mitten in Ungarn hergestellt. Dabei muss Aaron Losonschy zuerst die Form für den Beton fertigen, dann ganz gewöhnlichen Beton anrühren und diesen dann Schicht für Schicht mit den Glasfasermatten in die Form gießen.

Wir sind ein Start-up Unternehmen, wir sind im Moment zu zweit und wir haben ein eigenes, ja einen Werkshof, einen eigene Garage, wo wir im Prinzip produzieren. Wir haben natürlich unseren, auch selbst entwickelten, Maschinenpark. Aber alles - ganz klar - in Handarbeit.

Momentan stellen sie vorwiegend kleinere Prototypen her, um ihren Werkstoff bekannt zu machen. Dazu bauen sie zum Beispiel auf Messen Wände aus Litracon auf, die etwa Türgröße haben und wie gewöhnliche Betonwände aussehen. So will man die Lichtdurchlässigkeit des Materials demonstrieren, die auch noch bei einer Wandstärke von 20 Metern funktioniert. Eine hoch spannende Geschichte, findet Architekt Rolf Sam aus Bergisch Gladbach.

Das Material ist sehr interessant, weil es ja die Verbindung zwischen dieser Massigkeit und Beständigkeit von Beton und der Leichtigkeit von Glasfaser und der Transparenz kombiniert. Spontan fällt mir dazu ein, dass wir es einsetzen könnten in verschiedener Form als Raumteiler, wo wir Akzente setzen wollen. Wo wir unterschiedliche Räume mit unterschiedlichen Nutzungen zeigen möchten. Dass man erahnt was dahinter ist, es aber doch nicht erkennen kann.

Aber nicht nur solche Anwendungen sind denkbar. Mithilfe der Glasfasern im Beton könnte man auch in Wände und Decken reinschauen. Eine interessante Nutzung bei Häusern, die in Erdbebengebieten stehen. Schickt man eine Lichtstrahl durch die Glasfasern können eventuelle Risse im Material festgestellt werden. Außerdem ist es möglich, durch die Glasfasern auch andere Informationen zu schicken. So könnten Büros in Zukunft eine Wand aus Litracon als Computernetzwerk verwenden, bei dem man sich an unterschiedlichen Orten über Schnittestellen einfach mit seinem PC einklingt.
Ausgedacht hat sich das Ganze der ungarische Ingenieur Aron Losonschi, dem die Idee in einer ungarischen Künstlerkolonie gekommen ist, wie Andreas Bitis berichtet.

Da hat ein Künstler in einen Betonkubus ganz normale Glasscheiben eingegossen. Und in dem Augenblick wo jetzt eben das Sonnenlicht auf die Glasscheiben traf, löste sich dieser Betonkubus auf, von der Ästhetik her. Und das hat ihn fasziniert und er hat dann gesagt: "Hey, ich bin kein Künstler, ich bin kein Handwerker, ich bin Ingenieur. Wir müssen das im 21. Jahrhundert eigentlich besser hinkriegen. Und hat dann experimentiert und irgendwann ist er dann bei den Glasfasern angekommen.

Einer größeren Verbreitung steht momentan neben der Einzelanfertigung auch noch der daraus resultierende relativ hohe Preis im Weg. Ein Kubikmeter Litracon kostet 50.000 Euro.
Da sie auf die verschiedenen Herstellungsweisen ihres Betons Patente haben, suchen sie nun Partner, die in Zusammenarbeit mit ihnen die Produktion und Vermarktung günstiger gestalten können. Vielleicht gibt es ja dann in fünf bis zehn Jahren schon die ersten Fassaden oder Häuser aus "durchscheinendem Beton".
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